Fricktal

Schalter zu, Sitzungen abgesagt – so reagiert man im Fricktal auf die «nationale Notlage»

Bereits seit knapp zwei Wochen schützen in Stein Plexiglas-Scheiben vor einer Ansteckung.

Bereits seit knapp zwei Wochen schützen in Stein Plexiglas-Scheiben vor einer Ansteckung.

Die Gemeinden reagieren unterschiedlich auf die verschärften Bedingungen. Home-Office ist überall ein Thema.

Auf die neuen Bestimmungen reagiert haben auch die Fricktaler Gemeinden. In Kaiseraugst bleiben ab heute Dienstag alle Schalter geschlossen; die Gemeindekanzlei ist für den Publikumsverkehr nicht mehr zugänglich. «Termine können nach telefonischer Vereinbarung vereinbart werden», sagt Gemeindeschreiber Rolf Dunkel. Die Gemeinde bleibt zudem telefonisch erreichbar; die Erreichbarkeit beschränkt sich allerdings auf den Vormittag von 8 bis 12 Uhr.

Reagiert hat die Gemeinde auch bei ihren Mitarbeitenden. «Alle Mitarbeitenden haben die Möglichkeit von Home-Office», sagt Dunkel. Dort wo dies zum Beispiel aus technischen Gründen nicht möglich ist, wurden andere Räumlichkeiten mit Arbeitsplätzen versehen. «Diese Massnahme gilt ab sofort», so Dunkel. Daneben werden die Teams gesplittet, sodass sie nie gemeinsam anwesend sind.

Bis Ende Mai hat die Gemeinde zudem alle Gemeindeanlässe storniert, die Miete und Benützung von öffentlichen Räumen ist nicht mehr möglich. Das Hallenbad ist wegen Umbauarbeiten ohnehin seit längerem geschlossen.

Vorsprechen nur noch in dringenden Fällen

In Frick tönt es wenig anders. «Besprechungen werden auf ein absolutes Minimum reduziert», sagt Michael Widmer, Gemeindeschreiber in Frick. Die Bevölkerung werde zudem mittels Medienmitteilung aufgerufen, den persönlichen Kontakt mit der Gemeinde nur noch dann zu suchen, wenn keine anderen Möglichkeiten – etwa Telefon, E-Mail oder Online-Dienste – zur Verfügung stünden. «Die Glastüren an den Schaltern bleiben beim Kundenkontakt geschlossen.»

Die internen Abläufe werden auch in Frick überprüft, so etwa, wie Home-Office in den einzelnen Abteilungen umgesetzt werden kann. «Die Klienten der Sozialhilfe werden alle angeschrieben und gebeten, ihre Anliegen telefonisch mitzuteilen», sagt Widmer. Zudem habe man die Anordnung der Bestuhlung im Pausenraum so angepasst, dass ausreichende Distanz gewährleistet sei.

Die vom Bund und Kanton getroffenen Restriktionen seien tiefgreifend, sagt Widmer. «Die Bevölkerung hält sich nach unseren Beobachtungen gut an die Empfehlungen und Vorschriften.»

Den Schutz an den Kundenschaltern haben mehrere Gemeinden bereits vor knapp zwei Wochen verbessert und Plexiglasscheiben aufgestellt. So etwa in Stein. «Sollte es der Schutz des Personals notwendig machen oder infolge krankheitsbedingtem beziehungsweise vorsorglichem Ausfall von Mitarbeitenden geboten sein, die Dienstleistungen zu reduzieren oder sogar vorübergehend die Gemeindeverwaltung zu schliessen, werden wir dies tun», sagt Gemeindeschreiber Sascha Roth.

Aktuell ist dies noch nicht der Fall; allerdings wird der Kontakt, soweit möglich, heruntergefahren. Damit die Gemeinde den Betrieb der Gemeindeverwaltung möglichst aufrechterhalten kann, ersucht sie die Kunden, nur bei wichtigen und dringenden Angelegenheiten per­sönlich vorbeizukommen.

Um die Verbreitung des ­Corona-Virus einzudämmen, sind neben den Schulen – diese sind seit gestern landesweit zu – auch andere öffentlich zugängliche Räume wie Turnhallen geschlossen. «Ob es weitere Massnahmen braucht, wie die Absperrung von Spielplätzen, wird sich am Verhalten der Bevölkerung zeigen», sagt Roth.

Alle Sitzungen in ­Rheinfelden abgesagt

In Rheinfelden, wo ebenfalls seit knapp zwei Wochen Plexiglasscheiben Kunden und Angestellte vor Ansteckungen schützen, wurde bereits letzte Woche das Home-Office «in grösserem Umfang eingeführt», sagt Stadtschreiber Roger Erdin. Zudem wurden Arbeitsteams gebildet, die alternierend von zu Hause aus arbeiten. «Damit können wir vermeiden, dass bei einer Infektion am Arbeitsplatz ganze Organisationseinheiten ausfallen oder unter Quarantäne gestellt werden», so Erdin.

Gestern Montag nun hat die Stadt einen weiteren Schritt beschlossen. Ab sofort arbeiten in der Verwaltung «so wenige wie möglich und so viele wie nötig vor Ort», sagt Erdin. «Alle anderen Personen werden, soweit wie möglich, ab sofort von zu Hause aus arbeiten.» Die Verwaltung sei aber nach wie vor zu den gewohnten Zeiten geöffnet und auch telefonisch erreichbar. Per sofort verzichtet die Stadt zudem auf alle Sitzungen.

Sozialhilfe-Beratung via Telefon

In Laufenburg setzt man künftig ebenfalls auf Plexiglasscheiben; diese wurden laut Stadtschreiber Marco Waser bestellt. Für eine bestmögliche Prävention wird zudem der Schalterbetrieb des Regionalen Sozialdienstes per sofort eingestellt.

«Da sehr viele Gespräche mit Klienten stattfinden und das Übertragungsrisiko auf engem Raum relativ hoch ist, werden vorerst alle Gesprächstermine bis am 31. März abgesagt», sagt Waser. Die Anliegen könnten nach wie vor per Telefon besprochen werden. «Es wird nach wie vor eine bestmögliche Beratung angeboten.»

Für dringende Notfälle könne nach telefonischer Voranmeldung ein Gespräch vereinbart werden. «Interaktion und Einreichen von Unterlagen erfolgt über Mail, den Postverkehr oder den Briefkasten», so Waser. Je nach weiteren Massnahmen des Bundes und des Verlaufs der Ausbreitung wird sich der Gemeinderat Gedanken machen, analog des Regionalen Sozialdienstes die Schalter gesamtheitlich zu schliessen.

«Das Gemeindepersonal ist nach wie vor für wichtige Anliegen für die Bevölkerung erreichbar», hält Waser fest. Die Bevölkerung werde jedoch gebeten, Dienstleistungen und Angebote lediglich in Anspruch zu nehmen, wenn diese wichtig und dringend seien.

Leiter und Stellvertreter nicht im gleichen Raum

Auch in Laufenburg werden künftig Angestellte von zu Hause aus arbeiten. «Es wird aber beabsichtigt, dass zwei Mitarbeitende des Regionalen Sozialdienstes, die per ÖV anreisen, hauptsächlich Home-Office betreiben», sagt Waser. Bei den anderen Abteilungen werde Wert darauf gelegt, dass sich der Abteilungsleiter respektive der Stellvertreter nicht im gleichen Raum befinden. Zudem wird gerpüft, ob Leitung und Stellvertretung alternierend im Büro präsent sind und in der anderen Zeit Home-Office machen.

Die Pausen werden nicht mehr in den Pausenräumen abgehalten und die Mitarbeiter wurden darauf aufmerksam gemacht, bei allfälligen Symptomen vorsichtshalber zu Hause zu bleiben. «Zudem werden Sitzungen in Rücksichtnahme auf deren Notwendigkeit und Dringlichkeit auf ein Minimum reduziert.»

In Laufenburg – wie auch anderenorts – haben sich besorgte Bürger bei der Verwaltung auch erkundigt, ob die Dienstleistungen nach wie vor angeboten würden. «Auch wurden wir bereits angefragt, ob Unterstützung für ältere Personen für den Einkauf von Lebensmittel angeboten wird», sagt Waser. «Glücklicherweise haben sich hier bereits private Helfer angeboten.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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