Rheinfelden
Hier stellen Confiseure Marzipan-Säuli her – während die Flut am Fenster vorbeirauscht

Der Rhein donnert derzeit mit unbändiger Kraft an der Rheinfelder Altstadt vorbei. Bei der Confiserie Graf, direkt am Fluss gelegen, läuft die Produktion derweil normal weiter – dank Panzerglasscheiben und viel Gelassenheit.

Nadine Böni
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Die Confiserie Graf in Rheinfelden liegt direkt am Rhein – dank Panzerglas müssen die Angestellten keine Angst vor einer Überflutung haben.

Die Confiserie Graf in Rheinfelden liegt direkt am Rhein – dank Panzerglas müssen die Angestellten keine Angst vor einer Überflutung haben.

Nadine Böni

Seit die Flut kam, sind sie eines der beliebtesten Fotomotive am Rheinfelder Rheinufer: die Fenster zu Backstube der Confiserie Graf an der Fröschweid. Oder besser: Was davon noch zu sehen ist. Knapp halbhoch stehen die Fenster derzeit nämlich unter Wasser – in der Backstube aber werden weiter Backwaren und Süsswaren hergestellt. Das ist auch von der Rheinbrücke aus gut zu sehen.

Chocolatier Richard Graf zuckt mit den Schultern, sagt dann mit einem Lächeln:

«Wer am Rhein wohnt und arbeitet, der arrangiert sich mit dem Fluss und seinen Launen.»

Backen mit der Flut: die spezielle Situation im Video.

Nadine Böni

Für die meisten der Angestellten sind die Fluten ausserhalb der Fenster kein neues Bild. Aber ist es nicht ein mulmiges Gefühl, zu arbeiten – während wenige Zentimeter entfernt und nur zu gut sichtbar die riesigen Wassermassen vorbeirauschen? «Wir sind sicher, dass die Fenster halten. Das beruhigt», sagt Graf.

Panzerglasscheiben schützen Produktion

Beim Bau des Hauses seien extra Panzerglasscheiben – ähnlich jenen in einer Bank – eingebaut und die Fensterrahmen verstärkt worden. Graf klopft gegen das Glas, sagt: «Da kann nichts passieren.»

Richard Graf.

Richard Graf.

Nadine Böni (5. März 2021)

Sorgen müsse er sich höchstens machen, wenn der Rheinpegel noch einmal deutlich steige oder grössere Stücke Schwemmholz im Wasser treiben würden. Aber:

«Derzeit scheint es so, als würde es vom Pegel her nicht problematisch werden.»

Und: Das meiste Schwemmholz bleibe in den Rechen der Kraftwerke hängen – oder treibe dank der Strömung eher nahe des «Inselis» vorbei und nicht direkt an den Fenstern der Confiserie.

Schon einmal komplett überschwemmt

So bleiben der Chocolatier und seine Angestellten vorerst gelassen, trotz böser Erinnerungen. Im Frühjahr 1999, während des schlimmsten Hochwassers der letzten Jahre, wurde die gesamte Produktion, die Abpackerei, das Lager und das ganze Untergeschoss der Confiserie überschwemmt und zerstört. Der Wiederaufbau dauerte Monate. Allerdings sagt Graf:

«Das Wasser kam damals nicht durch die Fenster, sondern von der Gasse her.»

Der Rheinpegel stieg im Mai 1999 auf 6,8 Meter, der erste Brückenbogen der alten Rheinbrücke stand damit vollständig unter Wasser. Der untere Teil der Marktgasse wurde überschwemmt, auch das Restaurant Schiff geflutet.

Einsatzkräfte sind zuversichtlich

Aktuell gehen die Einsatzkräfte davon aus, dass es bei diesem Hochwasser nicht soweit kommt. Am Brückenkopf wurden mobile Schutzelemente aufgebaut. Feuerwehrkommandant Marc Leber sagt:

«Wir behalten die Situation im Auge, sind derzeit aber vorsichtig optimistisch.»

Hinter den überfluteten Fenstern stellen Grafs Angestellte derweil unter anderem kleine Glücksschweinchen und -käfer aus Marzipan her. Ein Zufall, aber Graf sagt mit einem Lachen: «Glück können wir in diesen Stunden trotz aller Vorkehrungen gebrauchen. Das passt also ganz gut.»