Olsberg
Professor: «Geld für Babysitter-Kosten zu zahlen, ist falsch»

Die Gemeinde Olsberg zahlt einen Anteil an den Babysitter, wenn die Eltern im Gegenzug an der Gemeindeversammlung teilnhmen. Professor Daniel Kübler kann das nicht verstehen. Geld für Babysitter sei falsch, sagt er.

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Babysitterin mit Baby und Hunden.

Babysitterin mit Baby und Hunden.

Keystone

An Gemeindeversammlungen zählt in erster Linie nicht eine hohe Beteiligung von Bürgern, sondern dass die Versammlungsteilnehmer die verschiedenen Positionen zu einer bestimmten Vorlage repräsentieren. Das meint Daniel Kübler, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Zürich und Abteilungsleiter am Zentrum für Demokratie Aarau. «Manchmal genügt es, wenn 15 Bürger anwesend sind, diese aber die wichtigsten Ansichten in einer Streitfrage abbilden.»

Eher ein Problem sei, dass gewisse Bevölkerungsgruppen bei einer Versammlungsdemokratie wie Gemeindeversammlungen benachteiligt seien - etwa Eltern mit kleinen Kindern. Es ist gemäss Kübler nämlich üblich, dass Männer und ältere Personen übervertreten sind. Trotzdem hält er das Vorgehen der Gemeinde Olsberg, 20 Franken von den Babysitter-Kosten zu übernehmen, aus zwei Gründen für falsch: Der bürokratische Aufwand für den Nachweis, dass das Geld dafür eingesetzt werde, sei zu gross. Andererseits müssten die Bürger möglichst von sich aus an die Versammlung kommen wollen und nicht wegen des Geldes. Ein Apéro oder ein Nachtessen zu offerieren, ist für ihn weniger ein Problem: «So wird die politische Gemeinschaft gepflegt, weil oft die beteiligten Politiker auch noch anwesend sind.» (fam)