Die beiden Konzerte am Wochenende waren der Schlusspunkt des einmonatigen Festivals, welches die Künstlerin vor 8 Jahren ins Leben gerufen hatte. Erklärtes Ziel war und ist, mit Gleichgesinnten interessante musikalische Angebote in historischem Ambiente zu machen. Die Cappella Gabetta fand sich 2010 zusammen mit jungen, hoch qualifizierten Musikern aus dem Umfeld von Sol Gabetta. Verschrieben haben sie sich vor allem Werken aus dem Barock und der Frühklassik. Konzertmeister ist Gabettas Bruder André, der unter anderem an der Musikschule Basel studierte und dort den Cellisten Christophe Coen kennen- und schätzen gelernt hatte. Dieses hochkarätige Team hatte die beiden Schlusskonzerte dem 300. Geburtstag des Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1787) gewidmet.

Eröffnet wurde das Konzert allerdings mit einem Stück von Ritter Willibald von Gluck (1714–1788), dem «Tanz der Spektren und der Furien». Gluck hatte das spannende Drama um den Frauenhelden Don Juan tänzerisch-rhythmisch in Noten gesetzt. Temperamentvoll farbig erzählt er hier von Pein und Höllenfahrt des Tunichtguts Don Juan.

Melodischer Einfallsreichtum

Im gleichen Jahr wie Gluck wurde auch Carl Philipp Emanuel Bach geboren, jüngster Sohn des Altmeisters Johann Sebastian Bach. Carl Philipp Emanuel war sein berühmtester und gleichzeitig auch erfolgreichste Sohn. Das Cellokonzert a-Moll mit seinen schnellen Sätzen und emotionalen Passagen gehört zu den besonders anspruchsvollen Werken. Solist Christophe Coen bot mit dem Ensemble eine genussvolle, wunderschöne Interpretation mit virtuosem, melodischem Einfallsreichtum, innigen Soli, sehr zärtlich und lebhaft. In den «Hamburger Sinfonien» bricht Carl Philipp Emanuel Bach mit Althergebrachtem, erkundete so mutig wie erfolgreich musikalisches Neuland, schrieb rasche, besonders originelle und kontrastreiche Modulationen sowie lyrisch fantasievolle Melodienbögen. Mit grosser Lust spielte die Cappella die erste dieser Hamburger Streichersinfonien.

Wilhelm Friedemann Bach (1710– 1784) war, wie sein Bruder, hochbegabt, eher jedoch bekannt als ruheloser Improvisator. Dennoch bricht er in seinen Kompositionen schliesslich weder mit Stil noch Stimmführung der damaligen Zeit und blieb letztlich im Rahmen des Üblichen. Als Einzelgänger hatte er es schwer, seine Fallhöhe war gross, er starb völlig verarmt.

Die Sinfonia in D-Dur stand ganz in der Folge seines berühmten Vaters, ein jubilierend-jauchzendes Stück, melodisch-barock in einem herrlichen Dialog von Blechbläsern und Streichinstrumenten dargeboten, ein Fest für die Sinne, imposant und höfisch verspielt.

Filigranes Spiel von Sol Gabetta

Voller Esprit und klanglicher Vielfalt, nuancenreich in Ausdruck, satt und warm im Ton präsentierte Sol Gabetta beinahe übersinnlich in langen Soli das Cellokonzert A-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach. Meisterlich empfindsam, gefühlstief und intensiv in der Tongebung, scheinbar mühelos die enorme Kraft ihres feinen, filigranen Spiels.

Das Konzert ging zu Ende mit dem Konzert a-Moll für zwei Violoncelli von Antonio Vivaldi (1678–1741) mit dem die beiden Musiker Sol Gabetta und Christophe Coen das Publikum noch einmal restlos verzauberten.