Bisweilen ist es in der Politik wie in der Natur: Die Dinosaurier sterben aus. Immer weniger Menschen sind heutzutage bereit, sich 15, 20 oder gar 25 Jahre in den Dienst ihrer Gemeinde zu stellen und ein politisches Amt zu übernehmen. Die Folge: Die Amtszeiten von Gemeinderäten und Ammännern werden in der Tendenz kürzer.

In diesem Jahr erlebt die Saurier-Fraktion unter den Gemeindeammännern wieder einen beträchtlichen Aderlass: Drei Polit-Schwergewichte treten im Herbst nicht mehr zu den Gesamterneuerungswahlen an, drei weitere haben den Gemeinde-Stab bereits Ende letzten Jahres übergeben: Brunette Lüscher nach 15 Jahren als Ammann von Magden, Bernhard Horlacher nach 13 Ammann-Jahren in Schupfart und Jürg Müller nach 19 Ratsjahren in Mumpf. Genug haben Ende 2017 zudem Hansueli Bühler in Stein (23 Jahre Ammann), Willy Schürch in Münchwilen (19 Jahre) und Heinz Kim in Zuzgen (15 Jahre).

Zieht man die Dino-Grenze bei 15 Amtsjahren, so ist ab nächstem Jahr das ganze Fricktal saurierfrei. Das ganze Fricktal? Nein, der Polit-Saurier im kleinsten Dorf im Bezirk Laufenburg leistet erbitterten Widerstand. Roger Fricker, seit 19 Jahren Ammann von Oberhof, tritt im Herbst nochmals an. Anruf beim postautofahrenden Polit-Urgestein.

Hallo Roger Fricker, Sie sind der letzte Saurier, der letzte Mohikaner, wenn man so will. Wie lebt es sich so alleine?

Roger Fricker: Bestens, danke der Nachfrage.

Weshalb tun Sie sich eine Kandidatur nochmals an?

Weil ich noch voll motiviert bin. (Lacht.) Noch voll im Saft, könnte man auch sagen.

Was motiviert Sie nach so vielen Jahren noch?

Die Abstimmung über den neuen Finanzausgleich zwischen den Gemeinden.

Bitte? Die haben Sie ja klar verloren!

Schon, aber die Befürworter der Vorlage haben uns kleinen Gemeinden im Abstimmungskampf viele Zugeständnisse gemacht. Nur wenn ich dabei bleibe, kann ich sicherstellen, dass sie auch umgesetzt werden.

Kennen Sie das Sprichwort: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?

Ja, sicher. Und genau deshalb braucht es den Fricker Roger. Er wird dafür sorgen, dass es kein Geschwätz bleibt. (Lacht.) Wer mich kennt, weiss, dass mit mir in solchen Dingen nicht zu spassen ist.

Jetzt wird einiges klar: Die Oberhöfler fürchten Sie und wählen Sie deshalb jedes Mal mit Bravour.

Ich hoffe nicht, nein, ich weiss: So ist es nicht. (Lacht.) Vielleicht denken sie: Solange er im Amt ist, haben wir ihn im Griff und können ihn an den Gemeindeversammlungen in die Schranken weisen. Aber wehe, wenn er losgelassen wird.

Ich behaupte: Sie machen nur weiter, weil Sie als bekennender Anti-Fusionist einen Fusionsturbo verhindern wollen.

Zugegeben, ich halte selber rein gar nichts von einer Fusion zum heutigen Zeitpunkt. Solange wir alle Ämter in Oberhof problemlos besetzen können, braucht es einen Zusammenschluss nicht. Die Vorteile des Alleingangs überwiegen den einzigen Gewinn einer Fusion, einen niedrigeren Steuerfuss, deutlich.

Dann heisst das: Solange Roger Fricker im Amt ist, gibt es keine Annäherung an andere Gemeinden?

Nein, das heisst es nicht. Gegen eine sinnvolle Zusammenarbeit wehre ich mich nicht, die pflegen Wölflinswil und Oberhof ja bereits heute, und davon profitieren beide Gemeinden. Ich bin aber auch gerne bereit, die Fusionsfrage vertieft zu prüfen, wenn die Einwohner von Oberhof dies wünschen. Der Impuls dazu muss allerdings von der Bevölkerung kommen; ich selber werde eine Fusion nicht anstossen.

Sie sagen: Die Vorteile eines Alleingangs überwiegen. Welche sind das denn?

Als Kleingemeinde ist man näher am Bürger und kann flexibler reagieren. Wir führten zum Beispiel auch schon einmal eine Einspracheverhandlung an einem Sonntag durch. (Lacht.) Und Gott hat geholfen, auf jeden Fall erzielten wir schnell eine Einigung, die für alle stimmte. So etwas ist in einer Grossgemeinde nicht möglich, da läuft alles nach den Gesetzen der Bürokratie.

19 Jahre sind eine lange Ammann-Zeit. Braucht es nicht einmal einen frischen Wind, der durch die Ratsstube weht?

Diesen Entscheid überlasse ich den Bürgern. Wenn sie das Gefühl haben, es wäre Zeit für einen Wechsel, dann freue ich mich auf einen Mitbewerber. Ich liebe politische Ausmarchungen.

Und wenn Sie abgewählt würden?

Damit könnte ich leben, das ist Teil der Demokratie. (Lacht.) Ich bin und bleibe ein Oberhöfler, was auch immer passiert. Sie sagen es richtig: Ich bin ein Polit-Saurier und werde dies auch bleiben. Eines kann ich versprechen: Der Fricker Roger wird sich immer einmischen – als Ammann und als Bürger.

Drei Schwergewichte machen weiter

Einmischen wollen sich auch drei weitere langjährige Politiker. Sie kommen zwar (noch) nicht auf 15 Amtsjahre, gehören aber dennoch zu den Polit-Schwergewichten: Peter Weber in Mettauertal (13 Jahre Ammann), Fredy Böni in Möhlin (11 Jahre) und Franco Mazzi in Rheinfelden (11 Jahre).

Insgesamt treten von den 32 Fricktaler Gemeindeammännern 23 im Herbst noch einmal an, acht hören auf und einer, Robert Schmid aus Ueken, will seinen Entscheid erst Ende April bekannt geben, zusammen mit den anderen Behörden- und Kommissionsmitgliedern im Dorf. Klar ist derweil eines bereits: Nicht alle, die sich noch mal wählen lassen, werden die ganze vierjährige Amtsperiode bleiben. «Ich werde noch maximal für eine halbe Amtszeit zur Verfügung stehen», sagte Kathrin Hasler, Ammann von Hellikon, Mitte März zur az.

Das Feld derer, die innerhalb oder am Ende der nächsten Amtsperiode zurücktreten könnten, ist beachtlich: 9 der 32 Gemeindeammänner, die zur Wiederwahl antreten, haben bereits fünf und mehr Amtsjahre auf dem Buckel. Ob sie alle «durchhalten»? On verra.

Ein Fünftel noch kein Jahr im Amt

Ein Blick auf die Amtszeitstatistik zeigt noch etwas Zweites: Fast ein Fünftel der Fricktaler Gemeindeammänner, insgesamt sechs, ist maximal ein Jahr im Amt. Das heisst: Es gab in der zu Ende gehenden Legislatur viele vorzeitige Rücktritte. Sechs alleine im 2015 und 2016. Das sind erstaunlich viele; einige davon – wie jene in Mumpf, Schupfart und Magden – lassen sich auf gezielte Wachtablösungen zurückführen, andere auf Streitigkeiten innerhalb des Gremiums oder auf eine falsche Erwartungshaltung, was das Ammann-Amt mit sich bringt und was es abverlangt.

Weitere 9 der 32 Gemeindevorsteher stehen in der ersten Legislatur; mit Ausnahme von Franziska Winter aus Kaisten, die aus beruflichen Gründen nicht mehr kandidiert, wollen es alle nochmals wissen. Mit anderen Worten: Knapp die Hälfte der Ammänner ist aktuell noch keine vier Jahre im Amt.

Die Hoffnung besteht also, dass ein Grossteil derer, die im Herbst gewählt werden, die nächste Amtsperiode auch durchzieht. Was dagegen spricht? Die Statistik. Im Schnitt bleibt ein Aargauer Ammann fünf Jahre im Amt.