Mit der Lesung des Schriftstellers Guy Krneta verschaffte Kul’Tour Gipf-Oberfrick in ihrer 59. Etappe am letzten Januartag dem Publikum in «blumiger Umgebung» wiederum eine Überraschung. Mit einem Schmunzeln verliess man das Atelier Floral.

Mit einem Schmunzeln über diese Schweizer Familie. Über den Grossvater, bei dem die zahlreiche Nachkommenschaft zusammenkommt und der am Gegenstand des bereits mit Verstorbenen vollgeschriebenen Grabsteins und der notwendigen Erneuerung desselben in einem endlosen Vortrag seine ganze Vergangenheit und die seiner Vorfahren aufrollt.

«Billie» ist weg

Über den gleichen Grossvater, bei dem alles verschwindet, Brille und Schlüssel und der auf der Autobahn mit seinem Cabriolet mehrmals eine Ausfahrt verpasste und nicht begreifen will, dass ihm das Strassenverkehrsamt das «Billie» (den Führerschein) weggenommen hat, weil er bei Rot über die Kreuzung gefahren ist.

Schmunzeln auch über den Onkel Sämi, den jüngsten Sohn des Grossvaters, und dessen Humor und spassige Behauptungen: «Tanksperren aus dem Weltkrieg erinnerten ihn an Toblerone Schokoladen. Sie seien 1939, unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg, für den damaligen Modesport – das «Böckligumpen» – errichtet worden. Oder: Verlorene Gegenstände, die auf den Grund des Thunersees gefallen seien, würde man nach fünfundzwanzig Jahren wiederfinden, weil nach dieser Zeit alle Seen entleert würden. Man müsse sich aber die Stelle, wo sie untergetaucht seien, ganz genau merken.»

Alle diese Geschichten, die einen Einblick in die Welt einer «ganz gewöhnlichen» Familie ergaben, lebten von der Darstellung des Lesenden und seiner gepflegten berndeutschen Sprache.

«Bern ist überall»

Guy Krneta wurde 1964 in Bern geboren und lebt heute als freier Schriftsteller in Basel. Er gehört zu der Spoken-Word-Formation «Bern ist überall», deren zentrale Kennzeichen Mündlichkeit und Mundart sind.

Guy Krneta erhielt zahlreiche Auszeichnungen; die jüngste ist der Schweizer Literaturpreis vom letzten Jahr. Über «Unger üs» schreibt der Schriftsteller, Klaus Merz: «Dieses «Familienalbum» wächst sich unter der Hand zu einem eindrücklich dichten Gewebe unserer Menschlichen Komödie und ihrer Bedingungen aus.» (SAG)