Buch
Schriftsteller Christian Haller: «Zwei gänzlich infantile Männer sind an der Macht»

Schriftsteller Christian Haller über sein neues Buch, den Fluss des Lebens, das Sich-treiben-Lassen, das Älterwerden und über die beiden «Buben» mit Weltmacht.

Thomas Wehrli
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Schriftsteller Christian Haller
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Christian Haller Schriftsteller Christian Haller aus Laufenburg hat soeben seinen neuen Roman "Das unaufhaltsame Fliessen" publiziert. Fotografiert in seinem Zuhause am Ufer des Rheins.
Christian Haller Schriftsteller Christian Haller aus Laufenburg hat soeben seinen neuen Roman "Das unaufhaltsame Fliessen" publiziert.
Christian Haller Schriftsteller Christian Haller aus Laufenburg hat soeben seinen neuen Roman "Das unaufhaltsame Fliessen" publiziert. Fotografiert in seinem Zuhause am Ufer des Rheins.
Christian Haller Schriftsteller Christian Haller aus Laufenburg hat soeben seinen neuen Roman "Das unaufhaltsame Fliessen" publiziert. Fotografiert in seinem Zuhause am Ufer des Rheins.
Christian Haller Schriftsteller Christian Haller aus Laufenburg hat soeben seinen neuen Roman "Das unaufhaltsame Fliessen" publiziert. Fotografiert in seinem Zuhause am Ufer des Rheins.

Schriftsteller Christian Haller

Sandra Ardizzone

Den Weg zu Christian Haller kenne ich bestens. Es ist mein fünftes grosses Interview mit dem Aargauer Schriftsteller aus Laufenburg. Ich folge dem Fluss der Fischergasse, ströme über den Laufenplatz und mäandere durch die Laufengasse. Vor seinem Haus halte ich kurz inne, freue mich auf die Begegnung, auf das Gespräch über Lebensfluss und Schreibfluss.

Christian Haller öffnet auf mein Klingeln. Seine Erscheinung strahlt Herzlichkeit aus, ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Es geht aufwärts, in den zweiten Stock, in «meine Klause», wie er sagt, ein rundum geschlossener Balkon direkt am Rhein.

Wir setzen uns in die Korbstühle an den Salontisch. Eine Spannung liegt in der Luft – keine negative, ganz im Gegenteil. Wir beide sind neugierig auf das, was kommen wird, auf das Sein im Wort-Werden, auf den Fluss der Gedanken. Eine Karaffe und zwei Gläser stehen auf dem Tisch. Wir brauchen sie nicht, sind vertieft in das Gespräch.

Der Ausblick vom Balkon aus ist fantastisch. Die Sonne sorgt für ein Lichtspiel, ein Spiegeln im Rhein, der an diesem Morgen ruhig vor sich hinströmt. Unaufhaltsam.

Christian Haller, auch das Leben ist ein unaufhaltsames Fliessen. Mit welchem Boot oder Schiff sind Sie auf dem Fluss des Lebens unterwegs?

Christian Haller: Am ehesten mit einem Baumstamm, den ich zu fassen bekam. Ich treibe mit ihm durch die Strömung.

Sie treiben durch das Leben?

In einem gewissen Sinn, ja. Das zeigt auch das Buch. Ich liess mich von der Strömung in immer neue Flussschlaufen des Lebens tragen, wusste oft selber nicht, wohin es gehen würde. Ich sperrte mich nicht dagegen, liess es zu – und erlebte Überraschendes, mir noch Unbekanntes. Geschehen zu lassen, oder eben: sich treiben zu lassen, braucht Mut. Denn man lässt etwas zu, das sich der eigenen Kontrolle entzieht.

Christian Haller: Das unaufhaltsame Fliessen. Luchterhand, München 2017. 256 S.

Christian Haller: Das unaufhaltsame Fliessen. Luchterhand, München 2017. 256 S.

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Das Wasser muss notgedrungen dem Gefälle nachgehen, wie Sie in Ihrem neuen Buch schreiben. Wir müssen das nicht.

Das stimmt. Und wir werden eher dazu angehalten, den eigenen Willen durchzusetzen, Wünschen nachzuleben, also zu bestimmen, was ich tun und lassen soll. Ich aber habe in einem intuitiven Nachfolgen in mir wirkender Kräfte eine Art Entdeckerfreude gefunden. Ähnlich, wie wenn man sich verliebt: Mit einem Mal ist da wieder ein Fliessen und Strömen, Stauungen lösen sich, die eigene kleine Welt kommt in Fluss.

Liessen Sie sich immer schon im Fluss des Lebens treiben?

Immer nicht, aber ich habe es früh gelernt. Bereits als Gymnasiast merkte ich, dass es keinen Sinn hat, etwas erzwingen zu wollen. Es gerät nicht, und das Erzwungene ist ein schlechter Begleiter.

Wer sich treiben lässt, weiss nie, wo er landet. Haben Sie sich nie nach einem begradigten Flusslauf gesehnt, nach einem Dampfer statt eines Baumstamms?

Ich hatte keine Wahl. Ein schnurgerader Lebensverlauf war mir nicht gegeben. Er ist vielleicht einfacher, doch ich bewerte das nicht, sage nicht, das eine ist besser, das andere schlechter. Es ist anders. Mein Leben war und ist ein stetes Mäandern. So konnte ich Erfahrungen sammeln, die ich später in meinen Büchern schreibend umsetzte.

Wenn Sie sich, an Ihrem Baumstamm treibend, umsehen. Was sehen Sie da?

Das Gefälle wird geringer, der Fluss fliesst ruhiger. Ich nähere mich der Mündung. Eine Alterslandschaft taucht allmählich auf, zeigt sich immer deutlicher. Vor mir liegt etwas, das mich allerdings auch beunruhigt, das endgültig und unausweichlich sein wird. Die Sicht nach vorne wird immer kürzer.

Was möchten Sie noch sehen?

Die Welt befindet sich in einem gewaltigen Umbruch, von dem heute noch niemand sagen kann, was hinterher kommen wird. Das moderne physikalische Weltbild ist technologisch im Alltag als Digitalisierung angekommen und wird unser Leben weiter verändern. Ich hoffe, noch etwas von dem erhaschen zu können, was dem Umbruch folgt. Meine Neugierde ist ungebrochen.

Wie zeigt sich der Umbruch gesellschaftlich?

In starken Verwerfungen, wie wir sie auf allen Kontinenten beobachten können. Die Sehnsucht nach Heimat, nach einem Zurück in die vermeintlich heile Zeit des Gestern ist gross. Nur: Es gibt diese Zeit nicht mehr – und es hat sie in dieser von uns idealisierten Form auch nie gegeben.

Lebt der Nationalismus von dieser Sehnsucht?

Ja, obwohl er längst überwunden sein sollte, denn das zwanzigste Jahrhundert hat mit einer noch nie da gewesenen Dramatik gezeigt, welches Unheil Nationalismen anrichten, besonders wenn sie ethnisch, rassistisch oder religiös grundiert sind.

Die Digitalisierung führt auch zu einem Wertewandel. Macht Ihnen dieser Angst?

Nein, denn ohne Wandel werden aus Werten starre Konventionen. Wandel ist notwendig, damit auch etwas Neues entstehen kann. Aber: Man muss sehr genau hinsehen, denn der Wertewandel kann auch eine schreckliche Fratze zeigen, kann in Gewalt und in ein Gegeneinander münden.

Das Gegeneinander, das sich mediale Hochpushen erleben wie derzeit zwischen Nordkorea und den USA.

Was hier gespielt wird, ist hochgefährlich – noch mehr, wenn man bedenkt, dass zwei gänzlich infantile Männer an der Macht sind. Sie kommen mir wie zwei Buben vor, die wetteifern, wer weiter pinkeln kann.

Der eine der beiden «Buben», US-Präsident Donald Trump, ist demokratisch gewählt. Warum liess man ihn an die Macht?

Weil sehr einfach strukturierte Leute sehr einfach strukturierte Botschaften haben und damit die Ängste und Sehnsüchte bedienen, die viele Leute in Zeiten des Umbruchs haben: Sie sehnen sich nach Sicherheit, Wohlstand und Harmonie. Sie möchten in ihren Nöten verstanden werden. Mit den einfachen Botschaften missbrauchen die Problemvereinfacher diese Menschen und lassen sie von einem besseren Leben träumen, das real in Leid und Zerstörung endet.

Der Fluss Ihres Lebens ist ruhiger geworden, sagen Sie. Wünschen Sie sich manchmal den reissenden Strom zurück?

Nein. Ich schätze die Ruhe. Die Art der Aufgeregtheit, die in einer mittleren Lebensphase zum Alltag gehört, habe ich hinter mir – und bin froh darum. Gleichzeitig schmerzt es auch, zu spüren, wie sich parallel die Welt von einem zurückzieht. Den eigenen Rückzug kann ich wählen, den Rückzug der anderen nicht. Diesen muss ich aushalten.

Was kommt, wenn der Fluss die Mündung erreicht hat?

Das weiss ich nicht. Ich habe keine Vorstellung. Das ist ja gerade das Mysterium des Todes, dass er sich der Beschreibung entzieht.

Ist dann einfach nichts mehr?

Das ist eine genauso seltsame Aussage, wie wenn ich sage: Ich bin dann bei meinen Verwandten. Es gibt Dinge, die weder vorstellbar noch beschreibbar sind. Der Tod ist eine davon. Wir müssen unser Nichtwissen akzeptieren.

Sind Sie neugierig auf das, was da kommen wird?

Nein. (Lacht.) Es ist nicht so, dass ich das, was da kommen wird, herbeisehne. Und der Gedanke, dass die Welt, wenn ich dereinst sterbe, genau gleich weiterdrehen wird, hat auch etwas Befremdliches. Aber so ist das Leben. Sie gehen in Kürze auch aus diesem Raum und werden andere Artikel schreiben.

Ich hoffe es zumindest! Der Fluss spiegelt auch. Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel blicken?

Einen alten Mann, ein Gesicht, dem man das Gelebt-Sein ansieht. Ich habe nie gerne in den Spiegel gesehen ...

... und spiegeln sich in Ihren Büchern doch stets selber. Wie ist das zusammenzudenken?

Als Schriftsteller arbeite ich aus den eigenen Erfahrungen heraus, aus dem, wie mir die Welt begegnet ist. Diese Erfahrungen bringe ich in die Sprache. Auch das sind Momente einer Bespiegelung, der Reflexion des einmal gelebten Lebens, zu dem ich Distanz nehme, um mit Skepsis hinzuschauen ...

... die in Ihrem Buch an Schonungslosigkeit grenzt. Sie legen Ihr Leben offen, schreiben über Ihr Suchen, Ihre Haltlosigkeit, Ihr Scheitern. Weshalb diese Schonungslosigkeit?

Weil es sie braucht. Ich will in dem dreiteiligen Roman nicht mein Leben dokumentieren, sondern eine präzise Untersuchung machen, wie ein Ich einen Weg sucht, den die Gesellschaft nicht vorsieht. Es gab zu meiner Zeit noch keine Ausbildung zum Schriftsteller.

Dann ist der Roman eine Art Wegsuche?

Ja, der Roman zeigt, wie das Ich diese Suchbewegung erlebt, wo es ansteht, wer ihm hilft, welche Wendungen es nimmt. Eine solche Beschreibung gelingt nur, wenn man schonungslos präpariert, was sich ereignet hat. Eine Arbeit, die nur die Stärken aufzeigen würde, nicht aber auch die Defizite, wäre einseitig und unglaubwürdig. Ich versuche das Leben, das erst noch gelebt sein wollte, aus der Position des Lebens zu untersuchen, das ich bereits gelebt habe. Und dazu bedarf es, auch das Schwierige oder Peinliche offenzulegen.

Wie schwer fiel dieser Entscheid?

Gar nicht schwer. Vielleicht auch, weil ich derjenige, der ich im Roman bin, heute nicht mehr bin. Er trägt zwar meinen Namen, ist Teil meiner Selbst, aber gleichwohl auch ein Fremder. Es liegt eine Distanz von 30, 40, 50 Jahren zwischen den beiden Ichs.

Der Leser begegnet Ihrem Ich im Gestern. Sieht er nur an Sie heran oder doch etwas in Sie hinein?

Er sieht sicher in mich hinein – und er sieht durch mich in eine ganze Zeitgeschichte hinein. Der Globuskrawall, der Zürcher Literaturstreit, die 68er-Bewegung. Er begegnet einem Panorama an zeitgeschichtlichen Ereignissen. Wir leben nicht isoliert vom Zeitgeschehen. Es wäre kein guter Roman, wenn man nur an die Figuren und die Ereignisse heranschauen würde. Beides muss transparent sein, beides muss man miterleben können.

Sie haben den Globuskrawall in Zürich hautnah miterlebt. Wie stark prägte Sie das Erlebte?

Sehr stark. Für mich als 20-Jährigen war die Wucht, die Gewalt, die hier losbrach, bis dahin unvorstellbar. Ich hielt dies in der Schweiz für unmöglich. Als die Polizei ein kleines Kind, das sich unter einem Bahnwaggon verkrochen hat, mit Wasser hervor- und über den ganzen Platz spritzte, war ich empört und zutiefst entsetzt. Ab diesem Moment wusste ich, was ich aus der Geschichte des Generalstreiks 1918 schon hätte wissen können, dass ich in der Schweiz ebenfalls in einem Staat lebe, der unter gewissen Bedingungen bereit ist, Gewalt gegen die eigene Bevölkerung auszuüben.

Wie hat Sie das Erlebte verändert?

Es führte zu einer kritischeren Haltung, zu einem genauen Beobachten, zu einer Vorsicht, zu einem Wissen, dass das Undenkbare gedacht werden kann und muss.

Sie betrachten sich selber in Ihren Büchern sehr genau. Was haben Sie dabei über Christian Haller gelernt?

Ich habe durch die Arbeit einiges an mir entdeckt, das ich bisher nicht gekannt habe. Ich begriff auch besser, weshalb ich so handelte, ja, handeln musste, wie ich gehandelt habe.

Wie schwer ist Ihr Rucksack?

Ich lebte ein komplexes, von Krisen immer wieder durchgeschütteltes Leben. Das ist mir aufgrund der Arbeit an «Die verborgenen Ufer» und «Das unaufhaltsame Fliessen» noch stärker bewusst geworden. Ich denke, mein Rucksack ist nicht leicht. Ich trage viele Sachen mit mir herum, die ich nicht negieren will und auch nicht loswerden kann. Sie gehören jetzt zu mir, werden mich weiter begleiten, machen gleichzeitig auch meine Eigenart aus – im positiven wie im negativen Sinn.

Nützt es etwas, den Rucksack immer wieder zu öffnen, um hineinzuschauen?

Mehr noch: Man muss ihn immer wieder auspacken und das Verstaute vor sich hinlegen, es betrachtbar machen. Ungeschehen kann man das Erlebte zwar nicht mehr machen. Aber die Betrachtung hilft, allmählich ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Beschwernissen zu finden.

Sie mussten sich für das Schreiben freischwimmen. Wie kalt war das Wasser?

Es ist ein ganz schmaler Grat, um zur eigenen Sprache, zum eigenen künstlerischen Ausdruck zu kommen. Es lauern auf dem Weg unzählige Absturzgefahren. Eine der grössten ist der frühe Erfolg. Er hat eine immense Ablenkungskraft, eine Schwerkraft, der man schwer entkommt.

Das Wasser ist ein Sein im Werden. Trifft das auch auf das Schriftsteller-Sein zu?

Ja, selbstverständlich. Ohne ein dauerndes Wachsen und Werden, Arbeiten und Lernen würde ich stehenbleiben und mit mir mein Werk. Ich müsste mich selbst plagiieren, und das ist tödlich.

Ist das Werden jemals abgeschlossen?

Nein, das ist nie abgeschlossen. So wie ich auch die Gefahren nie loswerde. Sie lauern immer neu am Weg. Ich kann mit jedem Text scheitern. Das ist das Risiko.

Haben Sie Angst vor dem Scheitern?

Natürlich. Das Buch ist ein Stück von mir. Da fürchtet man sich schon vor Ablehnung, vor Unverständnis oder einem Nichtbeachtet-Werden. Das neue Buch hat mich drei Jahre lang begleitet, war mein Gefährte. Ich habe in ihm gelebt. Nun muss ich es loslassen, muss zuhören, wie andere darüber reden. Manchmal fühle ich mich, selbst bei positiver Kritik, auch missverstanden.

Was ist für Sie schmerzhafter: Eine negative Kritik, die Hand und Fuss hat, oder eine positive Rezension, bei der Sie das Gefühl haben, Sie wurden nicht verstanden?

Beides tut weh. Der Schmerz der negativen Kritik hält jedoch länger an. Es können zehn gute Kritiken folgen – man erinnert sich stets an die eine negative. (Lacht.) Das Gegengift des Positiven wirkt hier nicht wirklich.

Wir sind auf unserer Flussfahrt durch Ihr Leben in Laufenburg angekommen, hier, vor Ihrem Haus. Was sehen Sie?

Den Ort, an dem ich seit 24 Jahren wohne. Ich liebe diesen Wohnort, den Blick auf das Wasser, auf das ewige Strömen. Es ist meine Klause.

Wie erleben Sie Laufenburg?

Als einen zurückgezogenen Ort. Das muss man auch aushalten können. Es gibt mir aber gleichzeitig eine geschützte und konzentrierte Ruhe, die ich zum Arbeiten brauche.

Mit der Ruhe war es vorbei, als Ihre Terrasse 2013 abstürzte. Der Fels als Fundament hielt nicht. Was hat das Ereignis in Ihnen ausgelöst?

Es war ein Schock. Ich befand mich damals in einer Krise in Bezug auf mein Schreiben und hatte gleichzeitig private Schwierigkeiten. Der Absturz der Terrasse löste eine gewaltige Dynamik aus, die letztlich zum Romanprojekt führte.

Ihr Lebensfundament kam ins Wanken?

Das Ereignis rüttelte mich durch, trieb mich in Existenzängste und Blockaden hinein. Ich suchte damals erstmals in meinem Leben einen Psychiater auf.

Vertrauen Sie dem Fundament heute wieder?

Dem Hausfundament, ja, denn es wurde befestigt. Beim Fundament meines eigenen Lebens bin ich mir nicht so sicher. Ich sehe immer noch, dass ich mein Leben auf brüchiges Material aufgebaut habe. Das realisierte ich früher nicht.

Versuchen Sie, das Fundament zu stärken?

Das kann ich nicht. Das ist wie beim Felsen. Wenn er unten brüchig ist, nützen Stahlkappen oben nichts. Das Einzige, was ich tun kann, ist mir stets bewusst zu sein, wie brüchig der Untergrund ist.

Was gibt Ihnen Halt?

Das Schreiben, die Wörter, die auf das weisse Papier wollen.

Ein Christian Haller, der nicht schreibt?

Ist undenkbar. Das Schreiben war und ist meine einzige Möglichkeit, durchs Leben zu kommen.

Der neue Band heisst «Das unaufhaltsame Fliessen». Wohin fliesst es weiter?

In die Fortsetzung, den dritten Teil. Ich hoffe, die Kraft dazu noch zu haben.

Sind Sie in Gedanken bereits beim neuen Buch?

Nein, dafür ist mir das eben Abgeschlossene noch zu nahe. (Lacht.) Es liegt in den Windeln und muss noch durch die Schule. Erst dann kann ich es ganz loslassen – wie ein Vater sein Kind.

Als Schriftsteller sind Sie ein Mann des Wortes, des Satzes. Was ist Ihr Satz zu Christian Haller?

Den Weg zu gehen, den man gehen muss – unbesehen davon, wohin er führt.