10 Uhr, Familieninformationszentrum am Zähringerplatz. Für Béa Bieber, Stadträtin und Initiantin des Projekts, ist noch alles offen: Wie viele werden kommen? Ist es überhaupt ein Bedürfnis? Wer will der Wegwerfgesellschaft trotzen? Da treffen die ersten Reparateure ein: Siegfried Winkler, Hansruedi Oertlin und Siegfried Loch.

Gaby Dolabjian, Leiterin der Volkshochschule in Rheinfelden/Baden, wo das «Repair-Café» bereits seit zweieinhalb Jahren einmal pro Monat stattfindet, hat sie für die Premiere in der Schweizer Schwesterstadt ausgeliehen. Sie sollen die ersten Male aushelfen, bis es Béa Bieber gelungen ist, ein eigenes Team von Reparateuren auf die Beine zu stellen. Einen hat sie schon sicher und mit zwei weiteren ist sie im Gespräch, wie sie berichtet.

Winziger Stofffetzen war schuld

Auch Jean-Claude Wermeille kann man zum Schweizer Team zählen. Er sagt: «Handwerklich bin ich zwar unbegabt, aber ich wollte trotzdem mitmachen.» Jetzt schenkt der Pensionär aus Augarten den Reparateuren und ihren Kunden Kaffee aus und verteilt Guetzli. «Ich habe das in den Medien gelesen und mich gleich entschieden, mitzumachen. Ich finde das ein tolles Projekt, auch weil es grenzüberschreitend ist», berichtet er weiter.

Katharina Marchev las vom Vorhaben im Stadtmagazin «2xRheinfelden» und war auch gleich begeistert. Sie hat ihren CD-Spieler mit eingebautem Radio dabei, der nicht mehr läuft. Oertlin nimmt diesen unter die Lupe und binnen Minuten spielt das Gerät schon wieder Musik. Erleichtert und überglücklich nimmt die Rheinfelderin es erneut entgegen.

Oertlin fragt sie: «Sie nähen wohl viel, oder?» «Ja, warum?» Es hatte sich ein winziger Stofffetzen im Gerät verfangen und einen elektrischen Kontakt blockiert. Das war alles. Katharina Marchev kann nach dem Zahlen einer Spende das Familieninformationszentrum nach nur wenigen Minuten wieder verlassen: Operation gelungen, Patient wohlauf.

Von Anfang an dabei

Oertlin ist Kommunikationstechniker, Winkler Elektrotechniker. Und das befähigt beide, beim «Repair-Café» mitzuwirken und das in Badisch-Rheinfelden schon von Anfang an. Winkler: «Viele trauen sich bei elektrischen Geräten nicht so recht ran und das ist ja auch gut so.»

Nicht so Franz Merkofer aus Etzgen. Er hat seinen kombinierten Videoplayer/DVD-Spieler schon aufgeschraubt und darin eine Sicherung ausgetauscht. Doch genutzt hat es nichts. Deshalb ist er nach Rheinfelden gekommen – in der Hoffnung auf Hilfe und vielleicht auch Hilfe zur Selbsthilfe.

Denn diese, erklärt Gaby Dolabjian, soll ein «Repair-Café» auch vermitteln: Damit man den Apparat beim nächsten Defekt schon nicht mehr vorbeibringen muss, damit man diesen selbst beheben kann. Aber bis es soweit ist, werden wohl noch viele «Repair-Cafés» veranstaltet werden – das nächste in Rheinfelden/Schweiz am 6. Mai.