Rheinfelden
Rheinübergang: Die 100-jährige Brücke

Dem markanten Rheinübergang in Rheinfelden ist eine Ausstellung gewidmet. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt das Fricktaler Museum die umfangreiche Ausstellung «Die Brücke in Rheinfelden – Flussübergang – historischer Schauplatz».

Ingrid Arndt
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Vernissagebesucher vertiefen sich in die wechselvolle Brücken-Geschichte. Ari

Vernissagebesucher vertiefen sich in die wechselvolle Brücken-Geschichte. Ari

Kathrin Schöb-Rohner, die mit ihrer Stellvertreterin Ute W. Gottschall, der wissenschaftlichen Beraterin Nicole Stephan sowie der Praktikantin Tina Zaugg diese Ausstellung vorbereitet und organisiert hat, führte an der Vernissage in Geschichte und Gegenwart ein. Anhand von Gemälden, Dokumenten, Fotos, Modellen, Objekten und Zeitungsausschnitten darf der Besucher eine Zeitreise nicht nur zur «Hundertjährigen» unternehmen, sondern er erfährt viel Spannendes aus 900 Jahren über die wechselvollen Ereignisse der Rheinbrücken und der Stadt Rheinfelden.

Bereits der elfte Übergang

Die heutige alte Rheinbrücke ist bereits der elfte Übergang an dieser Stelle. Die erste Brücke wurde auf Geheiss von Berthold IV. von Zähringen errichtet und verhalf der frisch gegründeten Stadt zu wirtschaftlichem Aufschwung. Durch Kriegs- und Wasserschäden musste sie immer wieder neu erbaut werden, 1807 war es eine Holzbrücke, die aber 1897 abbrannte. Nach einem Provisorium begann 1911 der Neubau, vom bekannten Zürcher Architekten Robert Maillart konstruiert. Dank der kleinen Insel war der Bau etwas einfacher als anderswo, weil das Inseli als Brückenpfeiler verwendet werden konnte. «Doch nicht nur die ferne Geschichte wollen wir in dieser Ausstellung thematisieren, sondern auch jüngere Ereignisse», erklärte Kathrin Schöb Rohner. «Auf diesem Übergang ist viel passiert, zwei Weltkriege erlebte er unter anderem.»

Flüchtlinge gelangten über die Brücke

Die grenzüberschreitenden Kontakte waren sowohl privat als auch wirtschaftlich immer recht gut, doch mit Beginn des Ersten Weltkriegs erfuhr dieses gutnachbarschaftliche Verhältnis eine jähe Unterbrechung. Es gab keinen Verkehr mehr über den Flussübergang. Im Zweiten Weltkrieg war das kaum anders, nur noch wenige durften die Grenze passieren. Vor allem gegen Ende des Krieges versuchten viele Flüchtlinge in die Schweiz zu gelangen – diese Brücke war eine der wenigen Stellen, die noch offen war. Mehr als 3000 Menschen aus 17 verschiedenen Nationen wurden damals erfasst und in das Quarantänelager Alte Saline zur Überprüfung gebracht.

Aber auch anderen Anstürmen musste das Bauwerk widerstehen, so zum Beispiel der «Rhygfröri» im Winter 1929, als der zugefrorene Fluss und mächtige Eisschollen an ihm rüttelten und nagten. Ein interessantes Phänomen ist das St.-Anna-Loch, einer der tiefsten Punkte im Rhein, nördlich des Inselis gelegen. Ein Farbfilm zeigt anhand eines Tauchgangs gewissermassen «live» diese etwas abenteuerliche Stelle.

Passend zum Thema der Ausstellung wurde die Vernissage musikalisch umrahmt von Dieter Buchwalder aus Basel: mit Wassermusik auf Glasharfe und schwingenden Gläsern.

Ausstellung im Fricktaler Museum Rheinfelden, Marktgasse 12: 1.April–16.Dezember, jeweils Dienstag, Samstag und Sonntag von 14–17 Uhr.