Sie haben die Nase im Wind: Köbi Brem, 57, und Pia Koch, 61. Im Juni haben die beiden Fricktaler ihren grossen Lebenstraum erfüllt, die Zelte in Wölflinswil abgebrochen und sind seither mit ihrer Jacht «Lupina» auf grossem Segeltörn rund um die Welt. Eben haben sie bei einer der Kanarischen Inseln den Anker gesetzt, bei Lanzarote. «Wir sind nun endlich in wärmeren Gefilden angelangt, wo auch das Wasser warm genug ist, um jeweils mit Vergnügen die Lage des Ankers mit Schnorchel und Taucherbrille zu prüfen», sagt Köbi Brem. In England und dem nördlichen Atlantik habe das noch deutlich weniger Spass gemacht.

Die Überfahrt von Lissabon nach Madeira, wo die «Lupina» vor den Kanarischen Inseln vor Anker lag, war für die beiden eines der Highlights der letzten Wochen. Denn dies bedeutete gleichzeitig den Abschied vom Kontinent Europa. «Früh am Morgen haben wir den Motor gestartet, sind von Lissabon ins Meer hinaus gefahren, haben Segel gesetzt, die Küste langsam verschwinden sehen und sind in den unendlich weiten Ozean gestochen.»

Immer wieder faszinierend und damit eine Art Dauer-Highlight ist für Brem und Koch die Begegnung mit Delfinen. «Sie kommen uns begrüssen, spielen mit der «Lupina» und verschwinden dann mit Freudensprüngen wieder in den Weiten des Meeres.»

Man spürt es, wenn man Brem zuhört und wenn man die Logbucheinträge auf sy-lupina.ch liest: Die beiden geniessen ihre Reise, die sie auf unbestimmte Zeit angesetzt haben, in vollen Zügen.

Es raucht und stinkt

Natürlich gibt es auch immer mal wieder eine Panne oder ein Problem – doch die beiden finden stets eine Lösung. So auch für die Wasserpumpe, die zwischen Porto und Lissabon defekt ging. «Alles war bereit zum Start für die nächste Fahrt», erzählt Brem. Sie seien, wie immer, freudig gespannt gewesen auf das, was der Tag bringe – und dann rauche und stinke es plötzlich. «Zum Glück haben wir richtig reagiert und den Motor sofort abgestellt, sonst hätten wir einen kapitalen Motorschaden gehabt.»

Im Nachhinein sei alles halb so schlimm, so Brem, «aber im Moment, wo man vor dem Berg steht und nicht weiss, wie weiter, da sehnt man sich schon etwas nach dem gut organisierten Leben zu Hause». Im Falle der Wasserpumpe konnten die beiden das defekte Teil schlussendlich selber in drei Stunden ersetzen.

Ein Schiff hält Kurs auf «Lupina»

Eine Begegnung der anderen Art erleben die beiden auf der Überfahrt nach Lanzarote. Da der Wind stark auffrischte, verkleinerten sie kurz vor Mitternacht die Segelfläche, um das Tempo zu reduzieren. Kaum waren die Segel gerefft, wie es in der Seglersprache heisst, sehen sie auf dem Radar drei Schiffe mit Kurs auf die «Lupina» zukommen. «Zuerst machten wir mal nichts, weil ein Segelschiff immer Vortritt hat vor den Motorschiffen – seien diese noch so gross», sagt Brem und fügt an: «Unheimlich, in dieser dunklen Nacht die Lichter dieser Schiffe immer näher auf uns zukommen zu sehen.»

Die beiden blicken immer wieder auf Radar und Bildschirm. Das eine Boot kommt näher und näher. Nun ist es nur noch knapp eine halbe Meile von der «Lupina» entfernt. Das grosse Fischerboot zeigt derweil keine Reaktion und nimmt genau Kurs auf die Fricktaler. «Vortrittsregel hin oder her – wir wollen keine Kollision eingehen und fallen ab», sagt Brem. Das heisst, sie gehen etwas vor den Wind und lassen den Fischerkahn vorbeiziehen. Die anderen zwei Schiffe respektieren den Vortritt und ziehen an der «Lupina» vorbei, «ohne dass wir ausweichen müssen».

Man spürt es: Die «Lupina» ist ihr Leben, ihr Zuhause. Mit dem alten Zuhause, also den Menschen in der Schweiz, bleiben Brem und Koch per Whatsapp und Internet in Kontakt. Zudem wollen sie mindestens zweimal im Jahr in die Schweiz kommen – um Ferien von den Ferien zu machen, wenn man so will. Vor allem aber: um die Verwandten zu besuchen, allen voran das Grosskind. «Mitte November kommen wir für ein paar Tage in die Schweiz, damit unser Grosskind seine Grosseltern wieder mal in natura sehen kann», freut sich Brem.

«Insel-Hopping» ist angesagt

Vorerst geniessen die beiden die Kanarischen Inseln. «Insel-Hopping» ist angesagt mit kurzen Tagestörns, Badehalten in einsamen Buchten, Landerkundigungen zu Fuss und mit Mietauto. «Man kann sagen: Wir machen Ferien von unserem Reisealltag», so Brem. Zudem will er auf den Kanaren das Tauchbrevet machen. «Seit dem festsitzenden Anker in Nordspanien wissen wir, wie wichtig das sein kann», blickt er auf die Panne zurück.

Anfang Dezember beginnen die beiden dann die Vorbereitung für den «Sprung über den Grossen Teich», für die Atlantiküberquerung. Diese wollen sie zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar unter den Bug nehmen. Sie werden dabei alleine segeln, nicht im Konvoi mit anderen Schiffen. «In einem Konvoi wäre es zwar schön bequem, weil das meiste organisiert wird», räumt Brem ein. «Wir brauchen das aber nicht und wollen uns nicht dem Stress aussetzen, zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zu sein.»

Wo genau die beiden an Weihnachten sein werden, ist noch nicht klar. Wohl in den Gewässern «irgendwo zwischen den Kanaren und den Kap Verden», auf dem Weg in die Karibik. Kurz: «Zu Hause – auf unserer ‹Lupina›.»