Wegenstettertal

«Raiffeisen-Fusion braucht zwingende Gründe»

Die Fusion der Raiffeisenbanken Wegenstettertal und Möhlin wird nicht von allen befürwortet. (Symbolbild)

Die Fusion der Raiffeisenbanken Wegenstettertal und Möhlin wird nicht von allen befürwortet. (Symbolbild)

Der geplante Zusammenschluss der Raiffeisenbanken weckt Ängste.

Der Verwaltungsrat der Raiffeisenbank Wegenstettertal möchte mit der Raiffeisenbank Möhlin fusionieren. Bei der Basis sieht die Stimmungslage jedoch etwas anders aus: In einer Konsultativabstimmung an der Generalversammlung vom vergangenen Samstag unterstützten nur gerade 16 der 384 Anwesenden die Pläne des Verwaltungsrates (die az berichtete).

Heinz Kim, Gemeindeammann von Zuzgen, äusserte sich an der Generalversammlung ebenfalls. Er unterstützte den Antrag des Zuzger Schulpflegepräsidenten und Anwalts Jascha Schneider, eine Konsultativabstimmung durchzuführen. Zum Resultat sagte er gestern auf Anfrage: «Es ist eine Momentaufnahme. Viele Genossenschafter waren verärgert darüber, dass sie aus der Presse von den Plänen erfahren mussten, weil die Raiffeisenbank Möhlin schon eine Woche früher ihre Generalversammlung hatte.»

Zudem sei – trotz gegenteiligen Beteuerungen des Verwaltungsrates – die Befürchtung bei den Genossenschaftern spürbar gewesen, dass bei einer Fusion die Filialen in Zeiningen und Wegenstetten geschlossen werden könnten. Gerade Einwohner von Hellikon seien «vorbelastet», so Kim, hätten die Helliker doch nach dem Zusammenschluss zur Raiffeisenbank Wegenstettertal «ihre» Geschäftsstelle verloren.

Tatsächlich sagt Kathrin Hasler, Gemeindeammann von Hellikon, auf Anfrage: «Man ist bei Fusionen immer zuerst kritisch eingestellt, weil man Angst vor Schliessungen hat.» Und Sabin Nussbaum, Gemeindepräsidentin von Zeiningen, ergänzt: «Die Zeininger Bevölkerung will wenigstens die Bank behalten, nachdem kürzlich bereits bekannt wurde, dass die Poststelle geschlossen wird.»

Weniger Geld für Vereine?

Bereits heute keine Bankfiliale mehr im Ort haben die Einwohner von Hellikon und Zuzgen. «Für die Helliker wäre es deshalb wichtig, dass der Standort Wegenstetten erhalten bleibt», betont Kathrin Hasler. Heinz Kim erachtet für die Zuzger den Standort Zeiningen als wichtiger. «Wenn dieser erhalten bleibt, ändert sich für die Einwohner wenig», so Kim.

Er führt aber noch einen anderen Aspekt ins Feld. «Nach einer Fusion könnte sich die Sponsoringpolitik der Bank verändern. Davon könnten die Vereine im Wegenstettertal betroffen sein.» Die Blasmusikalische Nachwuchsförderung im Wegenstettertal etwa; ihr kommt der Erlös der Veranstaltung «Klangheimli» zu, die jedes Jahr im Raiffeisen-Kulturzelt stattfindet. Auch die Steuereinnahmen im Wegenstettertal wären bei Filialschliessungen gefährdet. Die Raiffeisenbank Wegenstettertal ist an den beiden Filialstandorten Zeiningen und Wegenstetten steuerpflichtig und zahlte laut ihrem Geschäftsbericht im Jahr 2015 total knapp 220 000 Franken Steuern.

«Fakten liefern»

Vorderhand wollen die Gemeinden aber nicht aktiv werden. «Es ist schwierig, heute eine Aussage zu machen. Zuerst muss man die Pläne genau kennen», sagt etwa Willy Schmid, Ammann von Wegenstetten. Ähnlich klingt es bei Heinz Kim. Und Sabin Nussbaum fügt an: «Wir haben im Gemeinderat noch nicht darüber diskutiert. Aus meiner Sicht müssen für eine Fusion aber zwingende Gründe vorhanden sein.»

Aufgabe des Verwaltungsrates sei es nun, die Fakten zu liefern und mögliche Alternativen aufzuzeigen, so Heinz Kim. Wenn er das mache und alles «sauber dokumentiert und klar darlegt», dann sei an der nächsten Versammlung auch ein anderes Resultat möglich. Oder wie es Sabin Nussbaum zusammenfasst: «Wenn der Verwaltungsrat eine Fusion gut begründet, kann er in der Bevölkerung wohl Verständnis wecken.»

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