Die Führung durch die römische Ausgrabungsstätte im Fricker Gebiet Gänsacker besuchte auch Regierungsrat Alex Hürzeler, Vorsteher des Departements Bildung, Kultur und Sport.

Kantonsarchäologe Georg Matter sagte in der Begrüssung von rund 50 Interessierten am Samstagvormittag, dass mit den Funden am Gänsacker nun die römische Geschichte Fricks in vielen Details bekannt sei. Habe man zuvor bei Notgrabungen nur Mosaiksteinchen aufspüren können, sei mit den Überresten einer bäuerlich-handwerklichen Siedlung nun ein Meilenstein gefunden.

Sicher hat sich laut Matter diese Siedlung bis weit hinein ins heutige Frick erstreckt. Doch der Überbauung von Flächen in der Neuzeit wegen werde man ihre wahre Dimension wohl nie kennenlernen.

Und das Ende der Grabungen im Gänsacker ist auch absehbar. Noch bis August 2014 wird das Team um Grabungsleiter Jakob Baerlocher vor Ort sein. Danach wird das 1500 Quadratmeter grosse Gelände mit Wohnhäusern bebaut.

Ein gewaltiger Siedlungsdruck

Regierungsrat Alex Hürzeler sprach es in seiner Begrüssung an: Der Kanton wächst und mit dem Wachstum werden immer mehr freie Flächen bebaut. Der Regierungsrat sprach von einem «gewaltigen Siedlungsdruck», vor allem im Fricktal. Gleichwohl müsse der Kanton dem Natur- und Landschaftsschutz sowie der Kulturpflege zu ihrem Recht verhelfen.

Oft könnten parallel zur schon laufenden Bautätigkeit lediglich wenige Tage dauernde Notgrabungen realisiert werden. In Frick aber nicht: Mit Ende des Projekts im Sommer sind Baerlochers Leute fast ein Jahr im Einsatz gewesen.

Aufschlussreich

Sie wissen jetzt folgendes: Frick war von den Römern sicher vom ersten bis zum dritten Jahrhundert nach Christus bewohnt. «Es gab hier keine keltische Vorgängersiedlung, die Römer haben auf der grünen Wiese gebaut», sagte Baerlocher. Sie wohnten schon in mehrgeschossigen Häusern, bis zu 23 Meter lang und mit dem Giebel zur Strasse ausgerichtet. Wohnen, Gewerbe und Handel waren darin unter einem Dach vereint.

Baerlocher zeigte den Besuchern einen gut erhaltenen Steinkeller auf, der dem Experten zufolge ohne Mörtel und Verputz gebaut wurde und dennoch sehr stabil war. Die Kantonsarchäologen interessierte unter anderem die Frage: Was machten die Römer mit den bis zu 3,40 Meter tiefen Schächten, die auf dem Gelände gefunden wurden? Eine Vermutung: Sie nutzten sie, um Lebensmittel kühl und dennoch frostfrei zu lagern. Temperaturmessungen im Schacht bestätigten dies.

So habe der Mittelwert darin stets zwischen 5 und 11 Grad Celsius betragen. «Vermutlich haben sie darin Kohl eingelagert», erklärte Jakob Baerlocher. Der Grabungsleiter und sein Team sind in Frick auch auf Grabstätten gestossen, was unter den Archäologen als besonderer Glücksfall gilt. Gebeine aber fanden sie keine, da die Verstorbenen in römischer Zeit verbrannt wurden. Doch die mitunter wertvollen Grabbeigaben sind für die Experten nicht minder aufschlussreich.