Frick

Restaurant Blumenau schliesst – Wirtepaar hört nach 36 Jahren auf

Deborah Cadisch, die Besitzer Katharina und Karl Wittwer sowie deren Tochter Barbara Burger (von links) sorgen noch bis Ende April für das leibliche Wohl der Gäste im Restaurant Blumenau in Frick.

Deborah Cadisch, die Besitzer Katharina und Karl Wittwer sowie deren Tochter Barbara Burger (von links) sorgen noch bis Ende April für das leibliche Wohl der Gäste im Restaurant Blumenau in Frick.

Karl und Katharina Wittwer stellen den Betrieb des Restaurants Blumenau an der Fricker Hauptstrasse per 1. Mai ein. Verpachten wollen sie vorerst nicht.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge hat das Wirtepaar Karl und Katharina Wittwer im Januar den Entschluss gefasst, den Betrieb des Restaurants Blumenau an der Fricker Hautstrasse per 1. Mai einzustellen. Seit über 36 Jahren bewirten die gelernte Köchin, 66, und der gelernte Käser, 70, ihre Gäste mit Leib und Seele. «Nie hätten wir uns vorstellen können, etwas anderes zu machen», sagt Katharina Wittwer. Doch jetzt sei Schluss – aus Altersgründen. «Schliesslich wollen wir noch etwas von unserer Rente haben», schiebt sie nach.

Wittwers sind im Emmental aufgewachsen und mussten schon als Kinder auf den Bauernhöfen ihrer Eltern mithelfen. Deswegen mache es ihnen auch im fortgeschrittenen Alter nichts aus, noch eine Präsenzzeit von etwa 14 Stunden im ­Restaurant zu haben. Morgens, ab 7 Uhr, gibt es Kaffee und Gipfeli, am Mittag werden die Menus gekocht, abends folgt das A-la-carte-Geschäft. «Meistens gehe ich am Nachmittag nach oben in die Wirtewohnung und schlafe zwei Stündchen, um für den Abendbetrieb fit zu sein», sagt Katharina Wittwer. «Der Karl schläft oft eine Stunde länger», schiebt sie mit einem Schmunzeln nach.

Eine feste Rollenaufteilung in der «Blumenau» gibt es nicht. «Ich bin dort, wo ich in gerade gebraucht werde», sagt Katharina Wittwer. Sei dies im Service, in der Küche oder beim Einkaufen. Das Gleiche gilt für ihren Mann Karl. Die beiden werden noch von ihrer Tochter sowie einer weiteren Service-Kraft unterstützt, die bereits eine neue Anstellung gefunden hat.

Treffpunkt für Chauffeure zum Kaffee

Früher, erzählt Katharina Wittwer, «haben wir noch eine längere Präsenzzeit in der ‹Blumenau› gehabt.» Aufgrund der Lage an der Hauptstrasse und der grosszügigen Parkierungsmöglichkeiten beim Restaurant hätten viele Chauffeure über Nacht ihren Lastwagen bei der «Blumenau» abgestellt. «Die ersten kamen um 6 Uhr in der Früh zum Kaffeetrinken, bevor sie aufgebrochen sind», sagt Katharina Wittwer. Hin und wieder sei es vorgekommen, dass der eine oder andere Chauffeur abends gerne einen über den Durst getrunken hat – obwohl er am nächsten Morgen wieder weiter musste. «Das ist heute unvorstellbar», so Katharina Wittwer.

Über die letzten 10 bis 15 Jahre kehrten jedoch deutlich weniger Chauffeure ein. «Viele trinken jetzt ihren Kaffee lieber schnell in einem Tankstellen-­Shop. Man merkt, dass die Chauffeure unter enormen Zeitdruck stehen», sagt Katharina Wittwer. In den 1980er- und 1990er-Jahren sei es öfters vorgekommen, dass sich die Fahrer auch mal zwei Stunden Zeit für den Kaffee genommen und ­dabei Zeitung gelesen haben.

Das Restaurant verpachten, wollen Wittwers vorerst nicht. «Wir wollen nicht aus der Wirte­wohnung ausziehen», sagt ­Katharina Wittwer. Weil die Wirtewohnung keine Küche hat, wird Katharina Wittwer auch noch nach der Schliessung des Restaurants in der Blumenau-­Küche stehen, um dort für sich und ihren Mann zu kochen.

Wehmut in den letzten Wochen vor dem Abschied spüren Karl und Katharina Wittwer nicht. Der Trouble des Tagesgeschäfts liesse ihnen dazu keine Zeit. Was Katharina Wittwer vermutlich am meisten fehlen wird, ist der Schwatz mit ihren Stammgästen und das Gefühl, dass sie und ihr Mann den Gästen mit ihrem Essen eine Freude bereiten.

Aargauer Gastro-News 2020

Autor

Dennis Kalt

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