Es war der 15. Oktober 1080. Noch im Sterben klagte Rudolf von Rheinfelden, mit der abgehackten Hand habe er einst seinem König Heinrich IV. die Treue geschworen. Nun lag er auf dem Schlachtfeld bei Hohenmölsen, verblutete, nachdem ein Ritter aus Heinrichs Truppen ihm die Hand abgeschlagen und das Schwert in den Unterleib gerammt hatte.

Heinrichs Truppen mussten fliehen, die Schlacht hatte Rudolf gewonnen, er aber verlor sein Leben. Der Verlust gerade seiner Schwurhand wurde als Gottesurteil gewertet, hatte Rudolf doch seinen Schwager Heinrich verraten und ihn als Gegenkönig vom Thron stürzen wollen.

"Schwurhand ist wichtigstes Stück"

«Die Schwurhand ist das Ausstellungsstück schlechthin, wenn es um Rudolf geht», sagt Ute Gottschall, Archäologin und Kuratorin des Fricktaler Museums in Rheinfelden. Dort läuft seit April die Sonderausstellung «Rudolf von Rheinfelden - Ehrenhafter Kämpfer oder herrschsüchtiger Verräter?».

Das wichtigste Stück aber fehlt bisher: die Schwurhand. Die wird im Merseburger Dom aufbewahrt, wo Rudolf begraben ist. Und die Merseburger zeigten sich unnachgiebig, was eine Ausleihe für die Rheinfelder Ausstellung anging. «Auch dort ist die Hand das Ausstellungsstück schlechthin», sagt Gottschall.

So musste sich das Fricktaler Museum selber helfen. Im April erteilte man einer Künstlerin den Auftrag, ein Duplikat der Hand herzustellen. Seit Mittwoch ist dieses im Museum zu sehen. «Das ist ein wichtiger Teil für die Ausstellung», sagt Gottschall. Bis im Dezember läuft die Ausstellung zu Rudolf noch - für die letzten Wochen soll die Hand noch einmal neuen Schub verleihen. «Auch Leute, die schon da waren, haben jetzt einen Grund, noch einmal zu kommen», sagt Gottschall.

Vortrag im November

Hinzu kommt am 7. November ein Vortrag von Kurt W. Alt, Professor am Institut für Anthropologie an der Universität Mainz. Er führte 2004 die jüngsten Untersuchungen an der originalen Schwurhand durch. Ob es sich bei der mumifizierten Hand nämlich tatsächlich um jene von Rudolf handelt, ist weiterhin unklar.

Das Institut für Anthropologie der Universität Mainz kommt zum Schluss, dass dies nicht zweifelsfrei belegt werden könne, ohne ein genetische Untersuchung durchzuführen. Eine solche aber will man in Merseburg nicht durchführen, weil die Hand leicht beschädigt werden müsste, um DNA zu gewinnen und diese mit Rudolfs Überresten im Grab zu vergleichen. Professor Kurt W. Alt wird in Rheinfelden auch über die Untersuchungen und die Ergebnisse berichten.

Englische Mumien-Partys

Neben der Reproduktion von Rudolfs mutmasslicher Schwurhand zeigt das Fricktaler Museum seit dieser Woche auch eine ägyptische Hand. Sie stammt von einer Mumie aus dem 3. Jahrhundert vor Christus. Wie sie einst ins Fricktal gelangte, lasse sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen, sagt Gotschall.

Möglich ist, dass sie über England nach Rheinfelden kam. Dort gab es im 19. Jahrhundert Mumien-Partys: Englische Lords liessen auf den Partys gemeinschaftlich Mumien auswickeln, die sie aus Ägypten importiert hatten. Davon erhofften sie sich nicht nur gruslige Momente sondern auch wertvolle Überraschungen wie Schmuck oder Medaillons.

Bakterien fressen Hand

In Rheinfelden soll die Mumien-Hand auch zum Vergleich mit der Schwurhand von Rudolf dienen. Während die ägyptische Hand professionell mumifiziert und entsprechend gut erhalten ist, hat Rudolfs Hand nämlich Schaden genommen. Irgendwann in ihrer Geschichte wurde sie von Bakterien gefallen und grosse Teile der Handinnenfläche abgefressen. Daher ist bis heute unklar, ob die Schwurhand absichtlich oder eher zufällig mumifiziert wurde.