Zuzgen
Raiffeisen: Dämpfer an der Generalversammlung für Fusion mit Möhlin

Rebellion bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Wegenstettertal: Die anwesenden Genossen wollen keine Fusion mit der Raiffeisenbank Möhlin.

Christof Wagner
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Der 96-jährige Georg Sacher lobte die Bankmitarbeiter in einem Gedicht.

Der 96-jährige Georg Sacher lobte die Bankmitarbeiter in einem Gedicht.

Eine von Rechtsanwalt und Zuzger Schulpflegepräsident Jascha Schneider beantragte Konsultativabstimmung brachte die Stimmung an den Tag: Von 384 anwesenden Gesellschaftern sagten lediglich 16 Ja zu einem Zusammenschluss. «Ich bin schockiert über die Fusionspläne mit Möhlin und über die unbedarfte Art, uns das hier zu verkaufen», hatte Schneider zuvor erklärt. Eine Bankfiliale vor Ort zu haben, sei für die älteren Leute, die kein Online-Banking machen wollten, ein Segen.
Hintergrund des von der Raiffeisen-Zentrale in St. Gallen angestrengten Konzentrationsprozesses sei allein Gewinnmaximierung. «Es geht um mehr Rendite und höhere Spitzenboni für die Manager, und da mache ich nicht mit», sagte Schneider unter grossem Applaus der Anwesenden. Zuzgens Gemeindeammann Heinz Kim unterstützte Schneiders Forderung nach einer Abstimmung: «Nur so können wir herausfinden, wie die Basis wirklich tickt.» Auf Nachfrage äusserte er sich überrascht über das eindeutige Ergebnis.

Die Fusion kommt dennoch

Freilich ist das Votum der Genossen für den Verwaltungsrat nicht bindend. Er wird seine Verhandlungen mit Möhlin deswegen nicht stoppen. Verwaltungsratspräsident Hansruedi Neuenschwander hatte in seinem Bericht zuvor von einem «Zusammenschluss auf Augenhöhe» gesprochen und beteuert, dass es bei einem Zusammengehen mit Möhlin weder zu Personalabbau noch zu Filialschliessungen kommen werde. «Raiffeisen wird auch in Zukunft die Bank in Ihrer Nähe sein», so Neuenschwander. Gleichwohl räumte er ein, dass bislang erst zwei Gespräche stattgefunden hätten, das Projekt also noch ganz am Anfang stünde. Dennoch sei es «unaufschiebbar» und möglichst schon für 2017 zu realisieren.

Neuenschwander versprach den anwesenden Anteilseignern, die Notwendigkeit zum Zusammenschluss transparenter zu machen und bei einer Orientierungsversammlung im Herbst der Öffentlichkeit zu erklären. Neuenschwander hatte zuvor lediglich die ständig steigenden Auflagen durch die Finanzaufsicht erwähnt, vor allem seit Raiffeisen im Jahr 2014 für die Schweiz systemrelevant wurde.
Ansonsten aber war der Tenor seines Berichts wie auch von dem von Bankleiter Marc Meier: Die Raiffeisenbank Wegenstettertal mag klein sein, steht aber wirtschaftlich gut da. Auch in einem schwierigen Umfeld sei es gelungen, den Jahresgewinn um 0,2 Prozent auf knapp 450 000 Franken zu steigern. So können sich die 2859 Genossen für 2015 über eine Dividende von 6 Prozent freuen.

Meier und Neuenschwander bekamen aber nicht nur Kritik zu hören. Vom 96-jährigen Georg Sacher aus Zuzgen, der sich in der Aussprache zu Wort meldete, gab es auch lobende Worte, insbesondere für die 15 Mitarbeiter der Raiffeisenbank Wegenstettertal – und das auch noch in Versform.