Kaiseraugst

Salzsäure-Austritt in Hallenbad: «Ich dachte, es sei eine Übung»

47 Kräfte der Feuerwehr Raurica waren vor Ort. Fotos: Facebook

47 Kräfte der Feuerwehr Raurica waren vor Ort. Fotos: Facebook

60 Personen wurden nach dem Salzsäure-Austritt evakuiert – die Ermittlungen nach der Ursache laufen

Im Zentrum Liebrüti in Kaiseraugst laufen derzeit die Untersuchungen am Tank, aus dem mehrere hundert Liter Salzsäure ausgelaufen sind. Beim Zwischenfall vom Freitagabend, bei dem 47 Kräfte der Feuerwehr Raurica und 20 Kräfte der Chemiewehr Baselland im Einsatz waren, kamen keine Menschen zu Schaden. Der Raum mit dem Salzsäuretank, der sich im Bereich der Tiefgarage befindet, dient der Chloraufbereitung für das Hallenbad Liebrüti.

Der Alarm ging um 20.43 Uhr bei der Feuerwehr Raurica ein. «Nur wenige Minuten danach sind die ersten Einsatzkräfte vor Ort gewesen», sagt Andreas Brodbeck, Kommandant der Feuerwehr Raurica. Als diese zum geschlossenen Raum mit dem Salzsäurebehälter vordrangen, waberte bereits eine Wolke durch die Türschlitze hindurch. «Die Einsatzkräfte zogen ihre Atemschutzgeräte an und schlugen die Wolke relativ rasch mit Wasser nieder», so Brodbeck.

«Ich dachte, es sei eine Übung»

Kurz vor 21 Uhr herrschte im Restaurant Liebrüti noch reger Betrieb. Der Angestellte Etem Köse beobachtete durch die Fensterfassade des Restaurants, wie Feuerwehr und Polizei in Richtung Hallenbad eilten. «Ich dachte erst, es sei eine Übung», sagt er. Als er die Restaurant-Tür öffnete, wurde er von den Einsatzkräften angewiesen, diese wieder zu schliessen. Nur zwei Minuten später sei das Gebäude evakuiert worden. Im Restaurant befanden sich zu diesem Zeitpunkt rund 35 Gäste. «Wir haben zu ihnen gesagt, dass sie die Rechnung am nächsten Tag bezahlen können», sagt Köse.

Panik sei bei der Evakuierung der rund 60 Personen, die sich zum Zeitpunkt des Vorfalls im Gebäude befanden, nicht ausgebrochen, so Brodbeck. «Alle Personen haben das Gebäude zügig verlassen.» Vorsorglich informierte die Feuerwehr die Anwohner des angrenzenden Hochhauses und bat diese, die Fenster geschlossen zu halten. Vor dem Gebäude konnte die Sanität keine gesundheitlichen Beschwerden bei den Evakuierten feststellen.

Die Chemiewehr Baselland rückte mit Spezialanzügen an und pumpte die Salzsäure, die in ein Auffangbecken auslief, in Spezialbehälter ab. Weil jedoch weiterhin Säure auslief, pumpte sie den kompletten Inhalt des Tanks aus. «Ein Leck am Tank konnte nicht festgestellt werden», sagt Brodbeck. Nachdem die Chemiewehr keine Kontamination im Gebäude feststellen konnte, gab sie dieses für die RestaurantAngestellten gegen 23 Uhr wieder frei.

Ursprünglich plante die Gemeinde, das Hallenbad Liebrüti per Ende Juni zu schliessen. Dies, damit das über 40-jährige Bad im Zuge der «Domus»-Überbauung für rund zwölf Millionen Franken saniert und erweitert werden kann. Rund vier Millionen Franken fliessen davon in die Sanierung der technischen Anlagen. «Hierzu zählt auch der Salzsäure-Tank», sagt Gemeindeschreiber Roger Rehmann. Anders als geplant wird das Hallenbad nicht erst Ende Juni geschlossen, sondern bleibt schon jetzt bis nach Abschluss der Sanierungsabreiten zu.

Gemäss dem Immobilien-Verantwortlichen Beat Künzli wird dass Hallenbad Liebrüti frühestens im Jahr 2021 wieder geöffnet. «Die Sanierungsarbeiten werden mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen», sagt er. Künzli vermutet, dass eine Materialermüdung Grund für das Auslaufen der Salzsäure aus war. Bitter für die Gemeinde ist, dass der Tank in einigen Wochen kontrolliert worden wäre. «Es ist ein Wartungs-Turnus von zehn Jahren vorgesehen», so Künzli. Das aktuelle Wartungsintervall wäre im September dieses Jahres abgelaufen.

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Autor

Dennis Kalt

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