Laufenburg (D)
Prozess um Kindstötung: Angeklagter Vater hat Persönlichkeitsstörung und langes Vorstrafenregister

Der Oberstaatsanwalt fordert für den Vater aus Laufenburg, der sein zehn Wochen altes Kind getötet hat, eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren. Der Angeklagte ist wegen Körperverletzung bereits mehrfach vorbestraft.

Herbert Schnäbele
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Der Angeklagte und sein Verteidiger nehmen im Gerichtssaal Platz.

Der Angeklagte und sein Verteidiger nehmen im Gerichtssaal Platz.

«Dies ist die schwärzeste Viertelstunde in dem trostlosen und weggeworfenen Leben des Angeklagten, die sich zur Tatzeit ereignet hat», begann Oberstaatsanwalt Christian Lorenz gestern sein Plädoyer. Er beantragte wegen Totschlags eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren und gleichzeitig eine zweijährige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt zur Heilung der Drogenabhängigkeit des Angeklagten.

Wie geplant hat gestern die Schwurgerichtskammer beim Landgericht Waldshut den Prozess wegen der Tötung eines Säuglings mit der Zeugenvernehmung eines weiteren Polizeibeamten und der Anhörung des psychiatrischen Sachverständigen, Bernhard Deuringer, fortgesetzt. Dieser bestätigte in seinem Gutachten dem Angeklagten zwar eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, aber keine eigentliche Erkrankung.

Der Angeklagte habe sicher eine erhöhte Tendenz zu aggressiven Verhaltensweisen, diese erhöhte Impulsivität sei aber lediglich ein Symptom seiner Persönlichkeitsstörung, führte Deuringer aus. Seine Veranlagung sei gekennzeichnet durch ausgeprägte Arbeitsunwilligkeit, Ziellosigkeit, Gleichgültigkeit, erhöhte Eifersucht sowie deutlich eingeschränkte Beziehungs- und Empathiefähigkeit.

Keinesfalls bescheinigte der Sachverständige dem Angeklagten eine eingeschränkte Schuldfähigkeit, sondern erläuterte belastend, dass er eigentlich mehrere Möglichkeiten gehabt hätte, aus der Stresssituation anders herauszukommen, als das Kind zu töten. «Die Fähigkeit, anders zu handeln wie er es getan hat, sehe ich nicht wesentlich eingeschränkt», konstatierte der Sachverständige.

Langes Vorstrafenregister

Zum Abschluss der Beweisaufnahme wurde vom Vorsitzenden Richter Martin Hauser die Vorstrafenliste mit insgesamt 34 Eintragungen bekannt gegeben. Schon im Alter von 20 Jahren hatte es die erste Geldstrafe wegen Diebstahls gegeben. Aufgrund seiner Drogenabhängigkeit kam es immer wieder zu Diebstählen, aber auch Körperverletzungen, Betäubungsmitteldelikten, Raub und sonstigen Straftaten.

Nach mehreren Geldstrafen erfolgte im Jahre 2006 wegen Körperverletzung und Raub die erste Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Es folgten weitere Verurteilungen zu Geld- und Freiheitsstrafen bis in das Jahr 2016 wo er wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt wurde. Seit dem Tötungsdelikt befindet der Angeklagte erneut in Haft.

In seinem Plädoyer verdeutliche Oberstaatsanwalt Christian Lorenz das Unfassbare der Tat, von der man versuche, sie im Strafprozess fassbar zu machen. Entlastend für den Angeklagten wirke zwar sein Geständnis, sehr belastend kämen aber der schreckliche Tathergang, seine enorme Vorstrafenliste sowie seine ausgeprägte Gleichgültigkeit zum Tragen.

Die Nebenklägerin schloss sich dem Antrag des Anklagevertreters an, Verteidiger Rechtsanwalt Dieter Gröning plädierte unter dem Aspekt der Drogenbeeinflussung auf acht Jahre Freiheitsstrafe. Die Urteilsverkündung wurde auf kommenden Montag, 14.30 Uhr festgesetzt.