1995 wurde in den Gemäuern der «Alten Trotte» Wegenstetten die Fledermausart «Grosse Hufeisennase» erstmals gesichtet – Tiere, die vom Aussterben bedroht sind. In der Schweiz gibt es davon nur noch drei Populationen: in Graubünden, im Wallis und in Wegenstetten.

Diese nachtaktiven Säugetiere jagen mithilfe ihres bizarr geformten Megafons auf der Nase Falter, Insekten und Käfer. Maikäfer sind dabei für sie ein besonderer Leckerbissen. Die kleinen Leichtgewichte wiegen 30 Gramm, haben eine Spannweite von 40 cm, können bis zu 30 Jahre alt werden und sind vor allem über blumenreichen Wiesen und Weiden auf Nahrungssuche. An Hochstammbäumen verspeisen sie dann hängend ihre Beute. So tragen sie schadstofffrei und gratis zur Schädlingsbekämpfung bei.

Ziel der Projektgruppe - bestehend aus Pro Natura und Jurapark Aargau - in enger Zusammenarbeit mit dem Bund, dem Kanton, der Gemeinde und vielen weiteren Akteuren ist es, dieser kleinen Fledermauskolonie in der «Alten Trotte» optimale Bedingungen zum Fortbestand zu bieten, aber auch das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten. 2016 kaufte Pro Natura Aargau das alte Haus, im Winter 2017/18 begann die behutsame Sanierung des Dachstockes. Im Herbst geht die sanfte Renovation weiter. Dabei soll soviel wie möglich in ihrer Ursprünglichkeit erhalten bleiben. Im Südwestteil wird eine historische Ferienwohnung entstehen, in Kooperation mit der Stiftung "Ferien im Baudenkmal" wird sie dann vermietet.

Jungtiere kommen an Geburtsort zurück

Der Dachstock ist das absolut geschützte Domizil der weiblichen Hufeisennasen. Von April bis August beziehen sie dieses Quartier, bringen ihren Nachwuchs zur Welt und ziehen ihn auf. Im Winter bewohnen sie frostfreie Karsthöhlen oder kuschelige Felsspalten. Jungtiere kommen immer wieder an den Ort ihrer Geburt zurück. So besteht bei sorgsamen Umgang die Möglichkeit, dass sich die Population vermehrt. Allerdings überleben bis zu 80 Prozent der Jungtiere den ersten Winter nicht.

Kerstin Camenisch von der Stiftung "Ferien im Baudenkmal" führte die Gäste durch das alte, 1803 erbaute Haus, erklärte die derzeitige Bausubstanz, Wieder-oder Weiterverwendung, sprach über die zukünftige Ferienwohnung in der ersten Etage sowie die mögliche Ausstellung im Raum der ehemaligen Trotte im Erdgeschoss. Oberstes Ziel dabei ist die unbedingte Erhaltung des historischen Stils.

Die ersten Fledermäuse fliegen

Auf leisen Sohlen durften die Besucher mit Andres Beck auf den Dachstock steigen, der sonst nicht zugänglich ist für Publikum. Und da der Abend schon angebrochen war, flogen auch schon die ersten Hufeisennasen zur grossen Freude der staunenden Gäste.

Anja Trachsel, Projektleiterin Natur und Landschaft beim Jurapark Aargau, beschrieb am Wegenstetter Bach die Flugroute der Fledermäuse und hatte viele weitere, spannende Informationen parat. Zur Insektenjagd fliegen diese kleinen, nachtaktiven Jäger über Wasser und Wiesen etwa fünf Kilometer weit, manchmal ziehen sie jedoch auch ihre Runden bis Schupfart, Wittnau oder Zeiningen.