Rheinfelden
Die Johanniterkapelle wird für fast zwei Millionen Franken renoviert – und erhält ein Dach aus heimischem Holz

Fast zwei Millionen Franken kostet die Renovation des um 1450 erbauten Rheinfelder Kulturdenkmals. Für das neue Dachwerk hat sich die Stadt für Fichten- und Eichenholz aus dem Rheinfelder Revier entschieden. Jetzt fiel der erste von wohl fünf Stämmen, die es dafür braucht. Die Balken können die nächsten Monate austrocknen, um dann im Herbst, zu Beginn der Arbeiten, bereit zu sein.

Hans Christof Wagner
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Die Johanniterkapelle in Rheinfelden wird für rund 1,9 Millionen Franken saniert.

Die Johanniterkapelle in Rheinfelden wird für rund 1,9 Millionen Franken saniert.

Henri Leuzinger

Linus Grossenbacher, Auszubildender im Forstbetrieb Region Möhlin, hat alles richtig gemacht. Hat die richtigen Schnitte angesetzt und die Keile so in den Stamm getrieben, dass er in die gewünschte Richtung fällt. Und dann ist es auch schon so weit: Krachend stürzt die zwischen 80 und 100 Jahre alte Fichte zu Boden. Zuvor hatte sie noch stolz am Rottannenweg ihre Krone in den Himmel gereckt.

Vier weitere Bäume werden noch fallen

Bruno Staudacher, Revierförster von Rheinfelden, ist beim ersten Blick auf ihr Holz zufrieden. Jetzt wird die Motorsäge wohl noch an vier weiteren Fichten und Eichen in seinem Revier angesetzt werden. Denn so viel Holz braucht die Stadt, Bauherrin beim Projekt Johanniterkapelle, zur Sanierung des Dachwerks der Kapelle.

Fachmann am Werk: So fiel die Rheinfelder Fichte krachend zu Boden.

Hans Christof Wagner

Das bestehende, in den Jahren 1456 bis 1458 errichtete Dach ist teils marode und muss erneuert werden. Balken sind verfault, brüchig oder vom Holzwurm zerfressen.

Knapp zwei Millionen Franken wird die Gesamtrenovation der Kapelle kosten. Das dafür notwendige Geld haben die Rheinfelder Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bei der Gemeindeversammlung Anfang Dezember genehmigt. Jetzt, nach Ablauf der Referendumsfrist, geht es an die Detailplanung. Die ersten Ausschreibungen beginnen. Schon mit im Boot sind Ambrosius Widmer, Zimmermeister und geprüfter Restaurator im Holzbau, sowie Architekt Christian Lang aus Basel.

Das heimische Holz erhält den Vorzug

Widmer erklärt, warum heimischem Holz der Vorzug gegeben wird. Es sei schon ans örtliche Klima angepasst und eigne sich deshalb dafür besonders gut. Weiter fügt der Fachmann aus Sarnen (OW) an:

«Auch das im 15. Jahrhundert verwendete Bauholz kann nur aus dem Rheinfelder Wald oder benachbarten Revieren gestammt haben.»

Transporte aus weiter entfernt liegenden Wäldern seien dazumal unüblich gewesen. Für den Nadelbaum Fichte hätten sich die Verantwortlichen entschieden, weil es auch schon beim Bau der Kapelle verwendet worden sei. So passe sich das neue Holz optisch gut ans alte an. Denn grundsätzlich solle bei der Sanierung der Kapelle gelten: Was an Originalsubstanz noch gut und erhaltenswert ist, soll bleiben. Nur was marode und kaputt ist, soll ersetzt werden.

Zimmermeister Ambrosius Widmer kennt sich im Dachstuhl der Johanniterkapelle bestens aus.

Zimmermeister Ambrosius Widmer kennt sich im Dachstuhl der Johanniterkapelle bestens aus.

Hans Christof Wagner

Zunächst wird das für die Erneuerung des Dachwerks der Johanniterkapelle nötige Holz vollends geschlagen und aus dem Wald geholt. Danach von einem örtlichen Sägebetrieb in Balkenform gebracht, wird es die kommenden sechs Monate austrocknen können. Architekt Lang erklärt:

«Die Dachwerksarbeiten werden voraussichtlich im dritten Quartal 2022 beginnen. Erst dann wird es gebraucht.»

Wer die Balken dann fachmännisch einbaut, steht noch nicht fest. Die dafür nötige Ausschreibung erfolgt erst. Widmer sagt:

«Dafür braucht es Fachwissen für historische Baudenkmäler. Nicht jede Zimmerei kann das.»

Ist die Sanierung der Holzkonstruktion unter dem Kapellendach geglückt, wird es Anfang 2023 wohl an die Restauration der Wandmalereien in der Johanniterkapelle gehen. Es wird mit einer Bauzeit von insgesamt etwa einem Jahr gerechnet.

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