Rheinfelden
«Hey, Du»: Beim Gesundheitszentrum Fricktal duzen sich alle 1000 Mitarbeitenden nun

Das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) führt die Du-Kultur ein: Alle Mitarbeitenden duzen sich über alle Hierarchiestufen hinweg ab sofort. Das vereinfache die Kommunikation und nütze auch den Patientinnen und Patienten, ist man beim GZF überzeugt. Nicht geduzt werden die Patienten – um eine professionelle Distanz zu wahren.

Thomas Wehrli
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Beim Gesundheitszentrum sagen sich seit Anfang Jahr alle Du.

Beim Gesundheitszentrum sagen sich seit Anfang Jahr alle Du.

Bild: Zvg

«Hey, Du»: Das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) ist auf das Du gekommen. Seit Anfang Jahr duzen sich alle Mitarbeitenden – über alle Hierarchiestufen hinweg. CEO Anneliese Seiler ist überzeugt:

«Das Du vereinfacht die Kommunikation und baut Brücken auch über Teamstrukturen und Fachbereiche hinweg. Die damit verbundene Nähe untereinander hilft der Zusammenarbeit ungemein.»

Von der offenen Kommunikation werden auch die Patientinnen und Patienten profitieren, ist man beim GZF überzeugt. Denn: «Das Miteinander und die Atmosphäre in einer Klinik sind ein relevanter Erfolgsfaktor, wenn es darum geht, auch bei hohem Leistungsdruck eine gute Qualität in der Patientenbehandlung zu erreichen», weiss Urs Genewein, Chefarzt für Traumatologie und Handchirurgie. Er ist überzeugt:

Anneliese Seiler, CEO des Gesundheitszentrums Fricktal.

Anneliese Seiler, CEO des Gesundheitszentrums Fricktal.

Bild: Zvg
«Das Du hilft uns, Hierarchien zu überwinden, sich nebeneinander zu stellen und sachlich Probleme oder Aufgaben anzugehen.»

Am GZF sind aber nicht nur die rund 1000 Mitarbeitenden aufs Du eingestellt, sondern auch die Mitarbeitenden von Drittfirmen, die längerfristig am GZF arbeiten. Die Patientinnen und Patienten dagegen werden weiterhin mit Sie angesprochen. Dies, um ihre Privatsphäre zu wahren und eine professionelle Distanz zu wahren.

Die nun eingeführte Du-Kultur ist letztlich ein logischer Schritt auf einem Kurs, den die Gesundheitsinstitution schon länger eingeschlagen hat. Das enge, bereichs- und funktionsübergreifende Arbeiten gehöre am GZF seit geraumer Zeit zur Tagesordnung, schreibt das GZF in einer Mitteilung. Und: «Diese Art der Zusammenarbeit hat sich gerade während der Pandemie sehr bewährt und hat die Geschäftsleitung in der Annahme bestärkt, dass die Mitarbeitenden für eine Du-Kultur offen und bereit sind.»

Entscheid wird von den Mitarbeitenden mitgetragen

Den Entscheid hat dabei nicht die Geschäftsleitung alleine gefällt, sondern hat ihn, wie sich das im Du-Kontext auch gehört, breit abgestützt. Und das ging so: Jeder Mitarbeitende erhielt eine rote Kugel, die er während vier Wochen an den verschiedenen GZF-Standorten in eine Urne einwerfen konnte.

Und davon machten die Mitarbeitenden auch regen Gebrauch: Von den rund 1000 roten Kugeln landeten 782 in einer der aufgestellten Du- oder Sie-Säulen. Wobei die Du-Röhren deutlich besser gefüttert wurden: 616 Mitarbeitende sprachen sich für das Du aus, 166 für das Sie. Mit anderen Worten: 79 Prozent votierten für das «Hey, Du!» Anneliese Seiler freut das Ergebnis. Sie sagt:

«Die Du- oder Sie-Abstimmung war mir eine Herzensangelegenheit und ich freue mich sehr, dass der Entscheid fürs Du so eindeutig gefallen ist.»

Beim GZF ist man zuversichtlich, dass «dieses neue Miteinander viel positive Energien freisetzt und die Kultur der Zusammenarbeit nachhaltig verändern wird».

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