Rheinfelden

Roland Gröflin läuft am Mittwoch auf die Bieler Höhe – das sind rund 3000 Höhenmeter

Startklar: Roland Gröflin vor dem Start zur 45. Etappe, die ihn am Montag von Livigno nach Santa Maria führte.

Startklar: Roland Gröflin vor dem Start zur 45. Etappe, die ihn am Montag von Livigno nach Santa Maria führte.

Der Schweizumrunder erreicht die Königsetappe. Von Sur En läuft er auf die Bieler Höhe. Er weiss, er wird «genuddelt» sein.

Der König der Schweizumrunder ist er längst – zumindest bei den Fricktalern. Nun steht heute für den 56-jährigen Rheinfelder auf seinem zweimonatigen Lauf, den ihn 2000 Kilometer rund um die Schweiz bringt, die Königsetappe auf dem Programm: von Sur En auf die Bieler Höhe.

Das sind drei Pässe, 3000 Höhenmeter, 78 Leistungskilometer. Es ist zugleich die letzte der «Big 6»-Etappen mit mehr als 70 Leistungskilometern. «Ich freue mich auf diese Herausforderung», sagt Gröflin, verhehlt aber nicht, dass er auch etwas angespannt ist.

Froh ist er, dass das Wetter am Mittwoch mitspielt. Regen macht dem passionierten Läufer zwar nichts aus, doch bei der Königsetappe, die ihn hoch hinausbringt und wo Regen schnell in Schnee umschlagen kann, «ist es bei Sonnenschein deutlich, angenehmer zu laufen».

Wettertechnisch hat Gröflin, der seine Tour Anfang August in Rheinfelden gestartet hat und ebenda Ende September wieder eintreffen wird, einen Joker gezogen. Bis auf zwei Tage im Tessin, wo es stark regnete und Unwetter über das Land zogen, «war das Wetter traumhaft».

Bei den letzten Etappen wird das Wetter dann ohnehin nicht mehr so wichtig sein, da es kaum mehr Höhenmeter zu überwinden gilt. Gröflin nennt es «ein Heimlaufen».

Mittragen wird er dabei eine Fülle von Eindrücken, die er in den letzten 46 Tagen gesammelt hat. Von traumhafter Natur, von tierischen Begegnungen, von menschenleeren Dörfern. Gröflin lacht. «In einigen Dörfern musste man die Menschen förmlich suchen.»

Geschafft: Roland Gröflin auf der Forcola di Livigno.

Geschafft: Roland Gröflin auf der Forcola di Livigno.

Das war am Sonntag anders; da machten Gröflin und sein Team im italienischen Sportort Livigno Halt. «Im Vergleich zu anderen Orten war hier grosser Trubel angesagt», so Gröflin. Sie seien ebenfalls durch die Shoppingmeile flaniert – «ohne etwas zu kaufen», sagt Gröflin.

Entdeckt hat der Fricktaler auf seiner Tour auch «das schönste Dorf der Schweiz». Für ihn ist das Soglio im Bündnerland. Die Gässlein, die schön gepflegten Häuser, das Flair – «einfach traumhaft», schwärmt er. Er werde das Dorf sicher noch einmal zusammen mit seiner Frau besuchen. Patrizia begleitete ihn zusammen mit Mosh Manga, der den Camper fährt und Gröflin betreut, auf der ersten Hälfte der Tour, musste aber beruflich letzte Woche zurück.

Den Kilometer läuft er in rund sieben Minuten

Gröflin ist froh, dass er bei seiner Tour auf breite Unterstützung bauen und sich aufs Laufen konzentrieren kann. «Das ist zentral für den Erfolg», weiss er. Ebenso, dass die Gesundheit mitspielt. Bis jetzt gab es nur eine kritische Situation; Anfang der Tour, als Gröflin stürzte.

Den Sturz hat der Läufer gut verdaut, die Gesundheit spiele top mit. «Am Abend komme ich jeweils schon müde an», sagt er. Doch es sei eine gute Müdigkeit und am nächsten Morgen sei sie wie verflogen. «Ich kann am Morgen unbelastet starten.» Die ersten fünf Kilometer ist es jeweils ein Einlaufen, dann dreht er das Tempo hoch.

Im Schnitt braucht er rund sieben Minuten für den Kilometer. Manche schafft er auch in fünf Minuten, wenn es steil bergauf geht, braucht er schon mal 20 bis 22 Minuten.

Wie lange er für die jeweiligen Etappen braucht, ist Gröflin nicht das Wichtigste – durchzukommen, und zwar so, dass er am nächsten Tag wieder mit einem vollen Energietank starten kann, ist für ihn zentral.

Nach nunmehr 46 Etappen – gestern traf Gröflin von Santa Maria her kommend in Sur En ein – ist das Laufen zur Gewohnheit geworden; Gröflin hat seinen Rhythmus gefunden.

Die schwierigsten Tage waren für ihn denn auch die ersten. «Da hatte ich die ganze Tour noch vor mir – wie ein Berg, auf den man zuläuft», umschreibt Gröflin das Gefühl. Der Kopf sei dann das Problem. Sein Erfolgsrezept: «Abschalten, nicht bis ans Ende sehen, die Tour von Tag zu Tag nehmen.»

Und der Tag bringt ihn eben auf die Königsetappe. Er werde seine höchsten Schuhe anziehen, Stöcke mitnehmen und sich vor allem nicht stressen. Schon vor dem Start weiss er: «Ich werde am Abend ‹genuddelt› sein.» Wieder lacht er. «Das muss aber so sein.» Für Donnerstag haben er und sein Team deshalb eine «leichte Etappe» ins Programm genommen. Sie führt von der Bielerhöhe nach Gargellen. Das sind dann «nur» gut 21 Laufkilometer und 1700 Höhenmeter. Ein Klacks. Zumindest für Gröflin.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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