Fricktal
Rektor warnt vor Schulschliessung – trotz zurückgehender Schülerzahlen

Die Berufsschul-Landschaft im Aargau steht vor grossen Veränderungen. Hans Marthaler, Rektor des Berufsbildungszentrums Fricktal, spricht Klartext: Eine Schliessung seiner Schule wäre «ein grosser politischer Fehler».

Thomas Wehrli
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Hans Marthaler, Rektor des Berufsbildungszentrums Fricktal, sagt, eine Schliessung seiner Schule wäre ein grosser politischer Fehler.

Hans Marthaler, Rektor des Berufsbildungszentrums Fricktal, sagt, eine Schliessung seiner Schule wäre ein grosser politischer Fehler.

Im Frühling wird der Regierungsrat eine Reform präsentieren und diese dürfte es, so sind die Signale derzeit zu deuten, in sich haben. Sprich: Bei mehreren der 13 kantonalen Berufsfachschulen wird es massive Einschnitte geben, einige sind sogar akut gefährdet.

Das Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF) gehört zu den Schulen, die mit grossen Veränderungen rechnen müssen. Insbesondere das KV ist stark gefährdet, denn der Regierungsrat will nur 3 der aktuell 7 KV-Standorte weiterführen. Die Indizien sprechen derzeit dafür, dass die KV-Standorte Aarau, Baden und Wohlen weiterbestehen, die KV-Standorte in Brugg, Lenzburg, Rheinfelden und Zofingen dagegen tendenziell aufgehoben werden.

Die politische Grosswetterlage schimmert auch im Bericht des BZF über das Schuljahr 2017/2018 durch, der gestern publiziert wurde. Gegen Ende des letzten Schuljahres seien «einmal mehr dunkelgraue Wolken, begleitet von einem garstigen Südostwind», aufgezogen, schreibt BZF-Rektor Hans Marthaler. Abermals stehe die Struktur der beruflichen Grundbildung zur Diskussion, wobei Zentralisierungstendenzen nicht zu übersehen seien, hält Marthaler fest, «so als ob sämtliche Probleme in der beruflichen Grundbildung mit dem Vernachlässigen der regionalen Bedürfnisse zu lösen wären und Bildungsqualität nur in grossen Schulen sichergestellt werden könnte».

Planungssicherheit gefordert

Auch Marthaler sieht «Optimierungs- und Sparpotenzial», wie er schreibt. Man helfe bei der Lösungsfindung «gerne konstruktiv mit». «Doch die anhaltende Phase der Unsicherheit schränkt unseren Gestaltungsspielraum ein», sagt Marthaler. Diesen Spielraum brauche man unbedingt «für qualitativ hochstehende Bildung». Er hofft, dass «wir bald verlässlich in die Zukunft planen können und das BZF auf einer soliden Basis gestärkt weitergeführt werden kann».

Ob dies der Fall ist, wird sich in wenigen Wochen weisen – dann, wenn der Regierungsrat seine Reformvorlage präsentiert. Allerdings ist selbst dann, wenn der Regierungsrat das BZF – wie zu erwarten ist – stark verändern will, noch längst nicht alles verloren. Denn das letzte Wort wird der Grosse Rat haben. Den letzten (und zweiten) Versuch des Regierungsrates, die Berufsschullandschaft zu verändern, erklärte das Parlament 2016 als unbrauchbar – auch aus regionalpolitischen Gründen.

Das BZF kann beim Ringen um die Zukunft, das hat die Vergangenheit gezeigt, auf den Support der Fricktaler Grossräte zählen. Marthaler bedankt sich in seinem Jahresbericht denn auch «ausdrücklich bei all jenen, die sich für die zukünftige Existenz des BZF starkmachen».

Für den Rektor ist, wenig verwunderlich, klar: Es braucht das BZF. Das Fricktal sei eine der am stärksten wachsenden Regionen im Aargau und das BZF sei die einzige Schule im Fricktal mit Abschluss auf Sekundarstufe II. «Es wäre ein grosser politischer Fehler und ein völlig falsches Signal für die Wachstumsregion Fricktal, wenn das BZF geschlossen würde.»

Der Rückenwind aus dem Fricktal täte den Lehrpersonen und der Schulleitung gut, sagt Marthaler, und wünscht sich, dass «dieser Wind als Joran, der zuweilen auch stürmisch sein kann, bis nach Aarau reichen möge».

Jahresbericht

Weniger Schüler

Die Zahl der Lernenden am Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF) ist zurückgegangen: 2017 besuchten 710 Lernende das BZF – das sind 10 weniger als 2016. So wenige Schüler hatte das BZF in den letzten sieben Jahren nie. Der Höchststand seit 2011 war 2012 mit 781 Schülern erreicht. Die meisten Lernenden kommen aus den Bezirken Laufenburg (136) und Rheinfelden (122). Es folgen die Bezirke Baden (77), Zofingen (67) und Aarau (38). Dass die Schule auch ausserkantonal von Bedeutung ist, zeigt sich daran, dass jeder fünfte Berufsschüler aus einem anderen Kanton oder aus dem Ausland stammt.

Das KV, das allenfalls geschlossen werden könnte, ist dabei ein wichtiger Pfeiler der Schule: 17,6 Prozent der Berufsschüler am BZF absolvieren eine kaufmännische Lehre. Mehr Lernende weist nur der Bereich Montageelektrik mit 143 Schülern auf. Im letzten Jahr sind 238 Lernende zur Berufsabschlussprüfung angetreten. 205 oder 86 Prozent haben sie bestanden. (twe)