Die Vernissage am Samstag sprengte den üblichen Rahmen. Nicht die Kunst stand anfangs im Mittelpunkt, sondern die Stadtmusik Laufenburg, die für Willi Schoder ein Ständchen auf dem Vorplatz des Gerichtsgebäudes vortrug. Stadtammann Rudolf Lüscher unterstrich die Feierlichkeit des Anlasses mit einer kurzen Rede von der Treppe aus. «Willi Schoder hat einen wahnsinnigen Aktivismus zugunsten von Laufenburg entwickelt», sagte Lüscher. Zudem war er Gründungsmitglied des Kulturkreises Laufenburg, heute «die Brücke». Die Einführung in die Kunstwerke übernahm Brigitte Giroud-Weber im Ausstellungssaal. Auch sie warf zuerst einen Blick in die Vergangenheit. «Willi Schoder war ein hervorragender Lehrer und Kunsterzieher», berichtete sie, «manchem Schüler hat er das Interesse an der Kunst geweckt. Sein Unterricht war revolutionär, offen und ehrlich gestaltet.»

Klare Bilder ohne Schnörkel

«Offen und ehrlich gestaltet» kann auch als Ansatz für die 80 ausgestellten Aquarelle herhalten. Denn die kleinformatigen Bilder kommen ohne Schnörkel, ohne technischen Firlefanz aus. Ihnen liegt eine klare, reduzierte Farb- und Formsprache zugrunde. Brigitte Giroud-Weber fasste den Reiz der Werke so zusammen: «Willi Schoder malt Aquarelle, welche in ihrer zurückhaltenden Art Ruhepunkte für den Betrachter sind.» Schoder hat immer wieder auf Reisen oder im Urlaub gemalt, was er gesehen hat: das Meer, die Berge und Kirchen. Strände, weite Himmel, satte Wiesen und karge Landschaften aus der Provence, der Bretagne, aus Apulien, der Toscana, Paris und natürlich auch aus der Schweiz.

Maillartbrücke ist sechsmal Motiv

Manchmal führte ein Wetterumschwung zum Abbruch des Malens, was aus den von Farbe frei gebliebenen Stellen abzulesen ist. «Aber ich bin da an einem Punkt gewesen, wo es sowieso gestimmt hat», erklärte Schoder das skizzenhafte Bergbild «Der Balfrin». So könnte es auch bei einer Ansicht auf Laufenburg vom Bückle aus geschehen sein. Denn das Bild besteht nur aus Blautönen, die Kirche und ihre Umgebung sind Konturenhaft wiedergegeben. Überhaupt Laufenburg: Eine Werkgruppe ist Schoders Heimatstadt gewidmet. Gleich sechs Bilder haben die Maillartbrücke zum Motiv – Variationen über ein Thema, wie es vor über hundert Jahren Paul Cézanne praktiziert hat.

Schoder, im Juni 80 geworden, hat sich sozusagen auf die Spur von Cézanne begeben – und auf diejenige von Vincent van Gogh, nachzusehen in den Bildern aus Saint-Rémy-de-Provence mit dem Kloster Saint-Paul. Dort verbrachte van Gogh die Wochen seiner geistigen Verwirrung. Willi Schoder hat das Gebäude im flirrenden Licht der Provence mit Lavendelbüschen gemalt. Eine Idylle – wie viele Bilder in der Ausstellung. Nur eine Facette seiner Kunst zeigt Willi Schoder nicht in Laufenburg: die konkreten Bilder. Sie sind zeitgleich in der Galerie Zimmermannhaus in Brugg zu sehen.

Willi Schoder, «80 Jahre 80 Bilder» im Parterresaal des Gerichtsgebäudes Laufenburg, bis 14. November. Geöffnet Mi bis Fr von 14.30 bis 18 Uhr, Sa und So von 11 bis 16 Uhr.