Fricktal
Rheinfelden steht unter Strom: Fricktaler Museum zeigt Ausstellung zum Thema Elektrizität

Nach dem Ende des Lockdown kann im Fricktaler Museum endlich die Sonderausstellung «Rheinfelden – unter Strom! Vom Dreiland in die Welt» starten. Weil auf eine Vernissage verzichtete werden muss, bietet das Museum Kurzführungen an. Viele Stationen laden zum aktiv werden ein.

Thomas Wehrli
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Teil der Geschichte: Der 2010 abgerissene Eisensteg beim Einstieg zum alten Kraftwerk.

Teil der Geschichte: Der 2010 abgerissene Eisensteg beim Einstieg zum alten Kraftwerk.

Peter Rombach

Sie stehen unter Strom, die Macher der neuen Ausstellung im Fricktaler Museum in Rheinfelden. Denn nach der corona­bedingten Zwangspause kann die Sonderausstellung «Rheinfelden – unter Strom! Vom Dreiland in die Welt» am nächsten Dienstag endlich eröffnet werden. Gut zwei Monate später als ursprünglich geplant.

Und anders als sonst. Denn auf die Vernissage müssen die Ausstellungsmacher verzichten, da bei einem solchen Anlass die Distanzregeln nicht eingehalten werden könnten. Dafür bietet das Museum in der ersten Ausstellungswoche Kurzführungen in Kleingruppen mit maximal zehn Personen an. «Eine Anmeldung ist erforderlich», sagt Kuratorin Ute Gottschall.

Um eine Übertragung des Coronavirus zu verhindern, wird auch dauernd jemand im Museum unterwegs sein und alle Berührungspunkte desinfizieren. Das sind neben den Geländern auch zahlreiche Knöpfe und Griffe. «Uns ist es wichtig, dass die Besucher nicht nur die Stromgeschichte und ihre Protagonisten kennen lernen, sondern auch selbst aktiv werden können.» Strom zum Anfassen, sozusagen – natürlich geerdet.

Radio und Wasserkocher verlocken zum Ausprobieren

Da ist beispielsweise der abgedunkelte Raum, in dem man die Helligkeit von Kerze, Öllampe und Glühbirne vergleichen kann. Da ist der Hometrainer, auf dem man trampenderweise versuchen kann, ein Radio zum Spielen, eine Glühlampe zum Leuchten oder einen Wasserkocher zum Sprudeln zu bringen.

Noch fliesst der Strom im Ausstellungsraum nicht in die Maschinen, die gezeigt werden, sondern in die Arbeitsgeräte: Es wird eifrig geschraubt, gebohrt und gesaugt, damit am Dienstag alles bereit ist. «Wir sind auf Kurs», freut sich Gottschall.

In den Ausstellungsraum leiten die Besucher vom Eingang her vier Kabel, passend zum Thema in Grün, Rot, Blau und Gelb. Im Ausstellungsraum verteilen sich die Kabel auf die vier farbigen Themeninseln.

Das Comeback der Stromisolatoren

Die Verteilung der Kabel nehmen dabei alte Stromleitungsisolatoren vor. Gottschall lacht. «Als ich vor vielen Jahren im Museum anfing, waren die Isolatoren etwas vom ersten, was mir im Fundus begegnete.» Sie habe sich da schon gefragt, ob sie wohl je zum Einsatz kommen. «Jetzt passen sie perfekt.»

Die gelbe Ausstellungsinsel beleuchtet das Thema Strom, die blaue den Kraftwerksbau, die rote die Elektrifizierung und die grüne die beiden Strompioniere Agostino Nizzola und Charles Brown, die in Rheinfelden mit dem ersten Netzwerkverbund Stromgeschichte geschrieben haben. Ein Zeitstrahl zeigt zudem die entscheidenden Momente in der Rheinfelder und der weltweiten Stromgeschichte, die ihren Anfang im sechsten Jahrhundert vor Christus nahm – mit Tales von Milet, der die elektrostatische Aufladung von Bernstein entdeckt hat.

Nicht ganz so weit zurück, 2010, liegt ein Ereignis, das viele Rheinfelder bis heute bewegt: Das alte Kraftwerk – ein Schwerpunkt der Ausstellung – und vor allem der Eisensteg werden abgerissen. Die IG Pro Steg wehrte sich vergebens für den Erhalt und auch das Projekt eines neuen Rheinsteges ging baden, nachdem das bereits bewilligte Projekt noch in der Planungsphase massiv teurer wurde. Den nötigen Zusatzkredit von 3,2 Millionen lehnten die Rheinfelder im Oktober 2019 mit 51,9 Prozent ab. Der Abstimmungskampf zeigte damals: Rheinfelden steht unter Strom.

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