Für CVP-Ortsparteipräsident Albert Bürgin kommt die Entscheidung von Gemeindepräsidentin Sibylle Lüthi (CVP), ihr Amt per Mitte des Jahres niederzulegen, aus heiterem Himmel: «Ich habe bemerkt, dass sie in den letzten Monaten dünnhäutiger geworden ist. Dies wurde auch an der letzten parteiinternen Sitzung zur Hallenbad-Sanierung Liebrüti deutlich.» Dass diese zunehmende Dünnhäutigkeit jedoch zu einem Rücktritt führt, habe Bürgin «mehr als überrascht».

Auf die Frage, was dies für die Gemeinde bedeutet, antwortet er: «Besonders in Finanzfragen macht ihr so schnell keiner etwas vor. In diesem Bereich hat sie tolle Arbeit geleistet und die Gemeinde nach vorne gebracht. Es wird schwer werden, sie in diesem Bereich ebenbürdig zu ersetzen.»

«Suboptimaler Zeitpunkt»

«Total überrascht» vom Demissions-Entscheid ist Rolf Baumgartner, Präsident der FDP-Ortspartei. «Ich bin davon ausgegangen, dass Lüthi die Legislaturperiode zu Ende führt.» Zeitlich sei der Rücktritt vor dem Hintergrund wichtiger Pendenzen «suboptimal gewählt». Baumgartner nennt hier allen voran das Projekt Liebrüti-Domus und die Sanierung des Hallenbades Liebrüti sowie den Ärger um die Lärmemissionen der Recycling-Firma Thommen.

«Ich hoffe, dass es nun in diesen wichtigen Angelegenheiten zu keinem Stillstand kommt», so Baumgartner. Neben dem aktuellen Gemeinderat Hanspeter Meyer (FDP) hält er Vizepräsidentin Françoise Moser für die Nachfolge von Lüthi geeignet. «Sie hat in der Kommunikation einen starken Auftritt und kann Sachen gut verkaufen.»

SP-Präsidentin Marianne Grauwiler kann den Entscheid von Lüthi auf der persönlichen Ebene nachvollziehen: «Politisch lief es in den letzten Monaten nicht gut. Das war sicher auch sehr aufreibend und belastend für sie.» Anderseits versteht Grauwiler auch diejenigen, die sich in Anbetracht der politischen Lage «etwas mehr Stehvermögen» von der Gemeindepräsidentin erhofft hatten.

«Entscheidung ist zu akzeptieren»

Verständnis für den Rücktritt zeigt Jean Frey, Ortsparteipräsident der SVP. Zwar bedaure er dies für die Gemeinde, weil es derzeit wichtige Pendenzen gebe, jedoch sei Lüthi in den vergangenen Monaten auch stark im Fokus gestanden. «Daher ist ihre Entscheidung zu akzeptieren», sagt Frey.

«Aus den Socken gehauen» von ihrem Entscheid wurde der ehemalige Gemeindepräsident Max Heller. «Das ist sicherlich schlecht für die Gemeinde», sagt er. Den Rücktritt von Lüthi führt er auf mehrere Gründe zurück. Unter anderem argumentiert er genderspezifisch, dass Frauen «in der Tendenz eher das Bedürfnis haben, es allen recht zu machen», was in einem Amt, in dem Entscheidungen getroffen werden müssen, sehr belastend sei. Weiter erklärt er sich den Rücktritt auch durch «die Schwäche» einiger Gremiumsmitglieder, die «mehr reden als handeln». Als Nachfolgerin von Lüthi kommt aus dem Gremium für Heller derzeit nur Françoise Moser infrage.