Rheinfelden
Erfolgsmodell: Der Stadtbus soll weiter betrieben werden – für die Stadt neu sogar gratis

Rheinfelden möchte die grenzüberschreitende Linie 7312 nicht mehr missen. Seit 2008 auf Achse, verbindet das Citymobil die beiden Schwesterstädte miteinander. Jetzt steht die Neuvergabe des Betriebsauftrags an. Und: Der Kanton übernimmt neu das Defizit.

Hans Christof Wagner
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Der Stadtbus verbindet die beiden Rheinfelden miteinander. Er ist schon seit 2008 unterwegs.

Der Stadtbus verbindet die beiden Rheinfelden miteinander. Er ist schon seit 2008 unterwegs.

Mira Güntert (8. März 2018)

Der Betrieb der Stadtbuslinie 7312, die grenzüberschreitend die beiden Rheinfelden verbindet, muss neu vergeben werden. «Der aktuelle öffentliche Dienstleistungsauftrag läuft zum Fahrplanwechsel Ende 2022 aus», erklärt Katja Teuchert von der Stadtverwaltung Rheinfelden (D) den Hintergrund.

Da die Buslinie den in einer EU-Verordnung genannten Schwellenwert an gefahrenen Kilometern unterschreitet, muss keine europaweite Ausschreibung erfolgen. So haben sich Rheinfelden/Baden und der Landkreis Lörrach entschieden, eine direkte Vergabe an den bisherigen Betreiber durchzuführen. Das ist die Südbaden Bus GmbH (SBG).

Zustimmung zur Vergabe an SBG aus der Schweiz

Walter Jucker, Rheinfeldens Vizeammann und Stadtrat mit dem Ressort Verkehr, sagt: «Wir unterstützen den Direktvergabeantrag an den bisherigen Dienstleister SBG.» Guten Kundenservice und hohe Fahrplanstabilität wünsche sich die Stadt vom Buslinienbetreiber für die Zukunft. An beidem hat es Juckers Worten zufolge schon in der Vergangenheit nicht gefehlt.

Walter Jucker, Vizeammann Rheinfelden

Walter Jucker, Vizeammann Rheinfelden

Leuzinger / Aargauer Zeitung

Auch an Erfahrung mangelt es der SBG nicht. Denn schon seit dem 8. März 2008 hat das deutsche Busunternehmen den 7312er-Bus unter sich. An dem Tag nahm der grenzüberschreitende Stadtbus den Betrieb im Halbstundentakt auf, nachdem auf der für den Autoverkehr gesperrten alten Rheinbrücke Platz für ihn entstanden war. Seitdem ist der rote Kleinbus zwischen den Spitälern auf Schweizer und deutscher Seite unterwegs. Er steuert die Bahnhöfe rechts und links des Rheins an und benötigt für die acht Kilometer lange Strecke 30 Minuten Fahrzeit.

Mit dem Fahrplanwechsel 2015/16 kam die Splittung des Kurses und mit ihr die Erschliessung der Quartiere Engerfeld und Kapuzinerberg.

Noch 2019 fuhren 350'000 Passagiere mit

Noch 2019 beförderte der 7312er-Bus auf beiden Seiten des Rheins etwa 350'000 Personen. Die Schweizer Passagiere sind leicht in der Überzahl. Jucker teilt mit: «Vor Corona benutzten auf Schweizer Seite etwas mehr als 500 Personen pro Tag den Citybus.» 2020 aber liess die Pandemie die Zahlen einbrechen, zeitweise auf nur noch gut 25 Prozent.

Rheinfeldens Stadtrat Walter Jucker zieht für die 13 Jahre Betrieb eine positive Bilanz. Er sagt:

«Für uns ist die Quartierbuslinie nicht mehr wegzudenken. Dank ihr verfügt Rheinfelden auf dem ganzen Gemeindegebiet über einen öffentlichen Verkehr mit mindestens Güteklasse D.»

Jucker versteht den Stadtbus als Mobilitätsversprechen an die ältere Generation, als Ergänzung zum Postauto und als Bindeglied zwischen den Bahnnetzen von Deutschland und der Schweiz.

Das Defizit übernimmt ab 2021 der Kanton

Bisher musste Rheinfelden für all das ins eigene Portemonnaie greifen, berappte jedes Jahr rund 100'000 Franken Zuschuss. Ab 2021 ist es für die Stadt gratis. Ab sofort übernimmt der Kanton die Rechnung für das, was der grenzüberschreitende Stadtbus auf Schweizer Seite an Defizit einfährt.