Heute Abend wird so manch ein Kind mit einem Kribbeln im Bauch auf dem Sofa sitzen und gespannt auf das Klingeln an der Haustüre warten. In vielen Fricktaler Orten sind Samichlaus und Schmutzli unterwegs, um die Kinder mit einem Säckli voller Leckereien und Spielzeug zu beschenken. Die AZ wollte von den Chlausengilden wissen, wie gefragt das Brauchtum, das bis in das vierte Jahrhundert auf den Bischof von Myra zurückreicht, noch ist und was sich über die letzen Jahre bei den Samichlaus-Besuchen verändert hat.

«Die Nachfrage ist auf einem konstant hochen Niveau», sagt Alexander Bringolf, der seit 2001 mit der Chlausengilde Rheinfelden die Kinder lobt und tadelt. In diesem Jahr besuchen fünf Samichläuse – zusammen mit je einem Schmutzli – knapp 50 Familien in Rheinfelden, Möhlin und Zeiningen. Weil man heute schon mit 36 Familienbesuchen ausgelastet sei, müsse man morgen noch acht Familien besuchen. Weitere acht habe man bereits gestern besucht. «Da kommen einige Laufmeter zusammen», so Bringolf.

«Was sich verändert hat, ist, dass immer mehr Eltern, die aus Ländern des Balkans stammen, uns buchen», sagt Bringolf. Der Grund für den kulturellen Transfer des Samichlaus-Brauchtums, liegt für ihn auf der Hand. Wenn Kinder den Samichlaus im Kindergarten sähen und von ihm aus Erzählungen ihrer Gspänli mitbekämen, wollten sie diesen auch zu Hause bei sich erleben. «Und Eltern erfüllen ihren Kindern gerne Wünsche – unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund», erklärt Bringolf.

Auch der Verein Steiner Samichlaus kann über mangelnde Aufträge nicht klagen. «Wir haben uns für dieses Jahr ein neues Kostüm für rund 2000 Franken angeschafft, um mit einem vierten Samichlaus unterwegs zu sein», sagt Bernhard Meier, der die Samichlaus Touren organisiert. So ist die Zahl der Aufträge über die letzten Jahre leicht angestiegen. «Wir verteilen in der Schule Flyer und machen im Dorfblatt Werbung», so Meier.

Kinder sagen weniger Verse auf

Auffallend ist für Richard Weilenmann, Präsident der Steiner Samichläuse, dass die Anzahl der Kinder, die einen Samichlaus-Spruch aufsagt, abgenommen hat. «Ich würde es gut finden, wenn wieder mehr Eltern und Grosseltern mit den Kindern Versli üben.» Eine zweite Veränderung sei die Grösse der Geschenke. «Das ging so weit, dass wir vor zwei Jahren grössere Geschenksäckli kaufen mussten», erzählt Meier. So müssten Samichlaus und Schmutzli schon mal eine Spielkonsole oder eine Autorennbahn mit Fernsteuerung in das Wohnzimmer schleppen.

Schwierig sei es, sagen Bringolf und Weilenmann unisono, junge Nachwuchs-Samichläuse zu rekrutieren. «Einige bleibe ein oder zwei Jahre dabei, haben aber dann keine Zeit mehr, weil sie ihre Ausbildung beginnen oder wegziehen.»

45 Familien sind es in Magden und Olsberg, die von den zehn Chläusen der Chlausengruppe Magden besucht werden. Beatrix Lützelschwab nimmt im Vorfeld der Besuche die Lob- und Tadelliste der Eltern entgegen. Die «Top 3» seien dabei seit Jahren unverändert. «Zähne zu selten geputzt, Zimmer nicht aufgeräumt, den Eltern widersprechen», nennt Lützelschwab auf der Tadelseite, «Gute Schulleistungen, den Geschwistern helfen, den Eltern helfen» auf der Lobseite.