Gipf-Oberfrick
Regierungsrat gibt Veganerin Nancy Holten recht – ihre Werte sind kein Grund für ein Einbürgerungs-Nein

Nancy Holten ist eine streitbare Persönlichkeit: Kein Fleischkonsum, keine Zirkustiere, kein Kirchgeläut. Für die Einwohner von Gipf-Oberfrick ist sie so umstritten, dass sie ihre Einbürgerung abgelehnt hatten. Zu unrecht, sagt nun der Aargauer Regierungsrat.

Jürg Krebs
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Nancy Holten
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«Religionsfreiheit bedeutet auch, dass sich ein Glaubenssystem anderen nicht aufdrängt», so Holten.
Als Konter-Aktion gegen ihre Anti-Kuhglocken-Facebook-Seite wird eine Hass-Seite gegen sie gegründet.
März 2015: Nancy Holten will den roten Pass Ob ihre radikalen Forderungen dabei helfen? Immerhin muss sie für eine Einbürgerung vor der Gemeindeversammlung bestehen.
...und den Schweizer Pass. Im März 2015 meldete sich die Niederländerin an um sich einbürgern zu lassen.
Nancy Holten: Einbürgerung abgelehnt Mit diversen radikalen Verbots-Forderungen wurde sie bekannt und berüchtigt. Jetzt kommt die eindeutige Retourkutsche.

Nancy Holten

Zur Verfügung gestellt

Der Gemeinderat von Gipf-Oberfrick wollte Nancy Holten einbürgern - doch die Gemeindeversammlung lehnte dies am 27. November 2015 ab. Der Grund: Die gebürtige Holländerin Nancy Holten war den Einwohnern in vielen Belangen zu eigensinnig.

Gegen den ablehnenden Bescheid reichte Holten umgehend Beschwerde beim Aargauer Regierungsrat ein. Nun sieht dieser "alle Voraussetzungen für eine Einbürgerung als erfüllt an", wie er am Donnerstag mitteilt.

Auffallend: Der Regierungsrat hätte Nancy Holten direkt einbürgern können, doch dies hat er nicht getan. Dafür muss sich jetzt die Wohngemeinde von Holten bei nächster Gelegenheit erneut mit ihrem Einbürgerungsgesuch befassen, das sie im März 2015 eingereicht hatte.

Die Einwohner von Gipf-Oberfrick hatten sich im letzten Herbst gegen die Einbürgerung ausgesprochen, weil diese "eine krititsche Einstellung zum Fleischkonsum", zu "Nutz- und Zirkustierhaltung", aber auch zum "Kirchgeläut" hat, zählt der Regierungsrat auf. Für ihn sprechen aber diese Gründe nicht gegen eine Einbürgerung, denn sie sagten nichts über den Integrationsgrad von Holten aus, "sondern spiegeln vielmehr ihre persönliche Wertehaltung wider".

Der Regierungsrat: "Eine ungenügende Integration kann damit nicht begründet werden."

Nancy Holten freut sich über den Entscheid des Regierungsrats. Ihre Reaktion: "Tierschutz und Schweizer Pass, das beisst sich doch nicht.»