Mobilfunk

Salt-CEO zur geplanten Mobilfunkanlage Fricktal: «Der Widerstand ist stark»

© Thomas Egli

Salt-CEO Andreas Schönenberger über Funklöcher, Einsprachen und die Mobilfunk-Gesellschaft.

Gegen geplante Mobilfunkanlagen im Fricktal gibt es immer wieder Widerstand – beispielsweise aktuell in Zeiningen mit über 160 gesammelten Unterschriften. Überrascht Sie das?

Nicht unbedingt. Dass gegen Bauvorhaben – unabhängig von deren Natur – Einspruch erhoben wird, ist in der Schweiz ein verbreitetes Phänomen.

Gleich in mehreren Fricktaler Gemeinden laufen Baugesuchsverfahren für neue Mobilfunkanlagen von Salt. Wieso braucht es diese Offensive?

Die betroffenen Gemeinden hatten eine verhältnismässig schlechte Netzabdeckung, insbesondere im Gebäudeinneren. Die geplanten Antennenstandorte sollen Abhilfe schaffen.

Die Netzabdeckungskarte zeigt doch fast nirgends mehr grössere Lücken – braucht es diese neuen Anlagen überhaupt?

Netzabdeckungskarten zeigen immer nur die Abdeckung, welche im Freien verfügbar ist. Die Situation, die innerhalb von Gebäuden vorherrscht, kann nicht einheitlich auf einer Karte wiedergegeben werden, da diese von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.

Ein «Funkloch» besteht im Mettauertal. Warum baut Salt nicht erst hier die Abdeckung aus?

Salt sucht gegenwärtig nach einem Antennenstandort in Etzgen. Je nachdem, wo diese Antenne zu stehen kommt, wird sie dabei helfen, in Teilen des Mettauertals die Netzabdeckung zu verbessern. Vorschläge für mögliche Antennenstandorte nehmen wir gerne entgegen.

Ein Vorschlag, der immer wieder gemacht wird, ist: Die verschiedenen Anbieter sollen denselben Standort für ihre Anlagen nutzen. Warum ist das nicht möglich?

Immer, wenn dies bezüglich des vorhandenen «Budgets» an nicht-ionisierender Strahlung Sinn macht, arbeiten wir mit den anderen Mobilfunkanbieterinnen zusammen. Von 16 Antennenstandorten, welche im Fricktal gegenwärtig in Planung sind, handelt es sich bei fünf – also 30 Prozent – um Fälle von gemeinsamer Nutzung eines Antennenstandorts.

In Zeiningen haben die Anwohner die Befürchtung geäussert, dass die Anlage den Wert ihrer Liegenschaften mindert. Was entgegnen Sie ihnen?

Salt ist der Überzeugung, dass schlechte oder keine Netzwerkabdeckung eine negativere Auswirkung auf einen Liegenschaftspreis haben kann als die Nähe zu einer Mobilfunkantenne.

Haben die Gegner denn eine Chance?

Die bei Antennenstandorten zur Anwendung kommende Verordnung zum Schutz vor nicht ionisierender Strahlung (NISV) ist im internationalen Vergleich sehr stringent. Gleichzeitig regelt sie die für den Mobilfunk geltenden Grenzwerte abschliessend. Sofern alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, kann die Baubewilligung für eine Mobilfunkantenne nicht verwehrt werden.

Ist der Widerstand überall so gross?

Grundsätzlich ist es leider so, dass wir mit einem ungebrochen starken Widerstand gegen Antennenstandorte konfrontiert sind. Die Intensität des Widerstands variiert jedoch jeweils stark. Zudem erhalten wir auch Nachrichten von Kunden die sich eine verbesserte Netzwerkabdeckung und -kapazität wünschen. Alle möchten beste Mobilfunkabdeckung, aber nur wenige dulden Antennenstandorte.

Möchten wirklich alle diese Abdeckung?

Gut zehn Jahre nach der Einführung des Smartphones in der Schweiz leben wir heute alle einen ausgeprägt digitalen Lifestyle. Viele von uns können sich kaum noch vorstellen, nur einen Tag ohne die heutzutage verfügbaren Mobilfunkdienste zu verbringen.

Wie äussert sich das?

Die in der Schweiz via Mobilfunk übermittelten Datenvolumen verdoppeln sich jedes Jahr – das ist Fakt. Was bei der Bevölkerung jedoch manchmal vergessen geht, ist, dass die digitale Welt auch eine unglaubliche Chance darstellt, die wir unbedingt ergreifen sollten, wenn wir weiterhin erfolgreiche Unternehmen und talentierte Menschen anziehen und bei uns behalten wollen.

Inwiefern betrifft dies das Fricktal?

Dies gilt insbesondere auch für ländliche Gebiete. Für sie kann die gegenwärtig stattfindende digitale Transformation dann ein regelrechter Segen sein, wenn sie die Barrieren verschwinden lässt, die dazu geführt haben, dass das Wirtschaftswachstum im letzten Jahrhundert vor allem in den Städten stattfand.

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