Tour de Suisse
Rein in die Aargauer Etappe – mit Zeitraffer, Quiz und Fricktaler Zusatzschlaufe

Die Tour de Suisse macht in diesem Jahr wieder im Fricktal Halt. Rheinfelden ist am 13. Juni Etappenort. Wir fahren die Zusatzschlaufe virtuell ab, geben Velo-Tipps und testen ihr Tour-Wissen.

Thomas Wehrli
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Tour de Suisse in Rheinfelden (Archiv)

Tour de Suisse in Rheinfelden (Archiv)

AZ

Ich wuchte mich auf meinem Bianchi den Sonnenberg hoch, werde am Streckenrand angefeuert, schliesse zur Spitzengruppe auf, täusche einen Antritt rechts vor, gehe links vorbei und werfe noch einen Blick nach rechts auf Fabian Cancellara. Cancellara? In diesem Moment wache ich auf – ausgeträumt.

Die Realität sieht weniger glorios aus. Ich sause zwar wirklich den Sonnenberg hoch – aber bequem in meinem Auto sitzend. Der Sonnenberg ist einer von zwei «Bergpreisen» auf der 27 Kilometer langen Zusatzschlaufe im Fricktal, welche die rund 150 Radprofis bei der 3. Etappe der Tour de Suisse von Grosswangen (LU) nach Rheinfelden zweimal fahren müssen; die Zähringerstadt ist zum fünften Mal Etappenort.

Prolog: Fricktaler Schlaufe im Zeitraffer

Die 27 Kilometer haben es durchaus in sich, das spüre ich, wie ich die Strecke abfahre und filme – und ich bin ganz froh um die vier statt der zwei Räder. Und vor allem um den Motor.

Station 1 Möhlin: Die Vorbereitung

Zwischenhalt am Sonnenberg. Oliver Senn, Generaldirektor der Tour de Suisse, kommt per Rennrad zum Interview. Er hat Ferien und geniesst sie auf dem Rad. «Der Aufstieg hängt schon noch an», meint er, steigt ab und lehnt sich an sein Rad.

Station 2: Etwas Geschichte zur Tour de Suisse

Station 3 Sonnenberg: Wie hoch ist der Puls des Tour-Direktors?

Oliver Senn lebt in Gansingen – einem der Radsport-Mekkas im Fricktal. Das Fricktal kennt er, radsporttechnisch, wie seine Westentasche – pardon: seine Trikottasche. Sein Favorit: das Wegenstettertal. «Natur pur und wenig Verkehr», bilanziert er.

Station 4 Giebenbach: Der Streckenplan

Der Streckenplan: die Zusatzschlaufe der 3. Tour-de-Suisse-Etappe durchs Fricktal.

Der Streckenplan: die Zusatzschlaufe der 3. Tour-de-Suisse-Etappe durchs Fricktal.

Marco Tancredi

Station 5 Augst: Rasttipps für Gemütlich-Velofahrer

Tipp 1: Stift Olsberg Das Stift Olsberg, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster. Das Kloster wurde 1236 gegründet und wird heute als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestuft.
3 Bilder
Tipp 2: Augusta Raurica Augusta Raurica, die Römersiedlung in Augst und Kaiseraugst. Die Siedlung wurde 44 v. Chr. Durch Cäsars Feldherrn Lucius Munatius Plancus gegründet.
Tipp 3: Strandbad Rheinfelden Das Strandbad in Rheinfelden bietet Erfrischung pur nach einer anstrengenden Velofahrt.

Tipp 1: Stift Olsberg Das Stift Olsberg, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster. Das Kloster wurde 1236 gegründet und wird heute als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestuft.

AZ

Station 6 Autobahnkreuz: Für ein paar Minuten bleibt der Verkehr stehen

Autobahnzoll Die Tour de Suisse fährt dreimal von Kaiseraugst (rechts) nach Rheinfelden. Dazu müssen die Autobahnein- und -ausfahrten kurzzeitig gesperrt werden. Betroffen ist auch die A98, die nach Deutschland führt (oben im Bild).

Autobahnzoll Die Tour de Suisse fährt dreimal von Kaiseraugst (rechts) nach Rheinfelden. Dazu müssen die Autobahnein- und -ausfahrten kurzzeitig gesperrt werden. Betroffen ist auch die A98, die nach Deutschland führt (oben im Bild).

Gerry Thönen

Sation 7 Rheinfelden: DerEtappenort ist für den Tour-Tross gewappnet

Station 8: Das grosse Tour-Quiz

Im Fricktal dreht sich auch ein Cancellara im Kreis

Die Tour-de-Suisse-Etappe durchs Fricktal ist eine dieser nicht ganz flachen Flachetappen, die am 13. Juni auf dem Programm steht. «Nicht ganz flach» heisst im Radjargon: Steigungen von insgesamt 1918 Metern. Höchster «Berg» ist der Hauenstein mit 690 Metern.
Herr Senn, darf man bei dieser 3. Etappe mit Fabian Cancellara rechnen?
«Ich kann mir vorstellen, dass er versucht, hier wegzufahren. Allerdings ist die Etappe an der oberen Grenze für die Sprinter.»

Auf einen (erfolgreichen) Versuch hofft man natürlich in Rheinfelden.

Ein Etappensieg eines Schweizers – das wäre die Krönung, findet Daniel Vulliamy. Eine Kaiserkrönung, wenn man so will, denn das Ziel befindet sich auf der Kaiserstrasse. Vulliamy sitzt im 14-köpfigen lokalen Organisationskomitee.

Das passt, den Vulliamy ist hauptberuflich Leiter Standortmarketing der Stadt und ihr Sportkoordinator – beides hat mit der Tour viel zu tun. Denn die Tour ist nicht nur einer der grössten Sportanlässe der Schweiz, sondern ein perfekter Werbeträger. «Das Fernsehen sendet zwei Stunden live aus Rheinfelden», sagt Vulliamy. «Die Bilder gehen weit über die Schweiz hinaus. Das ist für uns unbezahlbar.»

Die Stadt lässt sich diese «nachhaltige Werbung für die Stadt» auch etwas kosten. Laut Vulliamy gehen rund 80 000 Franken an die Tour-Direktion. Das gesamte Budget beläuft sich auf 150 000 Franken. Darin enthalten ist auch ein grosses Rahmenprogramm mit Musik, Festwirtschaft und weiteren Attraktionen.

Das ist ganz im Sinne der Tour-Verantwortlichen. «Es ist unser Ziel, die Tour noch mehr zu einem Unterhaltungsevent zu machen», sagt Oliver Senn. Auch deshalb sind Zusatzschlaufen, wie sie in Rheinfelden gefahren werden, en vogue. «Den Zuschauern können wir so fast zwei Stunden lang Spitzensport und Unterhaltung bieten», so Senn. Diese Mischung zieht, ist sich Vulliamy sicher. «Wir wollen viele Leute aus der Region und aus dem benachbarten Ausland nach Rheinfelden holen», erklärt Vulliamy, «und ihnen ein unvergessliches Erlebnis bieten.»

Region bekannt gemacht

Dies tut Rheinfelden bereits zum fünften Mal; das Zähringerstädtchen war schon 1953, 1958, 2000 und 2004 Etappenort. Letztmals hielt die Tour 2012 im Fricktal: in Gansingen. Noch heute denkt Gemeindeammann Mario Hüsler, der dannzumal auch Co-Präsident des lokalen Organisationskomitees war, gerne an den Tour-Halt zurück. «Die Region war im Fernsehen und den Medien stark präsent», sagt er. Auch dank den beiden Zusatzschlaufen. Die Live-Übertragung habe den Bekanntheitsgrad der ganzen Region merklich erhöht. Das Geld – die Gemeinde kostete der Tour-Halt unter dem Strich rund 10 000 Franken – sei gut investiert gewesen.

Manch einer sagte damals hinter vorgehaltener Hand: Das kleine Gansingen übernimmt sich. Das Gegenteil war der Fall; der Event funktionierte perfekt. «Nur das Wetter spielte nicht so mit, wie wir das wollten», scherzt Hüsler. Er ist überzeugt: «Wenn man es richtig aufgleist, funktioniert es auch in kleineren Gemeinden, Etappenort zu sein.»

Aufgelgeist ist in Rheinfelden alles. «Technisch sind wir bereit und könnten morgen loslegen», sagt Vulliamy. Noch ist dieses Morgen knapp zwei Monate entfernt: Am 13. Juni kommt der Tross an, am 14. Juni gibt Stadtammann Franco Mazzi in der Marktgasse den Startschuss zur 4. Etappe.

Während dann für die Rheinfelder das Tour-de-Suisse-Abenteuer zu Ende ist, geht es für die Fahrer erst richtig los. 840 Kilometer und mehrere happige Pässe liegen vor ihnen. Immer auf ihren Fersen (allerdings mit vier Rädern): Tourdirektor Oliver Senn. «Für mich ist der schönste Moment einer Tour, wenn die Fahrer über den Zielstrich der letzten Etappe fahren und ich weiss: Die Tour verlief unfallfrei und erfolgreich.»

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