Rheinfelden
7 Fragen an die 8 Stadtratskandidaten: Seriestart mit Franco Mazzi und Claus Pfisterer

In einer vierteiligen Serie stellt die AZ die zwei Kandidatinnen und sechs Kandidaten für die Stadtratswahlen in Rheinfelden vom 13. Juni vor. Was haben sie bisher für Rheinfelden geleistet? Und wo sehen sie künftig die grössten Herausforderungen der Zähringerstadt? Im ersten Teil antworten Stadtammann Franco Mazzi (FDP) und der parteilose Kandidat Claus Pfisterer.

Thomas Wehrli
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Am 13. Juni entscheidet sich, wer künftig im Rheinfelder Rathaus regiert.

Am 13. Juni entscheidet sich, wer künftig im Rheinfelder Rathaus regiert.

Michael Mülli (16. Februar 2005)

Aus acht mach fünf: In Rheinfelden bewerben sich am 13. Juni sechs Männer und zwei Frauen um die fünf Stadtratssitze. Das verspricht Spannung.

Die grosse Frage wird sein: Schafft die SP, die in Rheinfelden von Haus aus Gewicht hat, ihre Rückkehr in den Stadtrat? Vor acht Jahren verlor sie den ersten von zwei Sitzen, vor vier Jahren auch den zweiten – und muss seither zuschauen, wie andere regieren.

Nur Hans Gloor tritt nicht mehr an

Den Rücktritt von Hans Gloor (parteilos) – die anderen vier Bisherigen treten nochmals an – wollen die Sozialdemokraten nutzen, um wieder mitregieren zu können ­– und sie treten dazu gleich mit einer Doppelkandidatur an. Neben Grossrätin Claudia Rohrer aspiriert Thomas Steiner auf einen Sitz.

Spannend macht die Wahl auch die wilde Kandidatur von Michael Derrer. Der Bezirksrichter war bis vor Kurzem Mitglied der GLP – wurde dann aber aus der Partei geworfen, da die GLP bereits mit Dominik Burkhardt im Stadtrat vertreten ist und diesen Alleingang nicht tolerieren wollte und konnte.

Ebenfalls in den Stadtrat will Claus Pfisterer. Der Parteilose ist in Rheinfelden gut vernetzt und engagiert sich vielfältig für die Stadt. Die AZ präsentiert in den nächsten Tagen die acht Kandidaten.

Den Anfang machen heute Stadtammann Franco Mazzi und Claus Pfisterer.

Was motiviert Sie, als Stadtrat (erneut) zu kandidieren?

Claus ­Pfisterer, 41. Der Parteilose arbeitet als Fotograf in Rheinfelden.

Claus ­Pfisterer, 41. Der Parteilose arbeitet als Fotograf in Rheinfelden.

zvg

Franco Mazzi: Es stehen wichtige Entwicklungsfragen zur Gestaltung der Zukunft von Rheinfelden an. Durch mein Wissen aufgrund der Tätigkeit als Stadtammann und Stadtrat Finanzen der letzten 16 Jahre glaube ich, dass ich auch für die nächste Wahlperiode wesentliche Aspekte in den neu zu wählenden Stadtrat einbringen kann. Da ist Konstanz und Erfahrung wichtig.

Claus Pfisterer: Ich fühle mich Rheinfelden seit 25 Jahren sehr verbunden und habe der Stadt mit all meinem Wirken mehr als eine Liebeserklärung gemacht. Die Zeit ist für mich reif. Ich möchte meine Erfahrung und Kompetenz in einer institutionalisierten Form einbringen. Die Neugier auf eine neue Herausforderung und die Überzeugung, für die Gemeinschaft zu wirken und damit etwas zu bewirken, motivieren mich, als Stadtrat zu kandidieren.

Welche zentralen Herausforderungen sehen Sie in den nächsten Jahren auf Rheinfelden zukommen?

Franco Mazzi, 62. Der FDP-Politiker sitzt seit 2003 im Stadtrat und ist seit 2006 Stadtammann. Bis Ende 2020 war Mazzi zudem Grossrat.

Franco Mazzi, 62. Der FDP-Politiker sitzt seit 2003 im Stadtrat und ist seit 2006 Stadtammann. Bis Ende 2020 war Mazzi zudem Grossrat.

Sandra Ardizzone (21. Dezember 2020)

Mazzi: Da ist die neu zu überarbeitende Bauzonenordnung, die Transformation des Bahnhofareals zur modernen Mobilitätsplattform, die Beibehaltung der ausgezeichneten medizinischen Versorgung und der Weiterausbau der Nutzung von erneuerbarer Energie zu nennen. In nächster Zeit ist der Entscheid bezüglich des Standortes der Fricktaler Mittelschule von grosser Bedeutung.

Pfisterer: Wir stehen vor grossen Herausforderungen. Das stetige Wachstum, aber auch neue Formen des Zusammenlebens und -arbeitens, Umwelt und Technologie fordern vernetztes Denken. Hier müssen wir etwas tun gegen die Isolation und für die Partizipation. Ich sehe grosse Chancen in der Digitalisierung, wie durch E-Government sowie im Ausbau des Glasfasernetzes und Public WLAN. Nur gemeinsam und vernetzt können wir die Problematik im Umgang mit unserer Umwelt angehen.

Was haben Sie für Rheinfelden erreicht respektive wie haben Sie sich bislang für Rheinfelden engagiert?

Mazzi: Die erreichte stabile und gute Finanzlage gibt uns Handlungsspielraum für kommende Investitionen. Es ist mit vereinten Kräften gelungen, eine qualitätsvolle Entwicklung zu erreichen. Schönes Symbol dafür ist der Wakker-Preis 2016. Wertvolles Bestehendes wurde aufgewertet und Neues in Bildung, Verwaltung, Soziales, Verkehr, Freizeit, Kultur und Sport erreicht. Als Energiestadt stehen wir kurz vor der Auszeichnung mit dem Goldlabel. Unsere Grünräume wurden im Jahr 2015 prämiert. Rheinfelden ist um etwa 2500 Einwohner und Einwohnerinnen und 1500 Arbeitsplätze gewachsen. Gemäss der Bevölkerungsbefragungen haben im 2006 99 Prozent der Bevölkerung gern oder sehr gern in Rheinfelden gelebt. Im 2018 war das wiederum der Fall, wobei der Anteil der sehr gern hier Lebenden von 72 Prozent im 2006 auf fast 80 Prozent zugenommen hat.

Pfisterer: Ich bin ein neugieriger Mensch. Es spornt mich grundsätzlich an, für die Gemeinschaft etwas zu tun, Initiative zu zeigen. So sind schon einige Projekte entstanden, die Menschen zusammengeführt haben. Ich denke da an das Studiokino, den Verein Fablab Makerspace Rheinfelden, Rheinfelden Live, die vielen kulturellen, aber auch politischen Veranstaltungen in meinem Atelier und nicht zuletzt mein Engagement in der städtischen Kulturkommission, im Gewerbeverein und bei den Detaillisten und im Tourismusverein.

Für welche Bereiche wollen Sie sich als Stadtrat hauptsächlich einsetzen?

Mazzi: Als Stadtammann für das gute Funktionieren von Stadt, Rat und Verwaltung, als Stadtrat Finanzen für eine weiterhin gute und stabile Finanzsituation der Stadt.

Pfisterer: Soweit ich informiert bin, bekommt man als Stadtrat ein Ressort zugeteilt. Es ist also eine gute Voraussetzung, als Generalist anzutreten. Es ist mir aber ein grosses Anliegen, für Innovation und Fortschritt einzustehen. Innovation entsteht hauptsächlich dort, wo Menschen Wissen teilen und selbstkritisch Meinungen und Ideen hinterfragen. Es ist also gewissermassen eine Haltung. Um diesen Austausch leben zu können, braucht es aber auch die notwendige Infrastruktur wie beispielsweise an geteilten Arbeitsplätzen (Co-Working).

Wie ist Rheinfelden derzeit aufgestellt?

Mazzi: In den allermeisten Bereichen und in Anbetracht unserer Grösse – wir sind immer noch eine Kleinstadt – sehr gut.

Pfisterer: Rheinfelden ist finanziell gut aufgestellt. Das finde ich gut und beachtlich. Die Verwaltung und ihre Kommissionen sind breit aufgestellt. Kurz und bündig: Es funktioniert. Mit grossem Interesse habe ich mir das erst kürzlich vorgestellte Räumliche Entwicklungskonzept angeschaut. In der Einleitung steht: «Es zeigt langfristige Perspektiven auf und sichert den Handlungsspielraum für die nächste Generation.» Ich nehme das wörtlich und möchte mich als Repräsentant meiner Generation der Aufgabe stellen.

Was macht die Stadt besonders?

Mazzi: Die Lage am Rhein, unsere schöne Altstadt mit ihrer reichen Geschichte und die Nähe zu den Nachbarkantonen Baselstadt und Baselland sowie zu den Landesgrenzen von Deutschland und Frankreich, die uns auch mentalitätsmässig mitprägt.

Pfisterer: Die älteste Zähringerstadt präsentiert sich gerne mit ihrer traditionsreichen Geschichte. Das wirkt majestätisch und ehrfürchtig und ist es auch. Das Besondere daran finde ich, dass wichtige und innovative Geschichten aus Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie kaum Platz finden auf der Beachtungs­skala. Sie stehen aber in Prominenz in nichts nach. Hier würde ich mich gerne einsetzen für ein modernes und für die Zukunft gewappnetes Rheinfelden.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Rheinfelden ist …

Mazzi: ... lebenswert und liebenswert.

Pfisterer: ... eine wunderschöne Kleinstadt. So schön und stark wie sie nach aussen hin strahlt, so zerbrechlich ist auch ihre Seele. Die Stadt entfaltet sich mit den Menschen, die sie bewohnen. Jeder Lebensentwurf und jede Lebensgeschichte sind eine Bereicherung für die Stadt. Möge die Stadt hier und jetzt und auch in Zukunft viele interessante Zeitgenossen in sich aufnehmen.

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