Wölflinswil

Regionales Bio-Gemüse im Abo: Die Genossenschaft Gartenberg liefert wöchentlich vier Kilo

Solidarische Landwirtschaft: das Gründerteam mit Hoffamilie Fabio und Irene Tanner (l.).

Solidarische Landwirtschaft: das Gründerteam mit Hoffamilie Fabio und Irene Tanner (l.).

Am Samstag startet die zehnköpfige Genossenschaft Gartenberg ihr seit einem Jahr erarbeitetes Projekt. Wer bei der Genossenschaft ein Abo löst, bekommt jede Woche vier Kilo Bio-Gemüse zugeliefert.

Für einmal kommt der Garten zum Berg: Hoch über Wölflinswil wird am Samstag die Genossenschaft Gartenberg gegründet. Hier, auf dem Altenberg bei Familie Tanner, werden die Genossenschafter aus dem oberen Fricktal und dem Raum Aarau ab kommendem Frühling auf einer Fläche von rund einer Hektare – das sind knapp 1,5 Fussballfelder – ihr eigenes Gemüse ziehen und im Abo wöchentlich beziehen.

Das Projekt, an dem das zehnköpfige Gründungsteam seit einem Jahr arbeitet, bringt damit nicht nur den Konsumenten mit dem Produzenten zusammen, wie es andere Projekte tun, sondern macht den Konsumenten zum Mitproduzenten.

Entstanden sei die Idee zum einen aus einer Unzufriedenheit heraus, wie die Landwirtschaft heute produzieren müsse, erzählt Mitgründerin Katja Sattler und nennt als Beispiel die Vorgaben der Grossverteiler, wie ein Rüebli auszusehen hat. Alles, was nicht dieser Norm entspricht, wird nicht abgenommen – auch wenn es qualitativ einwandfrei ist. «Bei uns wird es kein Food Waste geben», verspricht Sattler. Verteilt und verwertet werde, was nicht faul sei.

Urban Gardening 2.0

Die zweite Triebkraft für das Projekt ist der Wunsch von immer mehr Konsumenten, zu wissen, woher die Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden. Nachhaltigkeit und Bio sind gefragt. «Gerade der Urban-Gardening-Trend zeigt zudem das Bedürfnis, selber zum Produzenten zu werden.»

Der Gartenberg ist, wenn man so will, Urban Gardening 2.0. «Wir wollen, dass Landwirtschaft wieder gemeinsam betrieben wird», sagt Sattler. Und das Konzept findet Zulauf: Noch vor der Gründung haben bereits 50 Personen zugesagt, Teil des Projektes zu werden und ein Gemüse-Abo zu zeichnen. «Mittelfristig wollen wir 100 bis 120 Abonnenten haben», so Sattler. Bei Bedarf kann die Genossenschaft weiteres Land pachten.

Das Gemüseabo kostet 1'400 Franken pro Jahr

Ein Gemüse-Abo kostet im Jahr 1400 Franken. Dafür gibt es das ganze Jahr hindurch frisches Gemüse. Dieses wird wöchentlich an die Depots geliefert, im Winter alle zwei Wochen. Ein Abo ist für zwei bis vier Personen gerechnet und wirft im Schnitt vier Kilogramm Gemüse pro Woche ab. «Es sind auch halbe Abos möglich», so Sattler. Dieses kostet dann 900 Franken.

Gleichzeitig werden die Abonnenten Genossenschafter und zeichnen einmalig einen Anteilsschein von 750 Franken. Dieses Geld gibt es bei einem Austritt wieder zurück. Die Anteilsscheine sind das Eigenkapital der Genossenschaft, das diese für die Finanzierung der notwendigen Investitionen nutzen will. Sattler rechnet mit rund 90000 Franken für Schutztunnel, Kühlraum, Bewässerungsanlage etc. Um die Finanzierung zu stemmen, werden zum einen weitere Genossenschafter gesucht, zum anderen Stiftungen um eine Starthilfe angefragt. «Wir haben schon mehrere Zusagen», freut sich Sattler und fügt hinzu: «Auch Gönner sind willkommen.»

Bewirtschaftet wird das Land einerseits von zwei Gemüsegärtnern, die sich eine 100-­­­Pro­zent- ­Stelle teilen werden. Andererseits packen auch die Abonnenten mit an. «Pro Jahr und Abonnent werden Arbeitseinsätze von rund acht halben Tagen geleistet», sagt Sattler. Beim halben Abo ist es die Hälfte. Insgesamt rechnet das Gründerteam mit jährlichen Lohn- und Betriebskosten von 110000 Franken. Die Aufwendungen werden durch die Abos sowie Spender- und Gönnerbeiträge gedeckt.

Ein deutliches Signal setzen

Das Moment des gemeinsamen Arbeitens ist den Gründern wichtig. «Zentral für das Gelingen ist, dass die Genossenschafter sich mit dem Projekt identifizieren, sich als Teil der Gartengemeinschaft erleben», heisst es dazu im Projektbeschrieb.

Den Sitz wird die Genossenschaft in Aarau haben. Dies zum einen, weil sich ein Gründungsmitglied bereit erklärt hat, dies zu übernehmen. «Zum anderen wollen wir auch ein Signal setzen, dass der Gartenberg nicht nur auf das obere Fricktal ausgerichtet ist, sondern auch auf den Raum Aarau.» Denn Ziel des Projektes sei auch, den Austausch zwischen Stadt und Land zu fördern. Und so kommt der Garten über den Berg zum Berg.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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