Unteres Fricktal

Recycling wirft Fragen auf: Wie sinnvoll ist die Kunststoff-Sammlung?

Pro Kopf und Jahr fallen rund 125 Kilogramm Kunststoff-Abfall an.

Pro Kopf und Jahr fallen rund 125 Kilogramm Kunststoff-Abfall an.

Der Abfallverband GAF bietet einen Sammelsack für Kunststoff an. Laut einer Studie haben solche Konzepte nur einen geringen Nutzen. Der GAF macht jedoch andere Erfahrungen.

Seit Herbst 2016 läuft das Pilotprojekt zur Kunststoffentsorgung des Gemeindeverbandes Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal (GAF). Einwohner können seither ihre Plastikabfälle in separaten Säcken sammeln, die alle zwei Wochen abgeholt werden (die az berichtete).

Eine Studie, die unter anderem vom Bundesamt für Umwelt und mehreren Kantonen in Auftrag gegeben wurde, veröffentlichte jüngst Ergebnisse, welche die Kunststoff-Sammlungen aus Haushalten infrage stellen: «Die gemischte Kunststoffsammlung bringt nur einen geringen zusätzlichen Umweltnutzen, da längst nicht alles rezykliert werden kann, was gemischt gesammelt wird», heisst es in der Studie. Und weiter: «Unter dem Strich hat die gemischte Sammlung von Kunststoffabfällen bei hohen Kosten lediglich einen geringen ökologischen Nutzen.»

Hohe Verwertungsquote

Haben diese Ergebnisse nun Auswirkungen auf das GAF-Pilotprojekt? «Nein», sagt GAF-Präsidentin Gisela Taufer und schiebt nach: «Unsere Erfahrungen decken sich nicht mit den Ergebnissen der Studie.»

In Sachen Ausschussmenge stehe man im Vergleich mit anderen Sammelprojekten gut da: «Mehr als 80 Prozent des gesammelten Kunststoffes kommen als sortenreines Material wieder in den Recycling-Prozess zurück», sagt Taufer. Daraus entstehen Kunststoffrohre und Kabelisolierungen, aber auch Alltagsgegenstände wie Kugelschreiber und Lineale.

Grund für diese hohe Verwertungsquote des GAF ist die Handsortierung der Kunststoffabfälle. «Bei einer maschinellen Sortierung beträgt die Verwertungsquote rund 50 Prozent», sagt Taufer. Weiter habe man auf den GAF-Sammelsäcken klar deklariert, welcher Kunststoff gesammelt wird.

Dennoch besteht die Gefahr, dass ab und an «schlechter Kunststoff» in den Sammelsäcken landet. «Für den Kunden ist es manchmal schwierig, weil nicht alle Verpackungen mit den entsprechenden Piktogrammen versehen sind», sagt Taufer.

Das PET-System nicht gefährden

Der Dachverband Swiss Recycling bemängelt, dass die unterschiedlichen Versuche von gemischten Sammlungen zu einer Gefährdung der gut etablierten Sammlung von PET-Getränkeflaschen führten. Taufer betont, dass die GAF-Sammelsäcke nicht zu einer Gefährdung beitragen: «Der Anteil an PET-Flaschen an der Sammelmenge beträgt etwa ein Prozent.»

Nach einer zehnmonatigen Laufzeit ist es für Taufer noch zu früh, eine Aussage zu machen, ob das Pilotprojekt Ende 2018 weitergeführt wird. Mit der Menge der gesammelten Kunststoffabfälle zeigt sie sich jedoch zufrieden: «Die Menge an gesammeltem Kunststoff nimmt ständig zu. Wir haben bis Ende Juli bereits über 50 Tonnen gesammelt.»

Autor

Dennis Kalt

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