Bezirksgericht Laufenburg

Schändung oder ein perfider Plan? – Der Angeklagte wurde wegen zu vielen Widersprüchen freigesprochen

Das Bezirksgericht Laufenburg sprach einen Angeklagten wegen zu vielen Widersprüchen frei.

Das Bezirksgericht Laufenburg sprach einen Angeklagten wegen zu vielen Widersprüchen frei.

Ein 39-Jähriger musste sich vor dem Bezirksgericht Laufenburg wegen der Schändung einer 19-Jährigen verantworten. Weil die Aussagen von ihr und ihren Kollegen zu widersprüchlich war, kam es zu keiner Verurteilung.

Karim * stand am Donnerstag in Laufenburg vor dem Bezirksgericht. Die Staatsanwaltschaft warf dem heute 39-jährige Nordafrikaner vor, vor rund einem Jahr die damals 19-jährige Sibel * geschändet zu haben. Karim ist der neue Ehemann von Sibels Mutter. «Ohne mich würden sie sich gar nicht kennen», so Sibel. Sie habe ihrer Mutter geholfen, Datingportale zu installieren.

Über das Resultat der Datingbemühungen – die Hochzeit – war Sibel dann allerdings weniger erfreut, wie sie vor Gericht zugab. «Mir war aber wichtig, dass meine Mutter glücklich ist.»
Unbestritten ist, dass sich Sibel gemeinsam mit ihrem Kollegen Sandro * und ihren Brüdern am fraglichen Abend im Haus ihrer Mutter im oberen Fricktal aufhielt. Sie hätten Uno gespielt und Marihuana und Wodka konsumiert, heisst es in der Anklageschrift. Später hätten sich Sibel und Sandro ins Gästezimmer zurückgezogen und sich schlafen gelegt.

Vorfall erst nach fünf Tagen bei der Polizei gemeldet

Karim habe sich zwischen 3.30 und 5 Uhr Zugang zum Gästezimmer verschafft, heisst es in der Anklageschrift. Er habe sich zwischen die schlafenden Sandro und Sibel gelegt und Sibel die Hose und die Unterhose hinunter- und das T-Shirt hochgezogen.

Dann habe er begonnen, «seinen erigierten Penis am unteren Rücken des schlafenden, unter dem Einfluss von Alkohol und Marihuana stehenden, und damit vollständig wehrlosen Opfers zu reiben». Zudem habe er Sibel mit den Händen an der Vagina berührt.

Karim solle wegen Schändung zu acht Monaten bedingter Freiheitsstrafe sowie einem Landesverweis von fünf Jahren verurteilt werden, so der Antrag der Staatsanwaltschaft.
Ganz anders klang es von Seiten des Verteidigers. Die Staatsanwaltschaft sei «Opfer eines Lügenkonstrukts» von Sibel und ihr nahestehenden Personen geworden, sagte er. Und sprach von einem «perfiden Plan», um die Mutter und Karim auseinanderzubringen.

In der Folge betonte er, Sibel habe sich erst fünf Tage nach dem angeblichen Vorfall bei der Polizei gemeldet. «Genug Zeit, um Absprachen zu treffen.» In der Folge arbeitete er zahlreiche Widersprüche in den Aussagen heraus.

Es sei «absurd» anzunehmen, der Vorfall hätte sich im «sehr ringhörigen Haus» wie von der Staatsanwaltschaft beschrieben, abspielen können, ohne dass jemand wach geworden wäre, schloss er.

Gerichtspräsident Beat Ackle sprach Karim frei – und schloss sich in der Urteilsbegründung «in wesentlichen Punkten» den Ausführungen des Verteidigers an. «Es gibt zu viele Widersprüche», betonte er. «Der angeklagte Sachverhalt stimmt so nicht.» Eindringlich wandte er sich danach an Sibel und mahnte, ihr Vater solle nun nicht auf Karim zugehen.

Ackle bot gar an, dem Vater gegenüber seine Ausführungen nochmals zu wiederholen. Er sprach diese Mahnung nicht ohne Grund aus: Vor Beginn der Verhandlung war Sibels Vater vor dem Gerichtssaal kurz handgreiflich geworden. Später hielt er sich trotz gegenteiliger Anweisung rund ums Gerichtsgebäude auf.
* Namen geändert

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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