Fricktal
Rheinpegel auf Tiefstand – Kraftwerke brauchen mehr Wasser

Erst setzte im Juli die Hitzewelle ein, dann folgte eine anhaltende Trockenheitsperiode: Der Wasserstandspegel des Rheins ist massiv gesunken. Eine Entspannung sei mehr als erwünscht.

Yvonne Zollinger
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Die Kraftwerke am Hochrhein, hier Rheinfelden, spüren den tiefen Wasserstand. Zurzeit fliesst nur etwa die Hälfte der Menge wie in anderen Jahren. zVG

Die Kraftwerke am Hochrhein, hier Rheinfelden, spüren den tiefen Wasserstand. Zurzeit fliesst nur etwa die Hälfte der Menge wie in anderen Jahren. zVG

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«Bis Ende Juni hatten wir ein sehr gutes Jahr», sagt Alexander Lennemann von der Energiedienst AG zur Auslastung der drei Rheinkraftwerke Laufenburg, Rheinfelden und Augst/Wyhlen. Das Frühjahr brachte viel Regen. Doch dann habe im Juli die Hitzewelle eingesetzt, gefolgt von einer anhaltenden Trockenheit.

Der Wasserstandspegel des Rheins sei massiv gesunken. «Zurzeit fliessen noch rund 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab», sagt Lennemann. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert für diese Jahreszeit beträgt fast doppelt so viel, rund 900 Kubikmeter. Dementsprechend seien die Turbinen in den Kraftwerken Laufenburg und Rheinfelden nur zur Hälfte ausgelastet und die Stromproduktion reduziert, so Lennemann.

Nicht nur der Rhein, auch die kleineren Fliessgewässer sind zurzeit vom Wassermangel betroffen. «Trotzdem ist der gegenwärtig tiefe Pegelstand für die Rheinkraftwerke kein unübliches Phänomen», relativiert Lennemann. «Wir hatten in den letzten Jahren öfters Niedrigwasser wie dieses.»

Auch die Werte vom trockenen Sommer 2003 seien noch nicht erreicht. Eine Entspannung der Lage wäre erwünscht, aber: «Leider sieht es auch in den nächsten Wochen nicht danach aus, dass wir mit mehr Wasser rechnen können», sagt Lennemann.

Personenschiffe auf Kurs

Während rheinabwärts Richtung Basel die Rheinschifffahrt mit dem tiefen Wasserstand zu kämpfen hat, vermeldet die Personenschifffahrt zwischen Laufenburg und Rheinfelden keine grösseren Beeinträchtigungen. Einzig in Rheinfelden machte das Niedrigwasser den Passagierschiffen kurzzeitig zu schaffen. «Wir hatten im August in Rheinfelden plötzlich kaum mehr einen Meter Wasser unter dem Kiel unserer Schiffe», sagt Peter Stalder, Geschäftsführer der Basler Personenschifffahrt. Von dieser Entwicklung seien sie überrascht worden. «Es ist sechs Jahre her, dass wir mitten in der Saison eine Fahrrinne für die Schiffe ausbaggern lassen mussten. Jürg Schroff aus Badisch-Laufenburg betreibt das Passagierschiff «Löwe von Laufenburg» ganzjährig. «Unsere Fahrten finden oberhalb der Staustufe des Kraftwerks Laufenburg statt», sagt Schroff.

In diesem Bereich wird der Rheinpegel vom Kraftwerk reguliert und hat deshalb eine konstant gleichbleibende Wassertiefe. Ähnlich geht es Johann-Peter Michlmayr aus Säckingen. Er bewegt sich mit seinem Personenschiff «Trompeter von Säckingen» auf der Staustufe oberhalb des Kraftwerks Rhyburg-Schwörstadt. «Wir konnten unseren Betrieb den ganzen Sommer normal durchführen», sagt Michlmayr.

«Für uns hat Hochwasser die grösseren Konsequenzen.» Dieses trete jedes Jahr mindestens einmal auf und bringe den Schiffsverkehr regelmässig zum Stillstand. «Dieses Jahr lag die Spitze Anfang Mai mit der fünffachen Menge Wasser als zum jetzigen Zeitpunkt», sagt der Säckinger.

Was des einen Leid, ist des anderen Freud. Das trockene, sonnige Wetter lockte viele Ausflügler auf den Rhein. So auch in Laufenburg auf Schweizer Seite. «Die MS ‹Stadt Laufenburg› konnte alle Fahrten durchführen und war jeweils sehr gut ausgelastet», freut sich Monika Wissler, Leiterin Tourist-Info Laufenburg.