Fricktal
Probleme bei Verkehrsregelung: Autofahrern fehlt vermehrt Aufmerksamkeit und Respekt

Feuerwehrleute fordern mehr Achtsamkeit, wenn sie den Verkehr regeln. Übungen im unteren Fricktal haben gezeigt, dass Autofahrer zunehmend Probleme haben, den Regeln zu folgen.

Marc Fischer
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Oft beachteten Automobilisten Handzeichen der Verkehrsregler nicht, sagt Marco Bischoff von der Rheinfelder Feuerwehr.

Oft beachteten Automobilisten Handzeichen der Verkehrsregler nicht, sagt Marco Bischoff von der Rheinfelder Feuerwehr.

zvg

Am Montagabend regelten in Rheinfelden an verschiedenen Kreuzungen Feuerwehrleute den Verkehr. Die Verkehrsspezialisten von sechs Feuerwehren aus dem unteren Fricktal hielten eine gemeinsame Übung ab, insgesamt standen über 60 Feuerwehrleute im Einsatz. Die Übung habe erneut gezeigt, dass sich viele Automobilisten nicht mehr gewohnt seien, dass eine Person auf einer Kreuzung den Verkehr regelt, sagt der Medienverantwortliche der Feuerwehr Rheinfelden, Marco Bischoff.

Auch bei den rund zehn Einsätzen jährlich, bei denen es Verkehrsregelungen brauche, habe er schon festgestellt, «dass die Autolenker das Auge für Verkehrsregelungen immer weniger haben». Während der Übung sei zum Beispiel ein Automobilist – trotz Halt-Zeichen – einfach weitergefahren und konnte letztlich erst von der Polizei angehalten werden. «Das kann schnell zu einem Blechschaden führen oder gar den Feuerwehrmann in Gefahr bringen», so Bischoff weiter.

Bestandteil der Theorieprüfung

Die Ursachen, die zu dieser Tendenz führen, sieht Bischoff einerseits im immer dichteren Verkehr. «Andererseits konzentrieren sich viele Lenker auf die technischen Hilfsmittel in ihrem Auto oder sogar aufs Handy.» Viele seien aber durch die Handzeichen auch einfach überfordert und verwirrt.

Wie Roger Aeschbacher, Fahrlehrer in Frick und Vizepräsident des Aargauer Fahrlehrerverbands, sagt, hat sich in der Ausbildung in den letzten Jahren nichts geändert. «Die Verkehrsregelung mit Handzeichen ist weiterhin Bestandteil der Theorieprüfung», sagt er.

Auch im Verkehrskunde-Kurs werde das Thema teilweise nochmals angesprochen. «Die Situation ist aber sicher nicht alltäglich», ist sich Aeschbacher bewusst und deshalb sei sie auch nur schwierig in die praktische Fahrschule einbaubar. «Wenn wir aber mit einem Fahrschüler eine Person antreffen, die den Verkehr regelt, sprechen wir die Situation an und sensibilisieren die Fahrschüler darauf», so Aeschbacher.

Marco Bischoff hofft, dass die Automobilisten künftig wieder besser auf die Handzeichen der Verkehrsregler achten. «Wir weisen jeweils mit Faltsignalen auf unsere Einsätze hin und richten unser Augenmerk darauf, klare Signale zu geben», sagt er.

Kaum je Rettungsgassen

Laut Kommandant Andreas Fahrni wurde die Stützpunktfeuerwehr Frick bislang weniger mit der beschriebenen Problematik konfrontiert. Dies liege aber wohl eher daran, dass die Stützpunktfeuerwehr meist auf der Autobahn und selten an Kreuzungen oder Kreiseln im Einsatz stehe. «Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kollegen solche Erfahrungen machen», sagt er. Er selber stört sich viel mehr daran, dass kaum je eine ordentliche Rettungsgasse gebildet werde – nicht einmal von Berufschauffeuren.

Und auch über das Verhalten der Automobilisten gegenüber Feuerwehrleuten im Einsatz beklagt sich Fahrni. Teilweise bekomme man Schimpfworte unter der Gürtellinie zu hören. «Die Aggressivität nimmt zu und der Respekt fehlt», so Fahrni. Dies gelte auch für den Fahrstil, was gerade auf der Autobahn zu gefährlichen Situationen für die Feuerwehrleute führen könne. «Einsätze auf der Autobahn gehören für uns zu den gefährlichsten», betont Fahrni.