Seit Januar ist das Learning Center der Roche in Kaiseraugst in Betrieb. Für eine bessere Infrastruktur zügelte das Bildungszentrum von Basel nach Kaiseraugst. Nun wurden 86 Millionen Franken in ein neues Gebäude investiert. In den nächsten Jahren entstehen noch vier weitere Gebäude und die Anzahl der Rochemitarbeiter am Standort Kaiseraugst wird weiter vergrössert.

Gestern wurde das Learning Center eingeweiht und symbolisch den Lernenden übergeben. Jürg Erismann, Leiter des Standorts Basel/Kaiseraugst, erklärt die Vorteile des neuen Learning Centers: «In Kaiseraugst sind nun alle Lernenden unter einem Dach. Vorher waren sie in Basel über mehrere Standorte verteilt.» Landammann Urs Hofmann erachtet das neue Bildungszentrum der Roche als weiteren Ausbau der Hightech-Region Kaiseraugst.

Die Lernenden sollen dort die Möglichkeit haben, vom «trialen Ausbildungssystem» der Roche zu profitieren. Dabei wird das duale Ausbildungssystem der Schweiz, also die Berufsfachschule und der Ausbildungsplatz, durch die interne Werkschule ergänzt. Die Firma stellt damit sicher, dass die Lernenden nach dem neusten Stand der Technik ausgebildet werden.

Ausbildung von Fachkräften

In dieser internen Werkschule stehen den 300 Auszubildenden aus 14 Berufen neben Hörsälen und einem E-Learning-Raum, diverse Chemie-, Biologie- und ein Pharmalabor zur Verfügung. Sie sollen selber ausprobieren und experimentieren. Im Pharmalabor lernen sie zum Beispiel, wie ein Medikament Gestalt annimmt.

Jedes Jahr beginnen 100 Jugendliche ihre Lehre bei Roche. Der Konzern legt Wert darauf, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Vera Jost, Auszubildende bei Roche, sagt im Namen der Lernenden: «Wir kommen sehr gerne hierher, um zu arbeiten und zu lernen. Und wir möchten uns mit unserer Leistung bedanken.» Ein Versprechen, das die Lernenden erfahrungsgemäss erfüllen. Die Erfolgsquote bei der Lehrabschlussprüfung beträgt 98,5 Prozent.

Einstieg in die Berufswelt

Roche bietet allen Lernenden die Möglichkeit auf einen «Pool-Vertrag», in dessen Rahmen sie nach der Lehre für ein Jahr bei Roche arbeiten können. Dadurch wird sichergestellt, dass den jungen Fachkräften ein erfolgreicher Übergang in die Berufswelt gelingt. Während der Berufslehre steht es den Auszubildenden frei, die Berufsmatur zu absolvieren, mit der sie später an die Fachhochschule gehen können. Einige Auszubildende bleiben im Betrieb, wobei das Konzept nicht vorsieht, alle Auszubildenden später fest anzustellen. Einigen wenigen, speziell engagierten Auszubildenden, bietet Roche ausserdem die Möglichkeit, nach ihrer Lehre ein Auslandsemester in San Francisco zu verbringen.

Workshops für Schulklassen

Roche setzt bereits bei Schülern an, um Interessen und Talente zu wecken, die für die spätere Berufswahl ausschlaggebend sind. Dafür wurde ein eigenes pädagogisches Konzept entwickelt. Im neuen Learning Center steht deswegen auch das «Experio Schullabor» zur Verfügung. Interessierte Schulklassen, von der Primar- bis zur Sekundarstufe, können halbtägige bis ganztägige Workshops buchen.

Schüler können in solchen Workshops erste praktische Erfahrungen im Labor machen. Vor allem sollen die Interessen für die MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – geweckt werden. Für Sekundarschüler steht auch ein My-Talents-Berufswahlparcours zur Verfügung, wo die Schüler ab Sekundarstufe während je 15 Minuten kurz in die diversen Berufe reinschnuppern können. Acht Testklassen aus der Region haben bereits solche Workshops absolviert. Nun können sich Klassen aus der ganzen Schweiz und dem angrenzenden Ausland bewerben.

Die Lehre ist jedoch erst der Anfang. Auch danach sind regelmässige Weiterbildungen ausschlaggebend für die Innovation des Pharmakonzerns. Im 1. Stock des neuen Bildungszentrums in Kaiseraugst werden diverse Weiterbildungen, von fachspezifischen Kursen bis hin zu Führungskursen, angeboten. Daniel O’Day, Chief Operation Officer der Division Pharma, betont, dass die lebenslange Ausbildung von mindestens so grosser Wichtigkeit ist wie die Erstausbildung von Jugendlichen.