«Trotz des Alters von 700 Jahren wäre es nicht ehrlich, wenn ich sagen würde, dass die ganze Schweiz weiss, wo Schwaderloch liegt»: Urs Hofmann, Regierungsrat des Kantons Aargau, stellte dies am Anfang seiner Ansprache am Festakt unter Berufung auf eine persönliche Umfrage klar. Seine Begründung: «Schwaderloch ist nie brisant in Erscheinung getreten, eher diskret», so Hofmann, der in Begleitung von Staatsweibel André Belloli als Ehrengast zu Besuch gekommen war.

Hofmann warf einen Blick zurück: In der kantonalen Landeskunde sei erwähnt, dass im Jahr 1844 Schwaderloch 38 Häuser hatte, davon 30 mit Strohdächern – «Ziegeldächer waren wohl zu teuer». Hofmann sah darin den Hinweis, «dass die Bevölkerung untendurch musste». Erst mit dem Ausbau der Rheintalstrasse im selben Jahrzehnt hätten sich die Rahmenbedingungen des Handwerks und der Heimarbeiter verbessert. «Das hat zu einem Aufschwung geführt», erinnerte Hofmann. Dieser Aufschwung hielt ab 1872 durch den Umbau eines Eisen- und Hüttenwerks im deutschen Albbruck auf der gegenüberliegenden Rheinseite in eine Papierfabrik an. «Viele Schwaderlocher sind dort zur Arbeit gegangen, das hat die wirtschaftliche Situation verbessert», sagte Hofmann. Die Folge: Schwaderloch war eine der wenigen Gemeinden in der Region, die zwischen 1850 und 1900 einen Bevölkerungszuwachs verzeichnete.

Gemeinde ist gut aufgestellt

Heute sei die Gemeinde gut aufgestellt und von einem aktiven kulturellen Leben beseelt. Hofmann wünschte der Schwaderlocher Bevölkerung «eine fruchtbringende lebendige Zukunft». Als Geschenk überreichte er Gemeindeammann Rolf Häusler eine edle Kantons-Wappenscheibe. Der zweite Redner war Jörg Meier, Autor der Meiereien in der az Aargauer Zeitung. Meier beschreibt seit rund zehn Jahren als «ehrenamtlicher Schwaderloch-Beobachter», was im Dorf passiert. Er hielt fest: «Schwaderloch geniesst im ganzen Aargau viel Sympathie, steht aber als eigenständige Gemeinde vor einer ungewissen Zukunft.» Fakt sei, dass die umliegenden Gemeinden bisher kein grosses Interesse an einer Fusion mit Schwaderloch gezeigt hätten. Deshalb fragte er: «Wie geht es mit meinem Lieblingsdorf weiter?» Seine Antwort: «Seien Sie froh darüber, denn Schwaderloch hat Besseres verdient.» Schwaderloch brauche weder Leibstadt noch Mettauertal, sondern einen besonderen Partner. Der könne nur Albbruck heissen. Die Albbrucker wären begeistert, endlich zu Schwaderloch gehören zu dürfen, war Meier überzeugt. Schwaderloch hätte auf einen Schlag 8000 Einwohner und wäre die grösste Gemeinde im Bezirk Laufenburg. Nur die Sache mit dem Namen der neuen Ortschaft müsste man sich gut überlegen: «Schwaderalblochbruck oder Albschwaderbruckloch oder Alblochschwaderbruck oder Schwaderbruck-albloch?» Egal wie, der Vorteil wäre, dass man zur EU gehören würde, aber auch nicht, und die Schwaderlocher als Einkaufstouristen in der eigenen Gemeinde unterwegs sein könnten.

Spirit für das Dorfleben

Den Festabend hatte OK-Präsident Frank Schneider mit einer Ansprache eröffnet. An der Feier beteiligten sich die Musikgesellschaft Schwaderloch und die Schule, es gab eine Vorführung in Taekwondo, Einlagen des Theatervereins sowie eine 30-minütige Foto-Show von Franz Vögeli. Nette Geste: Vertreter der umliegenden Gemeinden überbrachten Geldspenden für den Kinderspielplatz. Gemeindeammann Rolf Häusler erhoffte sich von dem Fest «einen Spirit für das Dorfleben».