Negativer Volksentscheid
Rheinfelden bleibt trotzdem im Kanti-Rennen: Auch ohne Möhlin könnte die Mittelschule realisiert werden

Auch ohne Möhlin könnte die Mittelschule Fricktal beim Bahnhof Möhlin realisiert werden – die Stadt hat zudem noch eine zweite Option.

Thomas Wehrli
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Als Mittelschul-Standort kommt der Teil des Areals beim Bahnhof Möhlin in Frage, der auf Rheinfelder Boden liegt (linke Bildhälfte).

Als Mittelschul-Standort kommt der Teil des Areals beim Bahnhof Möhlin in Frage, der auf Rheinfelder Boden liegt (linke Bildhälfte).

zvg

Die Möhliner wollen nichts von einer Testplanung auf dem Areal hinter dem Bahnhof wissen. Der entsprechende Kredit wurde am Sonntag in der Referendumsabstimmung mit 1574 zu 1312 Stimmen deutlicher als erwartet abgelehnt.

Mit dem Areal haben sich die beiden Gemeinden Möhlin und Rheinfelden auch als Standort für die Kantonsschule im Fricktal beworben, die im Sommer 2028 eröffnet werden soll.

Da stellt sich nun die Frage: Ist mit dem Nein zur Testplanung auch eine Mittelschule beim Bahnhof Möhlin Geschichte, und die beiden anderen Kandidaten, Frick und Stein, können sich die Hände reiben, weil sie einen ihrer Mitbewerber los sind?

Nein. Sowohl Rheinfelden wie auch der Kanton sagen, der Mittelschulzug sei für die Stadt noch nicht abgefahren. Für Möhlin hingegen wohl schon. «Wir befürchten, dass nach dem recht deutlichen Nein zur Testplanung eine Mittelschule auf Möhliner Boden Geschichte ist», sagt Gemeindeschreiber Marius Fricker.

Theoretisch ist es zwar noch möglich, dass Möhlin eine Mittelschule beim Bahnhof ohne Testplanung vorantreibt und dafür beim Souverän dann eine Umzonung beantragt. Fricker glaubt jedoch nicht daran.

Der Gemeinderat habe in der Referendumsbotschaft aufgrund der Bedenken bezüglich der Gesamtentwicklung in der Gemeinde beziehungsweise insbesondere im Gebiet Bahnhof Nord signalisiert, dass er sich im Anschluss an die Testplanung auch eine Einzonung vorstellen könnte, die sich nur auf den Bedarf der Mittelschule beschränkt, so Fricker. «Trotzdem wurde die Testplanung abgelehnt.» Die Gegnerschaft der Testplanung habe zudem vielfach vorgebracht, dass eine Mittelschule nicht in Möhlin, sondern in einer anderen Fricktaler Gemeinde platziert werden soll.

Auch beim Kanton fällt diese Variante durch. Nach dem zweimaligen negativen Volksentscheid sei ein Festhalten an diesem Standort kaum mehr angezeigt, sagt Simone Strub, Mediensprecherin im Departement Bildung, Kultur und Sport.

Theoretisch wäre zwar eine reduzierte Planung nur für die Mittelschule denkbar, «allerdings wäre ein solches Vorgehen für den Kanton mit erheblichen Planungsrisiken verbunden, die angesichts des engen Zeitplans, bis die Schule ­gebaut sein muss, kaum eingegangen werden können».

Strub sagt aber auch: «Der vorgeschlagene Standort wäre aufgrund der Abklärungen grundsätzlich gut geeignet gewesen als Standort einer neuen Mittelschule im Fricktal.»

Dies wird man in Rheinfelden gerne lesen, denn eine Option ist es, dass sich Rheinfelden – hier sagte der Souverän Ja zur Testplanung – alleine mit ihrem Teil des Areals hinter dem Bahnhof Möhlin als Mittelschulstandort bewirbt. Genügend gross wäre die Fläche.

Eine Mittelschule auf eigenem Boden ist denn auch für Rheinfelden noch lange nicht vom Tisch. «Wir werden nun gemeinsam mit der Gemeinde Möhlin analysieren, ob und allenfalls unter welchen Umständen eine Mittelschule auf dem Rheinfelder Teil des Testplanperimeters realisiert werden könnte», sagt Stadtschreiber Roger Erdin.

Ist das Engerfeld als Standort eine Alternative?

Gespräche werden auch mit dem Kanton geführt. Auch in Aarau lässt man die Türe für Rheinfelden offen. «Es muss nun geprüft werden, ob das Rheinfelder Teilareal aus betrieblicher und raumplanerischer Sicht als Standort geeignet ist», sagt Strub. Und was sagt Möhlin zur Idee? «Der Gemeinderat Möhlin unterstützt grundsätzlich die Kandidatur für einen Standort der Mittelschule im unteren Fricktal», so Fricker.

Rheinfelden hat zudem noch eine zweite Karte im Ärmel, die René Müller, alt Gemeindeammann von Möhlin, passgenau kurz vor der Abstimmung zog: Das Engerfeld, wo heute schon das Berufsbildungszentrum Fricktal untergebracht ist.

«Das Gebiet Engerfeld könnte eine Option sein», sagt Erdin dazu. Die Baulandreserven bei den heutigen Schulanlagen alleine würden allerdings nicht ausreichen, um die Platzbedürfnisse für Schul- und Sportanlagen der Mittelschule zu erfüllen. «Zu prüfen wäre daher allenfalls eine Verlagerung von Sportanlagen in das gegenüberliegende Gebiet Schiffacker.»

Der Kanton lehnt auch eine Variante «Engerfeld» nicht grundsätzlich ab. Der Standort Engerfeld sei bisher nicht im Fokus der Abklärungen gestanden, sagt Strub. «Ob er eine Option ist, ist im Gespräch mit Rheinfelden zu prüfen.»

Erdin ist nach wie vor überzeugt, dass Rheinfelden eine gute Wahl für die Mittelschule wäre. «Die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler, welche die künftige Fricktaler Mittelschule besuchen sollen, stammen aus Rheinfelden und den angrenzenden Gemeinden», so der Stadtschreiber. «Deshalb wäre es sinnvoll, diese fortführende Schule in Rheinfelden anzusiedeln.» Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. «Es sind nun Gespräche mit Möhlin und Rheinfelden notwendig», skizziert Strub den nächsten Schritt.

Ob Rheinfelden im Rennen bleibt und wie gut die Karten für Frick und Stein sind, wird sich im ersten Quartal 2021 zeigen. Dann will der Kanton die Anhörungsvorlage vorlegen. Sie wird ein erster Lackmustest für die drei Standorte sein.

Die nötigen Entscheide zu den Projektierungs- und Ausführungskrediten will die Regierung 2023 holen. Die Eröffnung der neuen Kanti ist auf das Schuljahr 2028/29 vorgesehen.