Wahlen
Region Laufenburg: Gemeinsam zurück zum zweiten Sitz?

Die Region Laufenburg stellt ab 2017 nur noch einen Grossrat. Damit lässt sich leben – vorerst

Thomas Wehrli
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Die Region Laufenburg hält ab 2017 noch einen Grossratssitz; die Stadt Laufenburg seit dem Rücktritt von Rudolf Lüscher 2011 keinen mehr. Gerry Thönen

Die Region Laufenburg hält ab 2017 noch einen Grossratssitz; die Stadt Laufenburg seit dem Rücktritt von Rudolf Lüscher 2011 keinen mehr. Gerry Thönen

Gerry Thönen

Das gab es in den letzten Jahrzehnten nie: Die Region «ennet» dem Kaistenberg hält ab 2017 nur noch einen der sieben Grossratssitze im Bezirk Laufenburg. CVP-Mann Martin Steinacher aus Gansingen schaffte die Wiederwahl am Sonntag souverän; Peter Weber (FDP) dagegen, der aussichtsreichste Kandidat aus dem Raum Kaisten-Laufenburg-Mettauertal, musste seinem Partei- und Ammannkollegen Daniel Suter den Vortritt lassen. Der FDP-Sitz von Adrian Ackermann ging damit von Kaisten über den Berg nach Frick.

Da stellt sich die Frage: Ist es für die Region rund um Laufenburg, die es wirtschaftlich und strukturell ohnehin schon schwerer hat als die «Boomregion» rund um Frick, ein zusätzlicher Nachteil, wenn sie an Einfluss im Grossen Rat verliert? Die az hat sechs (ehemalige) Grossräte und Gemeindepolitiker aus der Region befragt. Ihr Tenor: Ein Grossrat mehr aus der Region wäre wünschenswert.

Mario Hüsler, Ammann von Gansingen «Ich traue jedem zu, dass er sich für das ganze Fricktal einsetzt.»

Mario Hüsler, Ammann von Gansingen «Ich traue jedem zu, dass er sich für das ganze Fricktal einsetzt.»

AZ

Einen Nachteil sieht Mario Hüsler, Gemeindeammann von Gansingen und ehemaliger Grossrat, allerdings in der solitären Vertretung nicht. «Ich traue jedem Grossrat zu, dass er sich für das ganze Fricktal einsetzt.» Dieter Deiss, der von 1977 bis 1995 für die FDP im Grossrat sass, formuliert es noch etwas pointierter: «Die Seite ‹ennet› dem Kaistenberg wurde klar gestärkt. Ich vertraue darauf, dass die Gewählten ihre Verantwortung für die Region wahrnehmen.»

Davon geht auch der abtretende Adrian Ackermann aus. Für ihn ist das Wahlergebnis ein Spiegel der Bevölkerungsrealität: Die Region um Frick boomt stark. Ulrich Jehle, alt Grossrat und Unternehmer aus Etzgen, hält es zwar ebenfalls für richtig, dass die Zentrumsgemeinde Frick nun wieder im Grossrat vertreten ist, hält es aber gleichzeitig «auch für ein Armutszeugnis», dass die Region um Laufenburg keinen zweiten Grossrat hervorgebracht hat.

Dieter Deiss, Laufenburg «Als Grossrat hat man einen besseren Zugang zur Verwaltung.»

Dieter Deiss, Laufenburg «Als Grossrat hat man einen besseren Zugang zur Verwaltung.»

Marc Fischer

Adrian Ackermann sieht vorab einen «psychologischen Nachteil» in der Einer-Vertretung. «Der Berg ist dazwischen.» Ackermann glaubt indes nicht, dass die Anliegen der Gemeinden auf der Nordseite des Kaistenbergs nun nicht mehr gehört werden. Dennoch: «Es wäre gut, wenn die Region in vier Jahren wieder eine Doppelvertretung hätte.»

Türöffner für Anliegen

Diese Hoffnung teilt Rudolf Lüscher, ehemaliger CVP-Grossrat und langjähriger Stadtammann von Laufenburg. Auch er hält es «nicht für matchentscheidend», dass die Region nun nur noch einen Grossrat stellt. «Wir sind ein kleiner Bezirk. Man kennt sich gegenseitig und kann seine Themen platzieren», ist er überzeugt. Lüscher weiss aber auch: Ein direkter Draht nach Aarau bringt einen Wissensvorsprung und verkürzt die Wege. So manches Mal hat er mit dem Baudirektor oder dem Innendirektor zwischen Tür und Angel ein Anliegen seiner Stadt besprochen. «Das ist Gold wert», sagt Lüscher. Gerade die Kombination Grossrat und Stadtammann hält er für ideal.

Peter Weber, Gemeindeammann von Mettauertal «Parteien sollten parteiübergreifend Kandidaten aufbauen.»

Peter Weber, Gemeindeammann von Mettauertal «Parteien sollten parteiübergreifend Kandidaten aufbauen.»

Marianne Doornenbal

Diese Türöffnerfunktion sehen auch andere ehemalige Mandatsträger. «Als Grossrat hat man einen besseren Zugang zur Regierung und zur Verwaltung», sagt Dieter Deiss. Projekte, die für die Region wichtig sind, könne man so vorantreiben. «Zudem erfährt man schneller, was auf die Region zukommt, und kann frühzeitig reagieren.»

In einem Punkt sind sich die Befragten einig: Eine Nuller-Vertretung darf es nicht geben. «Eine minimale Ausgewogenheit braucht es», sagt Lüscher. Peter Weber, der hofft, dass mittelfristig wieder zwei Vertreter aus der Region nach Aarau fahren, sieht ein numerisches Problem auf die Region zukommen: Die Bevölkerung rund um Frick wächst schneller als in der Region Laufenburg.

Damit werde es für Kandidaten «ennet» dem Berg in Zukunft eher noch schwieriger, gewählt zu werden. Sein Vorschlag: Die Parteien sollten künftig parteiübergreifend zwei bis drei Kandidaten aufbauen und diese dann als «unser Team aus der Region Laufenburg» bewerben. Lüscher ist skeptisch, dass dies machbar ist. «Politisch ist ein solcher Vorschlag kaum umsetzbar.» On verra. In vier Jahren.