Rheinfelden
Römischer Wachturm ist restauriert

Moos und Gestrüpp sind weg. Am Pferrichgraben steht ein herausgeputzter römischer Wachturm mit Mauern aus dem vierten Jahrhundert.

Marc Fischer
Merken
Drucken
Teilen
Kantonsarchäologie, Vindonissa-Professur, die Rheinfelder Forstverwaltung und die Ortsbürger waren an der Restauration der Wachturm-Mauern beteiligt.

Kantonsarchäologie, Vindonissa-Professur, die Rheinfelder Forstverwaltung und die Ortsbürger waren an der Restauration der Wachturm-Mauern beteiligt.

Marc Fischer

Aus überwucherten und bemoosten römischen Ruinen ist in Rheinfelden in diesem Sommer ein Ausflugsort mit Blick auf die Altstadt und den sanierten und restaurierten Überresten des römischen Wachturms Pferrichgraben geworden. «Es ist ein besonderer Tag», sagte der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi, «schliesslich weihen wir nicht jeden Tag einen römischen Wachturm ein.»

An der Restauration des Mauerwerks beteiligten sich die Rheinfelder Ortsbürger mit einem Beitrag von 20'000 Franken und zahlreichen Arbeitsstunden für die Umgebungsgestaltung. Sie wurde im Rahmen eines Projekts der Aargauer Kantonsarchäologie durchgeführt. «Die Ruinen machen hier einen kleinen und bescheidenen Eindruck. Doch wir dürfen sie nicht isoliert betrachten. Der römische Wachturm war einst Teil des 150 Kilometer langen hochrheinischen Limes», erklärte Stephan Wyss, stellvertretender Kantonsarchäologe.

Rund 50 solcher Wachtürme gebe es entlang dem Rhein zwischen dem Bodensee und Basel. «Sieben davon sind im Kanton Aargau. Der Wachturm Pferrichgraben ist der sechste, den wir nun restauriert haben.» Im kommenden Jahr will die Kantonsarchäologie auch die siebte Restauration in Angriff nehmen: diejenige des Wachturms Stelli in Wallbach.

Sechs bis acht Meter hoch

Professor Peter-Andrew Schwarz, Inhaber der Vindonissa-Professur an der Universität Basel, führte aus, dass der Wachturm zwischen 369 und 374 nach Christus entstanden ist. «Er war wohl zwischen sechs und acht Meter hoch und ermöglichte so Sichtkontakt zu den nächsten Wachtürmen entlang dem Rhein», erklärte Schwarz. Im Turm seien wohl sechs bis acht Soldaten aus Augusta Raurica stationiert gewesen. Allerdings, so Schwarz weiter, sei es den Römern mit den Türmen wohl eher darum gegangen, Präsenz zu markieren, als dass es wirkliche Befestigungsanlagen waren. Die Eingänge zu den Türmen seien jedenfalls bodeneben gewesen und nicht in der Höhe.

Bereits im Jahr 1939 sei der Wachturm am Pferrichgraben konserviert worden, führte Schwarz weiter aus. «Damals wurden die Mauern mit Teer versiegelt. Das verhinderte, dass Wasser eindrang.» Deshalb sei das Gemäuer auch in einem vergleichsweise guten Zustand gewesen.

Kernbohrung für die Forschung

Auch wenn vieles bereits aus schriftlichen Quellen bekannt gewesen sei, sei das Projekt dennoch hoch spannend für die Lehre und Forschung. So habe man etwa im Eingangsbereich Kernbohrungen gemacht. Diese sollen nun der ETH Zürich dazu dienen ein neu entwickeltes Verfahren zur Altersbestimmung zu testen. «Die Proben eignen sich hervorragend, weil wir ziemlich exakt wissen, wann der Turm gebaut wurde.» Weiter habe man zuhanden der Kantonsarchäologie eine Dokumentation angefertigt, damit auch zu späterer Zeit nachvollziehbar sei, was im Rahmen der Restauration genau gemacht wurde.

Der Turm direkt am Rhein ist öffentlich zugänglich. Eine Sitzbank ermöglicht neu einen Blick auf die Altstadt in der Ferne. Daneben gibt eine neue Informationstafel Einblicke in die Geschichte des Wachturms. Auf eine Grillstelle habe man dagegen bewusst verzichtet, so Stadtoberförster Kurt Steck, in der Hoffnung, so kein Littering-Problem zu bekommen. «Wir wünschen uns auch, dass künftig nicht innerhalb der Mauern grilliert wird. Das schadet dem Gemäuer.»