Kaiseraugst
Roche investiert 500 Millionen für IT-Stützpunkt mit 1300 Arbeitsplätzen

Der Pharmakonzern Roche baut Kaiseraugst zum IT-Stützpunkt aus. «Wir brauchen deshalb die besten IT-Leute der Welt», sagte Finanzchef Alan Hippe. Im Herbst 2017 soll das Projekt realisiert sein.

Peter Brühwiler
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Platz für 1300 IT-Spezialisten: In Kaiseraugst entsteht einer von vier IT-Innovationshubs. Die anderen Standorte sind San Francisco, Warschau und Madrid.

Platz für 1300 IT-Spezialisten: In Kaiseraugst entsteht einer von vier IT-Innovationshubs. Die anderen Standorte sind San Francisco, Warschau und Madrid.

HO

Roche baut Kaiseraugst mit Investitionen von rund 500 Millionen Franken zu seinem weltweit grössten IT-Stützpunkt aus. Am Mittwoch feierte der Basler Pharmakonzern die Grundsteinlegung für die vier neuen Gebäude, in welche bis spätestens Herbst 2017 1300 Informatiker einziehen sollen. Die ersten beiden Gebäude werden bereits Ende 2016 fertiggestellt.

Die Szenerie auf dem Parkdeck des Firmenareals versprüht einen Hauch Silicon Valley: Tiefblauer Himmel, weisses Festzelt, kalifornische Hitze. Und vor allem eine grosse Vision. «Was jetzt passiert im Rahmen der Digitalisierung und der Medizin ist sicher ein Durchbruch», sagt Finanzchef Alan Hippe.

Roche betrachtet die Personalisierte Medizin – also die Entwicklung massgeschneiderter Behandlungen auf der Basis individueller Erbgut-Analysen – als zentralen strategischen Ansatz. Für die Verwirklichung dieser durchaus schon greifbaren Vision stelle die Informationstechnologie die Basis dar, so Hippe. «Wir brauchen deshalb die besten IT-Leute der Welt.»

Im Wettbewerb mit Google

Roche konkurriert im Wettbewerb um Talente also mit IT-Unternehmen wie Google, das aus Umfragen regelmässig als beliebtester Arbeitgeber hervorgeht. «Google war in der Planungsphase nicht unser Vorbild», sagt Jürg Erismann, Leiter des Roche-Standortes Basel-Kaiseraugst. Die neue Anlage trage den Bedürfnissen der IT-Generation aber Rechnung. «Wir schaffen sehr viele Orte der informellen Zusammenarbeit und auch im Aussenraum können Meetings abgehalten werden.» Dazu kommen ein Fitnessstudio, Restaurants, Kinderbetreuung und ein Auditorium-Gebäude.

Die Unsicherheit rund um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative wird die Rekrutierung von Talenten natürlich nicht vereinfachen. Erismann macht sich aber keine allzu grossen Sorgen. «Den Investitionsentscheid haben wir zwar vor der Annahme der Initiative gefällt», sagt er. «Wir würden heute aber wieder gleich entscheiden.» Auch die Frankenaufwertung habe keine Redimensionierung des Projekts zur Folge, fügt er an. Denn entscheidend sei die Nähe der IT-Spezialisten zu den übrigen Aktivitäten von Roche in Basel und Kaiseraugst.

Hunderte neuer Informatiker muss Roche sowieso nicht rekrutieren. Etwa 900 werden von verschiedenen Basler Standorten nach Kaiseraugst wechseln, 400 sind bereits hier. Das beeindruckende Wachstum des Standorts Kaiseraugst geht also weiter. Bereits in den letzten fünf Jahren sei die Mitarbeiterzahl um rund 35 Prozent auf 2200 gestiegen, sagt Erismann. Und das Wachstumspotenzial sei noch nicht ausgeschöpft: «Wir haben noch einige freie Flächen.»

Der Datenberg wächst rasant

Sollten die Gebäude aus Platzgründen dereinst trotzdem grösseren weichen müssen, werden die Bauarbeiter beim Abbruch auf eine während der Grundsteinlegungs-Feier ins Gebäudefundament einbetonierte Zeitkapsel stossen. Diese wurde feierlich gefüllt, unter anderem mit einer Ausgabe der Aargauer Zeitung – «als Symbol für unser Bekenntnis zum Standort» – und einem USB-Stick.

Dieser soll die Bedeutung der digitalen Daten für Roche symbolisieren. Stand heute besitzt das Unternehmen 72 Millionen Gigabyte davon, was 7000 Jahren nonstop Filmmaterial in HD-Qualität entspricht. Über mangelnde Arbeit werden sich die 1300 IT-Spezialisten am neuen Standort also nicht beklagen können. Zumal der Datenberg munter weiterwächst: Im laufenden Jahr um rund 40 Prozent. Kommentar Meinungsseite

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