Fricktal
Sackgebühren: Zwischen den Gemeinden gibt es grosse Preisdifferenzen

In Wittnau ist die Kehrichtsackgebühr 72 Prozent höher als in Oberhof – dafür fällt dort keine Grundgebühr an. Die Preisunterschiede erstaunen auf den ersten Blick, denn alle Gemeinden haben dieselbe Ausgangslage.

Thomas Wehrli
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Während man in Wölflinswil und Oberhof pro 35-Liter-Sack Fr. 1.80 bezahlt, kostet die gleiche Müllmenge in der Nachbargemeinde Wittnau Fr. 3.10. (Symbolbild)

Während man in Wölflinswil und Oberhof pro 35-Liter-Sack Fr. 1.80 bezahlt, kostet die gleiche Müllmenge in der Nachbargemeinde Wittnau Fr. 3.10. (Symbolbild)

Keystone

Müll ist nicht gleich Müll: Während man in Wölflinswil und Oberhof pro 35-Liter-Sack Fr. 1.80 bezahlt, kostet die gleiche Müllmenge in der Nachbargemeinde Wittnau Fr. 3.10. Die Preisspanne zwischen der günstigsten und der teuersten Gemeinde im Fricktal beträgt damit 72 Prozent. Im Schnitt kostet der 35-Liter-Sack Fr. 2.55.

Beim 60-Liter-Sack variieren die Preise zwischen Fr. 3.60 und Fr. 5.00. Auch hier fährt man in Oberhof und Wölflinswil am günstigsten, während 14 Gemeinden fünf Franken pro 60-Liter-Sack verlangen. Dass so viele denselben Preis erheben, hat einen einfachen Grund: Zehn dieser Gemeinden gehören dem Gemeindeverband Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal (GAF) an – und dieser verlangt in allen Verbandsgemeinden einen Einheitspreis: Eine 35-Liter-GAF-Vignette kostet Fr. 2.50.

Macht Fr. 2.50: Zehn Gemeinden im Bezirk Rheinfelden gehören dem Gemeindeverband Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal an und verlangen den gleichen Preis.

Macht Fr. 2.50: Zehn Gemeinden im Bezirk Rheinfelden gehören dem Gemeindeverband Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal an und verlangen den gleichen Preis.

Die Preisunterschiede erstaunen auf den ersten Blick, denn alle Gemeinden haben dieselbe Ausgangslage: Die Abfallwirtschaft muss kostenneutral und verursachergerecht sein. Im unteren Fricktal nimmt diese Aufgabe der GAF wahr, im oberen Fricktal sorgt der Gemeindeverband Abfallbeseitigung Oberes Fricktal (GAOF) dafür, dass es in den Dörfern keinen Müllstau gibt. Laut GAOF-Präsident Daniel Suter bezahlt jede der 27 Verbandsgemeinden den gleichen Ansatz: 335 Franken pro Tonne Kehricht.

Mit oder ohne Grundgebühr

Wieso also variieren dann die Sackgebühren derart? Weil der Müllteufel im Detail steckt. Ein solches «Detail» ist die jährliche Grundgebühr. Diese reicht, je nach Gemeinde, von 0 bis gut 100 Franken pro Haushalt. Oder, in 35-Liter-Kehrrichtsäcken à Fr. 2.55 gerechnet: Der Unterschied beträgt bis zu 40 Kehrichtsäcke.

Statistik: Mehr Kehricht, weniger pro Kopf

Mehr Einwohner produzieren auch mehr Abfall: Vor 15 Jahren sammelte der GAF in seinen 16 Verbandsgemeinden 4609 Tonnen Abfall in Kehrichtsäcken ein (ohne Abfälle in Container), im letzten Jahr waren es 5218 Tonnen. Der grössere Müllberg ist vor allem dem Bevölkerungswachstum geschuldet, denn umgerechnet auf die Einwohner verringerte sich der Abfallsackberg pro Kopf von 143 auf 117 Kilogramm.

Während Oberhof und Wölflinswil eine jährliche Grundgebühr von 80 Franken pro Haushalt erheben, hat Wittnau diese Gebühr auf dieses Jahr hin abgeschafft. «Der administrative Aufwand war zu hoch», erklärt Gemeindeschreiberin Christine Gottermann. Da die Sackgebühr gleichzeitig nicht erhöht wurde, fahren die Wittnauer in diesem Jahr – rein kehrichttechnisch – günstiger. Anders formuliert: Mit der eingesparten Grundgebühr von 50 Franken können sie sich 16 zusätzliche 35-Liter-Gebührensäcke leisten.

Ein zweites «Detail» sind die Leistungen, welche die Gemeinden über den Eigenwirtschaftsbetrieb «Abfallwirtschaft» verbuchen. «Die Dienstleistungen variieren zum Teil erheblich», weiss Suter. Einige Gemeinden übernehmen die Kosten für die Grüngut-Entsorgung, andere stellen Gründgut-Plätze zur Verfügung und bei dritten muss der Grüngut-Produzent die Entsorgung selber berappen.

Drittens kommt es auf den Müll-Umsatz an. Von ihm hängt es ab, ob eine Gemeinde die Mehrwertsteuer abrechnen muss. Wittnau überschreitet die Mehrwertsteuer-Grenze von 100 000 Franken, Oberhof und Wölflinswil nicht – noch nicht: Dank dem Bevölkerungswachstum kann es laut Rolf Dunkel, Gemeindeschreiber von Wölflinswil, durchaus sein, dass auch Oberhof und Wölflinswil über die magische Linie kommen. «Wir behalten das im Auge», so Dunkel. Im Falle eines Mehrwertsteuer-Falles schliesst Dunkel eine Gebührenerhöhung nicht aus.

Viertens gehen die Gemeinden unterschiedlich mit der Preisentwicklung um. Fakt ist: Abfall zu entsorgen, ist in den letzten Jahren spürbar günstiger geworden. Verrechnete der GAOF von seinen Gemeinden pro Tonne Abfall 2008 noch 360 Franken, sind es in diesem Jahr 335 Franken. Der GAF gab diese positive, weil negative Preientwicklung mit Gebührensenkungen weiter.

Laut Geschäftsführerin Erika Abt kostete die 35-Liter-Vignette bis 2004 Fr. 2.80. Auf 2005 hin wurde der Preis um 20 Rappen, ab 2009 nochmals um 10 Rappen gesenkt. Andere Gemeinden geben die tieferen Entsorgungspreise über eine Anpassung der jährlichen Grundgebühr weiter. Dazu gehört Frick. Die Grundgebühr sank 2011 von 50 auf 40 Franken und 2014 um weitere 10 Franken.

Dritte setzen allfällige Überschüsse für Projekte ein. Der GAF etwa initiierte die Bioklappe und führte kostenlose Sonderabfalltage durch. Die beiden Abfallverbände gehen zwar unterschiedliche Wege – beim GAOF bleiben die Gemeinden im Lead, «wenn sich eine Gemeinde entscheidet, zum GAF zu kommen, hat sie mit der Abfallentsorgung nichts mehr zu tun» (Abt) – bei der Frage nach der Preisentwicklung sind sich Suter und GAF-Präsidentin Gisela Taufer indes einig: «Das Einsammeln wird tendenziell günstiger.»

Die Submission, die der GAF im letzten Jahr durchführte, war «sehr erfreulich», so Taufer. Das heisst: Die Entsorgung des Kehrichts wird – bei gleichbleibendem Entsorger – günstiger, wobei Taufer betont: Der Preis alleine war nicht matchentscheidend, wichtig war dem GAF auch die ökologische Komponente. Erfreut die «sehr erfreuliche» Submission bald die Konsumenten mit tieferen Gebühren? Das sei offen, sagt Taufer. Man müsse die Zahlen zuerst analysieren. Dabei werde auch eine Gebührensenkung ein Thema sein.

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