Kaiseraugst

Rechtsstreit mit dem VCS: Coop muss Parkplätze streichen

Die Coop-Filiale in Kaiseraugst. (Archiv)

Die Coop-Filiale in Kaiseraugst. (Archiv)

Jahrelang tobte ein Rechtsstreit um den Coop-Megastore in Kaiseraugst. Nun gibt es eine Einigung – das Verfahren ist sistiert.

Es ist schon beinahe vier Jahre her, seit der Detailhändler Coop in Kaiseraugst den ersten Megastore im Fricktal eröffnete. Die Zahlen sind beeindruckend: 4000 Artikel auf einer 3800 Quadratmeter grossen Ladenfläche werden im «Kaiserhof» angeboten. 21 Millionen kostete der Umbau zum grössten Ladenformat, das der Detailhändler betreibt. Darob ging beinahe vergessen, dass der Megastore auch Gegenstand eines langwierigen Rechtsstreits ist.

Zur Erinnerung: Wenige Wochen vor der Eröffnung im August 2015 wurde bekannt, dass die Sektion Aargau des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) eine Beschwerde gegen das Umbauprojekt eingereicht hatte. Der Verband bemängelte darin, dass im Baugesuchsverfahren keine Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt worden war – und bekam vom Aargauer Regierungsrat recht. Coop legte gegen den Entscheid allerdings Beschwerde ein, der Fall landete vor dem Verwaltungsgericht.

Seither schwiegen sich die beiden Parteien über den aktuellen Stand des Verfahrens aus. Bis zu dieser Woche: Das Verfahren wurde vom Verwaltungsgericht sistiert, bestätigen sowohl Coop als auch VCS entsprechende Informationen der AZ. Hintergrund ist eine Einigung, welche die beiden Parteien erzielt hätten. «Zwischen Coop und VCS konnte eine Vereinbarung unterzeichnet werden», sagt etwa Coop-Sprecher Markus Eugster.

Kostenpflichtige Parkplätze

In der Vereinbarung sind mehrere Massnahmen enthalten, die der Detailhändler am Standort umsetzen muss. Dazu gehören unter anderem eine Reduktion der Anzahl Parkplätze um rund einen Viertel – von 474 auf 364 – und die Bewirtschaftung der Parkplätze ab der ersten Minute. Die Gebühren betragen demnach künftig 1.50 Franken in der ersten Stunde. Die zweite Stunde kostet ein Franken, die dritte Stunde noch 50 Rappen.

Es sind dies dieselben Gebühren, wie sie der VCS im vergangenen Jahr bereits beim Zentrum Liebrüti gleich nebenan erwirkt hat (die AZ berichtete). «Es geht dem VCS nicht darum, ‹Autofahrer abzuzocken›, sondern die Hemmschwelle für die Benutzung des Autos zu erhöhen», sagt Christian Keller, neuer Geschäftsführer der VCS-Sektion Aargau.

Gleichzeitig eingeführt

Die Begeisterung über die neuen Gebühren, das ist aus dem Statement des Coop-Sprechers herauszulesen, hält sich beim Detailhändler allerdings in Grenzen. Zu einem angenehmen und positiven Einkaufserlebnis gehöre auch, dass grössere Wocheneinkäufe – wie sie in einem Megastore wie jenem in Kaiseraugst getätigt würden – bequem mit dem Auto erledigt werden könnten, sagt Eugster. «Eine Parkgebühr ab der ersten Minute verkompliziert den Einkauf und führt aus unserer Erfahrung nicht zu einem Wechsel des Verkehrsmittels.»

Immerhin: Die Gebührenpflicht ab der ersten Minute wird im Coop Megastore und in der Liebrüti gleichzeitig eingeführt. «Die gleichzeitige Einführung der Parkplatzbewirtschaftung in der Gemeinde ist im Sinne der Fairness zwischen den Mitbewerbern wichtig», sagt Eugster. Wobei zum heutigen Zeitpunkt ohnehin noch offen ist, wann die Änderung in der Liebrüti in Kraft tritt. Die Gemeinde hat die Einführung der Gebührenpflicht ab der ersten Minute an die Umsetzung des «Domus»-Projekts gekoppelt – bei diesem wiederum wurde noch nicht einmal die Auflagefrist des Baugesuchs gestartet.

Danach werde die Gemeinde auch die Arbeit am Projekt Parkplatzbewirtschaftung starten, sagt Gemeindeschreiber Roger Rehmann. Ziel ist eine flächendeckende Einführung von Gebühren, etwa auch auf dem Violahof-Parkplatz oder im Löwen-Parking.

Hauslieferdienst mit dem Velo

Bereits früher umgesetzt wird wohl eine dritte vereinbarte Massnahme beim Coop: Der Detailhändler baut in Kaiseraugst einen Hauslieferdienst auf. Zum einen sollen diese Transporte per Velo erledigt werden, zum anderen – falls ein Transport per Velo aufgrund von Grösse und Gewicht des Einkaufs nicht möglich ist – mit einem Fahrzeug. «Der Velo-Hauslieferdienst und die Heimlieferung sollen spätestens Ende Jahr starten», sagt Markus Eugster. «Der Velo-Hauslieferdienst ist im Rahmen eines Sozialprojekts angedacht und steht auch weiteren Geschäften offen.»

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