Frick
Schrauben für die Nachhaltigkeit in der ersten Fricktaler Reparier-Bar

Die erste Reparier-Bar im Fricktal war ein voller Erfolg. Viele Leute brachten ihr defektes Gerät vorbei, das sie schon für verloren hielten. Und waren dankbar, wenn es im Meck wieder repariert werden konnte.

Hans Christof Wagner
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Eike-Olaf Tillner (rechts) fragt Ruedi Hugi nach dem Fortschritt bei seinem Dia-Projektor.

Eike-Olaf Tillner (rechts) fragt Ruedi Hugi nach dem Fortschritt bei seinem Dia-Projektor.

Keine zehn Minuten brauchte Christine Güttinger für Lilli. Elsi Büchli aus Hornussen hatte die Puppe mitgebracht, in der Hoffnung, dass jemand das heraus hängende Auge wieder fixieren kann. Während die Repariererin aus Beinwil am See sich um Lilli kümmert, erzählt Elsi Büchli deren Geschichte.

Vor 60 Jahren hat sie die Puppe zu Weihnachten von ihren Eltern geschenkt bekommen. Lilli hing das Auge nicht erst seit gestern heraus. Aber bisher wollte oder konnte sich der Puppe niemand annehmen. Dann las Elsi Büchli von der Reparier-Bar im Meck, ging hin und ist gerührt, als Christine Güttinger ihre Lilli wieder mit zwei strahlend blauen Augen präsentieren kann.

Sechs Reparierer am Werk

Dinge, an denen die Menschen hängen, an denen Erinnerungen kleben, die wegzuschmeissen sie nie übers Herz brächten – davon war das Meck am Samstagvormittag voll. Die sechs Reparierer Christine Güttinger, Ruedi Hugi, Ueli Wyser, Walti Plattner, Myrta Roesch und Sarah Meier taten ihr Bestes, um die Besucher nicht zu enttäuschen. Hugi, der in Etzgen wohnt, ist Elektroniker von Beruf. Er hat wohl die umfangreichste Ausrüstung dabei – alle möglichen Prüfgeräte und vor allem eine beleuchtete Lupe, durch die er alles vergrössert sehen kann. «Es wird ja alles immer kleiner in den Geräten», weiss er.

Kennerblick: Ruedi Hugi nimmt sich den Dia-Projektor von Eike-Olaf Tillner vor.

Kennerblick: Ruedi Hugi nimmt sich den Dia-Projektor von Eike-Olaf Tillner vor.

Viel Zeit zu erzählen, hat keiner der Sechs. Jürg Meier, mit Su Freytag einer der Initianten der Reparier-Bar, bringt immer neue Geräte an – so auch einen Diaprojektor. Gebracht hat diesen Eike-Olaf Tillner aus Stein. Hugi nimmt sich ausgiebig Zeit für das sicher 40 Jahre alte Schätzchen aus analogen Filmzeiten, muss am Ende aber doch passen.

Auch Susanna Neu aus Stein kann ihr von der Mutter stammendes Waffeleisen noch nicht wieder benutzen – es fehlt aber nur ein Kabel, das ans 60er-Jahre-Gerät passt. Myrta Roesch, Inhaberin von Roesch Electric in Koblenz, nennt ihr eine Adresse, wo es das geben könnte.

Im Handumdrehen

Kaffeemaschinen, Mikrowellenofen, Schleifgeräte, elektrische Messer, Haartrockner – in der Reparier-Bar landet so manches, was andere schon längst aufgegeben hätten. Bei vielen ist der Defekt minimal und im Handumdrehen beseitigt. Andere stellen sich als kniffliger heraus. Die Reparierer haben gängiges Werkzeug dabei, müssen aber oft schon beim Öffnen von Gehäusen improvisieren, weil die Schrauben ganz spezielle sind.

So kämpfen sie einen Vormittag lang gegen die Unbill der Wegwerfgesellschaft an, gegen Hersteller, die eigentlich alles daransetzen, dass niemand ihre Geräte öffnet. Und wenn sie dann doch Erfolg haben, stimmt sie das stolz. Und auch die Besucher der ersten Fricktaler Reparier-Bar nehmen etwas mit nach Hause: In Ehrfurcht vor dem mitunter schlichten Innenleben so manches Elektrogerätes muss niemand erstarren.

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