Prozess
Familienvater fährt ohne Ausweis und mit gefundenem Kontrollschild Roller – ins Gefängnis muss er aber nicht

Er hat einen ganzen Katalog von Vorstrafen und liess sich erneut bei einem Verkehrsdelikt erwischen. Nun musste sich ein 45-jähriger Fricktaler vor dem Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft forderte eine unbedingte Haftstrafe von sieben Monaten. Der Angeklagte zeigte sich vor dem Gericht allerdings geläutert und entging dem Gang ins Gefängnis noch einmal.

Dennis Kalt
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Ohne Haftpflichtversicherung und Führerausweis war ein 45-Jähriger mehrfach im Fricktal unterwegs.

Ohne Haftpflichtversicherung und Führerausweis war ein 45-Jähriger mehrfach im Fricktal unterwegs.

Symbolbild: Getty Images/iStockphoto

Für einen Familienvater dreier Kinder stand vor dem Bezirksgericht Rheinfelden vieles auf dem Spiel. Für den 45-Jährigen forderte die Staatsanwaltschaft unter anderem eine unbedingte Haftstrafe von sieben Monaten. Dass der Gang ins Gefängnis nicht nur für ihn, sondern auch für seine Familie ein finanzielles Fiasko bedeuten würde, machte der Angeklagte gegenüber Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab klar:

«Ich bin Alleinverdiener und würde meine Arbeit verlieren.»

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten unter anderem vor, mehrfach mit einem Kleinmotorrad, also einem Roller, gefahren zu sein – ohne Haftpflichtversicherung, Führerausweis und unter der missbräuchlichen Verwendung von Kontrollschildern.

Angeklagter will sich nicht herausreden

Die Vorwürfe gab der Angeklagte, der ohne Verteidiger erschienen war, vor Gericht zu. Er habe das Kontrollschild nachts am Bahnhof neben einem Kiosk stehen sehen, mitgenommen und selbst an sein Fahrzeug montiert. Er fügte an:

«So etwas mache ich nie wieder. Ich fahre jetzt nur noch mit dem öffentlichen Verkehr.»

Für die Vergehen forderte die Staatsanwaltschaft eine unbedingte Haftstrafe, da der Angeklagte bereits mehrfach verurteilt ist: 2014 wegen Fälschung von Ausweisen, 2016 wegen Veruntreuung sowie 2018 und 2019 je wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln.

Herausreden wolle er sich nicht, nur entschuldigen, sagte der Mann und beteuerte:

«Ich weiss nicht, was in meinem Kopf los war. Es war nicht gut, was ich gemacht habe, es kommt nie wieder vor.»

Dass er den Führerausweis deswegen verloren habe, empfinde er als gerechte Strafe und habe daher auch bis heute seinen Führerausweis nicht wieder beantragt.

Er klaute einen Berliner und ein Süssgetränk

Neben dem gesetzeswidrigen Fahren auf seinem Roller soll der Angeklagte ausserdem mehrfach gegen das gegen ihn verhängte Hausverbot eines Grossverteilers verstossen haben, bei dem er eine Jacke, einen Berliner und eine Dose Red Bull entwendet hatte.

Obwohl vor dem Gesetz weniger gravierend als die ihm zu Last gelegten Verkehrsvergehen, kamen dem Angeklagten beim Vorwurf des Diebstahls die Tränen. Er käme sich wie ein 12-Jähriger vor, der einen Kaugummi am Kiosk geklaut habe, sagte er und schob schluchzend hinterher:

«Ich schäme mich dafür gegenüber meiner Familie.»

Er bat vor dem Gericht um eine «allerletzte Chance» und darum, von der unbedingten Haftstrafe abzusehen.

Geldstrafe und Busse, aber kein Gefängnis

Dem Gang ins Gefängnis entging der Angeklagte gerade noch so einmal. Das Präsidium des Gerichts verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sieben Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren. Zudem erhielt der Angeklagte eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen und eine Busse von 400 Franken. «Ich schätze Ihre Zukunft so ein, dass Sie jetzt genügend gewarnt sind», sagte Lützelschwab zum Angeklagten und mahnte ihn:

«Das ist jetzt das Ende der Fahnenstange.»

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