Rheinfelden
Als HD Läppli kennt Alfred Rasser bis heute jeder – doch wer war der Mensch hinter dem Schauspieler, der 14 Jahre im Fricktal lebte?

Die Figur des Theophil Läppli ist legendär und hat Alfred Rasser berühmt gemacht. 14 Jahre lebte er zusammen mit seiner Familie in Rheinfelden. Die neuen «Rheinfelder Neujahrsblätter» zeigen, wie er als Vater war, als Mensch, als Nationalrat – und wie er mit dem Boykott nach seiner China-Reise umging.

Thomas Wehrli
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Alfred Rasser als HD Läppli um 1959.

Alfred Rasser als HD Läppli um 1959.

Ullstein Bild Dtl.

Als HD Läppli kennt ihn bis heute jeder: Alfred Rasser. Was aber nur wenige wissen: Der legendäre Volksschauspieler lebte 14 Jahre lang in Rheinfelden. In einem sehr lesenswerten Beitrag zeigt Christoph Heid in den «Rheinfelder Neujahrsblätter 2022» auf, wer Rasser war, wie er dachte, was ihn verletzte. Er spürt dem Menschen hinter dem HD Läppli nach und skizziert ihn facettenreich.

Heid beschreibt Rasser als «bewundernswerten Menschen», weit mehr als der lustige Läppli, den alle kennen, als «einen Menschen, der für seine Überzeugung, was im Leben wichtig und richtig ist, eingestanden ist».

Rasser eckte damit auch an, besonders mit seiner China-Reise 1954. Nach deren Rückkehr wurde er in den Medien als Kommunist beschimpft, die Eltern verboten ihren Kindern, mit den Rasser-Kindern zu spielen. Seine Tochter Sabina Rasser erinnert sich im Beitrag:

«Das war schrecklich für meinen Vater. Dass man dies seinen Kindern antut, das war schlimm für ihn.»

Und natürlich auch, dass seine Auftritte von Veranstaltern und Besucherinnen und Besuchern boykottiert wurde. «Es gab Zeiten, da hatten wir fast nichts zu essen.» Die Familie lebte damals in Arlesheim.

Der Garten war seine Ruheoase

Acht Jahre später, 1962, zog sie nach Rheinfelden. Rasser feierte längst wieder Erfolge und in Rheinfelden wurde es als Ehre empfunden, dass sich Rasser in der Stadt niederliess. Dass es ihn ins Fricktal verschlug, war allerdings eher Zufall. Denn eigentlich wäre er gerne in Arlesheim geblieben, doch er konnte das Haus, in dem die Familie wohnte, nicht kaufen. Und so mietete er in Rheinfelden eine Jugendstilvilla an der Zürcherstrasse.

Alfred Rasser um 1970.

Alfred Rasser um 1970.

Ullstein Bild Dtl.

Rasser liebte seinen Garten. Hier konnte er sich entspannen und «Unmengen von Gemüse für eine ganze Kompanie» produzieren, wie sich Sabina Rasser zurückerinnert. Viel davon verschenkte er an Passantinnen und Passanten, die am Haus vorbeikamen. Und mit denen er gerne auch ins Gespräch kam. Als Vater war er sanft, geduldig und setzte sich stets für seine Kinder ein. Sabina Rasser sagt im Beitrag:

«Zu uns Kindern war er der Läppli. Selten, dass er mit uns geschimpft hat. Das musste dann eher meine Mutter übernehmen.»

Rasser blieb trotz Erfolg zeitlebens bescheiden. Das zeigen auch die Aussagen von Rheinfelderinnen und Rheinfeldern, die ihn kannten. Auffällig war dafür sein Auto: ein goldfarbener Opel Commodore GSE.

Rasser wirkte acht Jahre im Nationalrat

1967 stieg Rasser in die Politik ein und kandidierte für den Landesring der Unabhängigen für den Nationalrat. Er schaffte die Wahl auf Anhieb, was in einem Fricktaler Medium als «politischer Hokuspokus» abgestempelt wurde.

Alfred Rasser im Nationalrat 1969.

Alfred Rasser im Nationalrat 1969.

Ullstein Bild Dtl.

Acht Jahre wirkte Rasser im Nationalrat, trat da besonders für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Kultur ein. Im Rückblick sagt Sabina Rasser: «Er ist damit ein anderer Mensch geworden.» Er nahm das Amt ernst und ihn bedrückte auch, dass er sich oft kein Gehör in Bern verschaffen konnte.

Bei den Wahlen 1975 stellte ihn der Landesring nicht mehr auf. Rasser, damals 68, kandidierte auf der Liste «Team 67», verpasste aber die Wiederwahl. In einem Fernsehinterview sagte er nach seiner Abwahl, er werde die nächsten vier Jahre dennoch nach Bern fahren – als Inspiration fürs Kabarett.

Die vier Jahre blieben ihm nicht. Am 18. August 1977 starb Alfred Rasser. Eineinhalb Jahre zuvor hatte die Familie Rheinfelden verlassen und ein Haus in Basel bezogen, das Rasser gekauft, ausgehöhlt und mit vier Wohnungen versehen hatte. Für die Familie. Für seine «Rasserbande».

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