Das Gefängnis in Târgu Mureș, einer Stadt mit knapp 150 000 Einwohnern in Rumänien, stammt aus den Zeiten Maria Theresias. Bis zu 30 Gefangene müssen sich eine Zelle teilen, die Etagenbetten sind teilweise dreistöckig. Der Herznacher Franz Ruckli kennt die Verhältnisse im rumänischen Gefängnis. Er organisiert seit rund zehn Jahren zusammen mit seiner Frau Barbara Hilfstransporte nach Rumänien – stets mit Dingen, die in der Schweiz aussortiert wurden.

Ein Feuerwehrauto fand schon den Weg nach Rumänien, Spitalbetten und Schulmaterialien ebenso. Und im Gefängnis in Târgu Mureș flimmern mittlerweile 45 Fernsehgeräte, die in Aargauer Gefängnissen ausgemustert wurden. Im Rahmen dieser Tätigkeit lernte Franz Ruckli, der das Bezirksgefängnis Laufenburg leitet, auch seinen «Berufskollegen» Mihai Habalau kennen, und es entwickelte sich eine Freundschaft. Habalau arbeitet vor Ort mit der Hilfsorganisation International Christian Aid (ICA) zusammen, mit der auch Ruckli seine Material-Lieferungen koordiniert. «Mihai Habalau hat uns ermöglicht, ‹sein› Gefängnis zu besichtigen», erklärt Ruckli, «und ich habe ihn zu einem Gegenbesuch eingeladen.»

Diese Woche nun ergab sich die Gelegenheit: Auf seiner Ferienreise durch Europa kam Habalau zusammen mit seiner Frau erstmals in die Schweiz und machte Halt in Herznach. Und auch wenn er nicht in offizieller Mission die Schweiz bereiste, Gefängnisbesuche standen trotzdem auf dem Programm. Ruckli zeigte seinem Gast das Bezirksgefängnis Laufenburg und die Justizvollzugsanstalt Lenzburg. Besonders Letztere hat es Habalau angetan. «Man kann die Gefängnisse in Târgu Mureș und in Lenzburg eigentlich gar nicht vergleichen», sagt er. Die Standards in Rumänien seien deutlich tiefer. «Wir sind viele Jahre im Rückstand.»

Inputs für neues Gefängnis

Habalau hat einiges gesehen, das er auch in Târgu Mureș umsetzen möchte. Bis in drei Jahren soll dort eine neue Strafanstalt gebaut werden. «Ich möchte sie dann auch so einrichten, dass die Schränke für persönliche Gegenstände der Gefangenen auf dem Gang stehen», so der Gefängnisdirektor. Auch das Schliesssystem der Zellentüren hat es ihm angetan.

Und, wer weiss, vielleicht erhält das Gefängnis Târgu Mureș gar neuerliche Unterstützung aus der Schweiz. «Das Bezirksgefängnis Laufenburg wird im Sommer geschlossen, gut möglich, dass es Dinge gibt, die in Rumänien gebraucht werden können», so Ruckli.