Das ist ein ziemlicher Rückschlag für das Rheinsteg-Projekt in Rheinfelden. Am 9. Oktober endete die europaweite Ausschreibung für den Bau des Stegs – mit einem überraschenden Ergebnis: Hinter dem Projekt nämlich steht plötzlich wieder ein Fragezeichen, weil die eingegangenen Angebote deutlich teurer sind als erwartet. «Ich gebe es offen zu, mit diesem Ergebnis hat niemand gerechnet», erklärte Oberbürgermeister Klaus Eberhardt in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates Rheinfelden Baden am Donnerstagabend.

Das günstigste eingegangene Angebot liegt laut einer Mitteilung der beiden Rheinfelden rund vier Millionen Euro (netto) über der Kostenberechnung des Ingenieurbüros Miebach. Eberhardt machte deutlich, dass «zu diesen Bedingungen» das Projekt für ihn nicht durchführbar sei. Gleichzeitig appellierte er an die Gemeinderäte, vor dem nächsten Schritt die Sachlage gründlich zu analysieren.

Direkt mit Firmen verhandeln

Da das Ergebnis der Ausschreibung so deutlich von den Kostenberechnungen abweicht, dürfen die Projektträger die Ausschreibung – welche nach deutschem Recht durchgeführt wurde – aufheben und direkt mit den Firmen, die ein Angebot eingereicht haben, «verhandeln». Diesen Schritt möchten die beiden Städte gerne gehen. «Wir hoffen, so zu erfahren, wie es zu diesen grossen Abweichungen kommen konnte. Vielleicht verbergen sich ja hinter der einen oder anderen Zahl ein Risikozuschlag oder eine Fehlinterpretation des Ausschreibungstextes», lässt sich Eberhardt in der Mitteilung der beiden Städte zitieren.

Fraglich ist laut Stadtammann Franco Mazzi auch, ob derzeit eine für das Projekt ungünstige Marktsituation herrscht. Insgesamt hatten sich 24 Firmen für die Ausschreibung interessiert. Angebote wurden aber letztendlich nur von zwei Firmen abgegeben. «Tatsache ist, dass die Stahlbranche gerade boomt und das Projekt durch den grenzüberschreitenden Charakter nicht zu den einfachsten gehört», erklärt Tobias Obert, Projektleiter der deutschen Seite. Auch eine erneute Ausschreibung mit einer Aufteilung in Tiefbau- und Stahlbauarbeiten wäre möglich.

Franco Mazzi reagiert enttäuscht

Sowohl Oberbürgermeister Klaus Eberhardt als auch Stadtammann Franco Mazzi sind von dem Ausschreibungsergebnis enttäuscht und hoffen darauf, in den Gesprächen mit den Bietern zu einer realistischeren Kostenkalkulation zu kommen. Die beiden Rheinfelden hatten im Jahre 2014 einen internationalen Projektwettbewerb für einen neuen Rheinübergang durchgeführt. Der neue Steg soll an Stelle des 2010 zurückgebauten Kraftwerksteges die beiden Rheinfelden mit einem Fuss- und Radweg verbinden. Die Kostenschätzung belief sich zuletzt auf rund 6,4 Millionen Euro (netto).

Das Projekt hatte schon in den letzten Jahren einige hohe Hürden zu nehmen – unter anderem im Baugenehmigungsverfahren mit mehreren Einsprachen. Auf deutscher Seite liegt die rechtskräftige Baubewilligung seit Frühsommer vor. Der Stadtrat auf Schweizer Seite hat die Baubewilligung im Juli ebenfalls erteilt. (az)