Fricktal
Schadensbegrenzung: Milder Winter schont die Säue

Zurzeit sind viele Schwarzkittel unterwegs, die Schäden aber halten sich trotz grosser Population in Grenzen.

Susanne Hörth
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Der milde Winter sorgt für einesteigende Population bei den Wildschweinen. CHR/Archiv

Der milde Winter sorgt für einesteigende Population bei den Wildschweinen. CHR/Archiv

Der sehr trockene Sommer 2015 hatte auch zur Folge, dass Wildschweine später als sonst noch Nachwuchs bekamen. Der bisher sehr milde Winter begünstigte die Überlebenschancen der kleinen Schweine. In sehr kalten und nassen Monaten sind die Frischlinge oftmals krank, viele von ihnen sterben. Nicht so in diesen Wintermonaten.

Dass es zurzeit viele Wildschweine hat, bestätigt Reto Fischer von der Sektion Jagd und Fischerei. Hansruedi Apolloni, Schadenabschätzer für den Bezirk Rheinfelden und Kaister Landwirt, pflichtet bei. Trotz der grossen Bestände sei er als Abschätzer bisher nicht mit mehr Meldungen als sonst konfrontiert gewesen.

«Aussergewöhnlich ist, dass es dort Schäden gibt, wo bisher keine bekannt waren. Dafür sind die bekannten Stellen verschont geblieben.» Speziell und neu sei, dass die Wildschweine auf seinem Land damit begonnen hätten, die Mergelwege aufzuwühlen. Warum sie das machen, kann sich Apolloni nicht wirklich erklären. Hierzu führt Hans Döbeli, kantonaler Reservatsaufseher, aus: «Vor allem ganz junge Wildschweine nehmen vermehrt Pilzmyzele, meist unterirdisches Wurzelgeflecht der Pilze, und Gerbstoffe auf, um ihre Magensäure und die Verdauungsvorgänge zu optimieren. Beide dieser Pflanzenteile und auch Käferlarven und Würmer finden sich womöglich neben einer Eiche mitten im Mergelweg.»

Bezirk Rheinfelden

Wildschäden werden über die Wintermonate nicht abgeschätzt. Im Herbst findet eine Schadenabschätzung statt, solange eine Nutzung stattfindet, im Frühjahr wieder ab 1. März. Lange Zeit gehörte der Bezirk Rheinfelden zu den kantonal am stärksten von Wildschweinschäden betroffenen Regionen. Die Zahl der Schadenmeldungen sei hier deutlich zurückgegangen, betont Apolloni. Aber nicht nur durch Abschüsse, sagt Christian Rudin vom Jagdverein Viola: «Nur mit Pulver und Blei geht das nicht. Nötig sind auch prophylaktische Massnahmen.»

Um Erfolg zu haben, braucht es laut Rudin nebst Bewirtschaftung des Wildschweinbestandes und Schutzmassnahmen auch die Sensibilität aller für die Veränderungen in der Natur. «Es geht um Biodiversität.» Ganz wichtig sei das Zusammenspiel mit der Landwirtschaft. Dass sich das Aufeinander-Zugehen und Helfen von Jagdgesellschaft und Landwirten auszahlt, machen die gegenüber früher deutlich tieferen Schadenmeldungen in den vom Jagdverein Viola betreuten Revieren Olsberg Nord und Rheinfelden West deutlich.

Hohe Abschussrate

Dass das Jahr 2015 eine hohe Abschussrate alleine nur bei den Wildschweinen ausweisen wird, zeigt Reto Fischer anhand der bereits bekannten Zahlen auf. Rund 1300 erlegte Wildschweine (341 davon im Bezirk Rheinfelden, 260 im Bezirk Laufenburg) wurden gemeldet. Die Zahl kann sich noch erhöhen, denn: «Ein kleiner Teil der Abschussmeldungen steht noch aus.»

Als Vergleich nennt er die Vorjahreszahlen. Als Rekordjahr mit über 1600 Wildsau-Abschüssen gilt 2012. Im Jahr darauf waren es noch gut 1200 Abschüsse. Im Jahr 2014 wurden über 800 Wildschweine erlegt.